Aus 6 mach 2 – mein verkürztes Auslandssemester in Südafrika

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Anreise

Am 23. Januar ging es für mich und 5 andere Studierende der Ostfalia nach Port Elizabeth. Es sollte mein erster längerer Auslandsaufenthalt werden und dementsprechend groß war meine Vorfreude. Nachdem unser Anschlussflug in London 2h Verspätung hatte blieb uns in Johannesburg nicht mehr viel Zeit zum Umsteigen. Wir wussten allerdings, dass dort Helfer bereitstanden, die uns gegen ein Trinkgeld zu unserem Gate brachten. Allerdings fiel das „Trinkgeld“ mit 35 Euro dann etwas höher aus als erwartet.

Nach drei Flügen und fast 30 Stunden Reisezeit kamen wir endlich im sonnigen Port Elizabeth an. Von dort aus wurden wir mit dem Shuttle zu unserem Studentenwohnheim gebracht. Vor Ort wurden wir von sehr motivierten Mentoren empfangen, was für uns schon fast zu viel war nach der langen Reise. Das Einchecken nahm auch nochmal ein paar Stunden ein. Wie zuvor angegeben wohnte ich gemeinsam mit einer guten Freundin, in einer WG. Die ersten zwei Wochen blieb das auch erstmal so, da unsere anderen drei Mitbewohnerinnen noch auf sich warten ließen.

Welcome Week

Die Nelson Mandela University veranstaltete direkt am ersten Wochenende eine kleine Wanderung über den sogenannten „Sacremento Trail“ bis hin zum Sardinia Bay, an dem wir in den nächsten Monaten öfter waren, um den Sonnenuntergang über dem Meer zu genießen.

In der kommenden Woche lernten wir die Verantwortlichen des International Office der NMU und viele der anderen international Studierenden kennen. Es stellte sich heraus, dass diese leider zum größten Teil aus Deutschland kamen. Außerdem konnten wir unsere Kurse für das Semester wählen.  Ich entschied mich für drei Kurse aus dem Wirtschafts- und Logistikbereich, die wir auch zuvor mit der Ostfalia abgeklärt hatten. Des Weiteren wählte ich das Fach Community Service Learning. Dieses gibt es extra für internationale Studierende und ist eine Mischung aus der Mitarbeit in einer sozialen Einsatzstelle sowie Workshops und Diskussionen an der Uni als theoretischen und reflektierenden Teil.

Erste Eindrücke

Was mir sofort auffiel war das sonnige Wetter und der viele Wind, an den ich mich erst gewöhnen musste. Außerdem unterschätzte ich die Sonne und bekam erstmal einen Sonnenbrand. Die Art der Südafrikaner, denen wir begegneten, war ziemlich euphorisch und aufgedreht. Nicht nur die Mentoren des Studentenwohnheims sprühten nur so vor Energie, auch die Freiwilligen der Uni ließen nichts unversucht, um uns zum Lachen zu bringen. Außerdem war ich mir in keiner Sekunde bewusst, dass ich etwa 10.000km von daheim entfernt war. Port Elizabeth und gerade Summerstrand ist sehr modern und beim Einkaufen muss man sich lediglich an die verhältnismäßig hohen Preise für Süßigkeiten und das etwas kleinere Sortiment im Supermarkt gewöhnen. Dafür freute ich mich über das viele regionale Obst und Gemüse.

Das Studium an der NMU und Community Service Learning 

Das Studium ist etwas anders aufgebaut als an der Ostfalia. Daheim bin ich bisher abgesehen von Gesetzbüchern gut ohne Bücher ausgekommen. An der NMU brauchte ich jedoch für jedes Fach einen ziemlich dicken Wälzer. Zum Glück konnte man diese gebraucht von anderen Studierenden kaufen. Ohne Buch wäre man in den meisten Fächern nicht zurechtgekommen, da Folien nicht überall hochgeladen wurden und sich die Vorlesungen sehr stark am Buch orientieren. Außerdem ist ein Semester in zwei „Terms“ aufgeteilt. In jedem Term schreibt man pro Fach mindestens einen Test. Dazu kommen noch schriftliche Hausarbeiten und zum Ende des Semesters eine 3-stündige Klausur. Das hieß für mich, dass viel Disziplin verlangt wurde, denn der Strand war direkt vor der Haustür und die Temperaturen meist zwischen 20 und 30 Grad Celsius, denn wir befanden uns im südafrikanischen Sommer.

Beim Community Service Learning entschied ich mich für die Einsatzstelle „Victory Kids“. Dabei handelt es sich um eine Vorschule im Stadtteil Newton Park. Diese ist speziell für Kinder mit geistigen Einschränkungen. Die Kinder lernen dort in Kleingruppen, die eher nach Fähigkeiten als nach dem Alter eingeteilt sind. Im Vordergrund steht dabei, dass die Kinder ihre Fähigkeiten nutzen lernen und auch der enge Austausch mit den Eltern, um diese bestmöglich zu unterstützen. Leider konnte ich die Einsatzstelle nur 4x besuchen und beim Unterricht oder der Betreuung der Kinder unterstützen. Für den Transport zu der Einsatzstelle stellt die NMU extra einen Shuttleservice zur Verfügung. Sam, der Fahrer, ist sehr gesprächig und erzählt gerne von der Entwicklung in Südafrika und so konnte ich auch von ihm noch ein paar Eindrücke gewinnen.

Wochenendausflüge

Bereits in Term 1, also der ersten Hälfte des Semesters konnte ich mehrfach die Gelegenheit nutzen, um über das Wochenende wegzufahren. Unser erster Trip ging in großer Mädels Runde nach Plettenberg. Wir besuchten den Tsi Tsi Kamma Nationalpark und wanderten bei knappen 40 Grad über den Robberg. 

Weiter ging es nach einem Test am Samstagmorgen in Richtung Addo Nationalpark, dort verbrachten wir eine Nacht in einer kleinen Lodge, die eigene Zebras hatten. Wir machten eine geführte Tour am frühen Morgen bevor wir den Park mit unseren eigenen Autos erkundeten. Es war beeindruckend wie nah unter anderem die Elefanten, Zebras und auch Hyänen den Fahrzeugen kamen.

Kurz vor Ende des Terms konnte ich zum Glück noch drei Freunde motivieren ins „Valley of Desolation“ zu fahren. Dies befindet sich etwa drei Stunden nördlich von Port Elizabeth und auf der Strecke ist links und rechts nur karge Landschaft. Wir wohnten in einer kleinen Hütte auf einer 7000ha großen Farm, die uns der Eigentümer am nächsten Morgen auf einer Jeep Tour zeigte.  

Plötzliche Planänderung

Eigentlich wollten mich in den Ferien zwischen Term 1 und 2 Freunde aus Wolfsburg besuchen und zusammen hätten wir die Garden Route erkundet. Leider verkündete Präsident Ramophosa kurz zuvor aber eine Einreisesperre für etliche Länder, unter anderem Deutschland. Das war einer der Auslöser, ab dem Viele vermehrt über die Heimreise nach Deutschland nachdachten. Auch die NMU empfahl uns nun nach Hause zu reisen, da sie nicht wusste, wie sich alles entwickeln würde und eine Isolation im Wohnheim nicht sichergestellt werden konnte. Alle Wohnheime, die direkt zur NMU gehören, wurden geschlossen. Unseres gehörte, zum Glück für uns, einem privaten Unternehmen.

So richtig trennen konnte ich mich aber noch nicht von dem Land. Ich hatte ja fast noch nichts gesehen. Deshalb startete ich kurzerhand mit zwei Freundinnen einen Roadtrip. Um wenigstens noch einen Punkt auf der To-do-Liste abzuhaken, ging es direkt zum Bungee Jumpen in den Tsi Tsi Kamma Park.

Da meine Gedanken ziemlich verstreut waren, war die eigentliche Angst nur kurz vorm Absprung zu spüren. Wir trafen außerdem einige deutsche Touristen, die sich noch keinerlei Sorgen bezüglich ihrer Heimreise machten. Unsere Unterkünfte buchten wir immer spontan, da wir noch nicht genau wussten, wann wir wieder zurück nach Port Elizabeth fahren würden. Unsere Zwischenstopps waren Plettenberg, Knysna, Wilderness, Oudtshoorn und zurück über Jeffreys Bay.  Die Natur in Wilderness und auf der Strecke Richtung Norden nach Oudtshoorn hat mir besonders gut gefallen.

Auf unserer ganzen Route konnten wir feststellen, dass die Südafrikaner das Corona Virus sehr ernst nahmen. In jedem Laden mussten wir uns vor Betreten die Hände desinfizieren, in Restaurants gab es Social-distancing-Tische und wir mussten überall unsere Kontaktdaten hinterlassen.  Allerdings verfolgten wir stets und ständig die Nachrichten und beobachteten, dass Flüge gestrichen wurden oder gar ganze Fluggesellschaften ihren Betrieb einstellten. Daher beschlossen auch wir drei, dass wir lieber nach Hause fliegen wollten. Das Umbuchen unserer für Juli geplanten Flüge gestaltete sich dann allerdings etwas schwierig. Erstens waren unsere Flüge zusammen mit zwei anderen Freunden gebucht und liefen über einen Kommilitonen, der noch nicht heimfliegen wollte. Des Weiteren konnte auch keiner aus unserer Familie anrufen und so mussten wir stetig schauen, genug Geld auf unserer südafrikanischen Sim-karte zu haben. Zum Glück war das Telefonieren nach Deutschland verhältnismäßig günstig. Bis wir aber unsere Flüge endlich umbuchen konnten vergingen noch ein/ zwei Tage und der Flug, den wir am darauffolgenden Mittwoch nehmen wollten, war somit schon ausgebucht. Es gab aber noch einen am Sonntag danach, auf den wir uns setzen ließen. Als wir am Montag wieder in Port Elizabeth und in unserem Studentenwohnheim waren, fühlte ich mich doch etwas besser.

Ein paar internationale Studierende, waren zwar noch entlang der Garden Route unterwegs, aber das gab letztendlich nur Ärger, weil die Uni eigentlich empfohlen hatte nicht mehr zu reisen und den Studenten teilweise sogar untersagte, wieder ins Wohnheim zu gehen. Im benachbarten Wohnheim kamen einige Studenten vor Abreise nach Deutschland gar nicht mehr in ihre Zimmer und Freunde mussten für sie packen.

Erste Rückholflüge des Auswärtigen Amtes

Am Dienstag bekamen wir eine Mail des Auswärtigen Amtes, dass es zur Unterstützung des regulären Flugverkehres bereits am Donnerstag und Freitag jeweils einen Condor Flieger von Kapstadt aus geben sollte.  Diese Tickets konnte man regulär buchen. Da aber keine genaue Zeit feststand, wann die Flüge online kommen würden, saßen wir den ganzen Tag am Rechner und ergatterten letzten Endes Tickets für den Flieger am Freitag, den 27.03. Es war uns sicherer nach Kapstadt zu fahren, einer Stadt, in der sich viele Touristen befanden als nach Johannesburg, von wo aus unser regulärer Flieger am Sonntag gehen sollte. Dass auch dieser Condor Flieger auf Grund des am 27.03. in Kraft tretenden nationalen Lockdown entfallen sollte, ahnten wir noch nicht.

8 Tage Zwangsaufenthalt in Kapstadt

Am 26.03. fuhren wir dann zu neunt auf drei Autos verteilt nach Kapstadt. Auf der Fahrt dorthin kam dann der erste Dämpfer. Während wir mit der Botschaft beziehungsweise der Corona Infoline telefonierten wurde uns gesagt, dass unser Flieger für Freitag gecancelt wurde. Dies bestätigte sich dann auch am Tag darauf. Des Weiteren hatte unser für die Nacht gebuchtes Hotel schließen müssen. Somit hatten wir kurzzeitig weder Unterkunft noch einen Flug nach Hause. Es hieß also Ruhe bewahren und neu planen. Wir hatten unheimliches Glück, dass zwei weitere Studierende bereits in Kapstadt in einem Hotel waren. Die Beiden konnten für uns klären, dass auch wir, unter dem Vorwand, dass morgen unser Flieger gehen würde, einchecken konnten. Einmal eingecheckt durften wir laut Tourismusgesetz nicht mehr vor die Tür gesetzt werden- egal wie lange wir feststecken würden. Das Hotel war mit ca. 20€ die Nacht inklusive Frühstück zum Glück recht günstig. Unser ursprünglicher Plan nach Johannesburg zu fliegen, hätte uns an die 100€ die Nacht gekostet.

 Im Laufe der kommenden Woche gab es mehrere Hochs und Tiefs. Nach der ersten Nacht im Hotel befanden wir uns im Lockdown, das hieß, dass man das Haus nur noch für den Einkauf verlassen durfte. Unser Hotel hatte zum Glück eine Dachterrasse, so dass wir trotzdem sehr viel an der frischen Luft waren. Mittlerweile bekamen wir fast täglich Emails vom Auswärtigen Amt.  Jedem, der sich online auf die Rückholliste geschrieben hatte wurde versprochen, dass er nach Hause kommen würde. Es stand nur noch nicht fest wann. Die Flughäfen waren komplett geschlossen. Allerdings gab es eine Erinnerung daran, alle Daten auf der Liste zu aktualisieren. Das heißt vor allem anzugeben, wo man sich aktuell befand und ob man die Möglichkeit hatte eigenständig zum Flughafen kommen zu können. Im Südafrikanischen Fernsehen verkündete der Transportminister, dass es ab Dienstag losgehen würde, allerdings widerlegte uns das die Botschaft direkt per Mail. Irgendwann hieß es dann „voraussichtlich ab Ende der Woche“. Die Botschaft wollte sich nicht festlegen, da im Hintergrund sicherlich sehr viele Hebel in Bewegung gesetzt werden musste. Immerhin stand fest, dass die Flüge von South African Airlines durchgeführt werden sollten. Am Mittwoch bekamen wir dann die erste Mail, in der es hieß, dass wir für einen Flieger am Freitag, den 03.04. vorgesehen sind. Allerdings hatte auch dieser Flieger noch keine Genehmigung. Wir mussten einmal bestätigen, dass wir den Rückflug annehmen. Generell war ich froh, dass wir alle mit einem Laptop unterwegs waren, da dies den Schriftverkehr deutlich erleichterte. Am Donnerstagabend erhielten wir dann unsere Tickets von South African Airline und einen Passierschein von der deutschen Botschaft, falls wir auf dem Weg zum Treffpunkt kontrolliert werden sollten. Wir durften unter keinen Umständen direkt zum Flughafen fahren. Treffpunkt war das Fußballstadion in Kapstadt, wo wir uns bis 15Uhr einfinden mussten. Dort dauerte es etwa 3h in denen unsere Pässe kontrolliert wurden und unsere Körpertemperatur gemessen wurde. Danach gab es eine kleine Mahlzeit bevor wir in einer Buskolonne zum Flughafen fuhren. Der Check-In erfolgte wie immer, nur dass eben nur Personen für unseren Flieger am Flughafen waren. Planmäßig um 22Uhr hob unser Flieger nach Frankfurt ab. Ich glaube ich war noch nie so froh in ein Flugzeug zu steigen. Mal davon abgesehen, dass die Stewardessen in Ganzkörpermontur durch das Flugzeug liefen, verlief der Flug normal und es gab auch mehrere Mahlzeiten an Board.

Zurück in Deutschland

In Frankfurt angekommen mussten wir in 40er Gruppen mit jeweils 5min Abstand aussteigen, aber danach interessierte es keinen mehr, dass wir aus dem Ausland kamen. Der Flughafen war ziemlich leer und keiner des Personals trug Schutzmasken oder Handschuhe. Wir nutzten das Angebot der deutschen Bahn und fuhren kostenlos mit dem Zug nach Hause. Ganz nach Deutscher Bahn Manier hatte mein Anschlusszug in Hannover über 60min Verspätung- ein Stückchen Normalität gab es also auch noch in Deutschland.

Die nächsten Tage musste ich erst einmal verarbeiten, dass ich nicht mehr in Südafrika war und dort auch erstmal nicht wieder hinkommen würde. Allerdings war und bin ich immer noch froh, dass ich heimgeflogen bin. Meine Familie hätte sich sonst große Sorgen gemacht und Südafrika befindet sich immer noch im Lockdown. Zwar wird dieser immer weiter abgemildert, aber ich bin zum Reisen und Kennenlernen der Kultur nach Südafrika geflogen, nicht um vor Ort ein Onlinestudium im Studentenwohnheim durchzuführen. Das mache ich jetzt von Deutschland aus. Zum Glück macht dies die NMU und das internationale Office möglich.

Rückblickende Gedanken

Auch wenn mein Auslandssemester so früh geendet hat bin ich froh, dass ich es angetreten habe. Ich habe auch in den 2 Monaten so viele tolle Momente sammeln können und denke gerne zurück an die Sonnenuntergänge am Sardinia Bay, das Baden im Indischen Ozean, die Spaziergänge zur Uni, die Touren mit unserem Mietwagen, von der Uni oder dem Wohnheim organisierte Wanderungen, gemeinsames Kochen mit neu gewonnenen Freunden, zufällige Gespräche mit Studierenden oder gar Dozenten auf dem Campus, Karaoke Abende, und und und..

 

Ich hoffe, dass ich in den nächsten Jahren noch einmal die Chance bekomme, dieses schöne Land zu bereisen und etwas mehr zu sehen.

Bis dahin

Eure Sarah

 

 

Hanna Grabengießer berichtet über ihr Semester in Südafrika

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„Molweni“

… ist Xhosa und bedeutet „Hallo Zusammen“. Xhosa ist eine von insgesamt elf Sprachen in Südafrika und wird auch als „Clicksprache“ genannt, aufgrund seiner verschiedenen, für uns unaussprechlichen, Geräusche. Herzlich Willkommen auf meinem Erfahrungsbericht über mein Auslandssemester in Südafrika. Im Gegensatz zu einigen anderen Stipendiaten verbringe ich nun schon mein zweites Semester in Südafrika, nachdem mich das erste Semester (Juli- Dezember 2019) mehr als überzeugt hat und ich mich nach dieser kurzen Zeit noch nicht von dem Land trennen konnte. An dieser Stelle möchte ich die Ostfalia Hochschule positiv hervorheben, da diese es mir ermöglicht hat, das zweite Semester problemlos durchzuführen.
Nach einem kurzen Aufenthalt im Dezember und Januar in Deutschland, habe ich also die Reise wieder angetreten und bin von Hamburg, über London und Johannesburg nach Port Elizabeth (PE) geflogen. Da ich durch mein erstes Semester schon mit der Umgebung und den Gegebenheiten vertraut war, habe ich mir den Transport vom Flughafen zum Studentenwohnheim mithilfe eines Ubers selbst organisiert. Im ersten Semester habe ich den Transport der NMU (Nelson Mandela University) wahrgenommen, der sehr zuverlässig und flexibel schon am Flughafen stand, als ich ankam. Generell Ist die NMU sehr organisiert und tut alles dafür, dass sich Auslandsstudierende in Port Elizabeth wohlfühlen. Dies reicht von einer gut organisierten und informativen Orientierungswoche, bis zu Aktivitäten, die während des Semesters angeboten werden, wie z.B. verschiedene Wandertouren. Die Universität ist also durch ständigen Kontakt zu den Studierenden durch das Internationale Office darum bemüht, so gut es geht zu unterstützen und zu helfen.

Ich bin nun schon das zweite Mal für eine längere Zeit in Südafrika, weit weg von Freunden und Familie und meiner gewohnten Umgebung und blicke auf eine spannende und überaus prägende Zeit zurück, von der ich keine Sekunde bereue. Ein wichtiger Teil des Auslandssemesters war das Studentenwohnheim „Campus Key“, das meine Erwartungen weitaus übertroffen hat. Neben einem schönen Zimmer mit Dusche und Waschbecken, verfügt das Wohnheim über ein Fitnessstudio, Waschmaschinen und Trockner und einer großen Dachterrasse, auf der ich gerade sitze, diesen Bericht verfasse und nebenbei den Sonnenuntergang beobachten kann- was will man mehr. Mein Zimmer konnte ich vom letzten Semester übernehmen, was einiges erleichterte, da man sich bei der Ankunft erstmal komplett einrichten musste, denn das Zimmer ist komplett leer, nicht einmal Bettdecke und Kissen sind vorhanden- dieser Prozedur konnte ich im zweiten Semester aus dem Weg gehen.
Um hier mobil zu sein, lieh ich mir ein Auto von einem deutschen Auswanderer namens „Karl“, der darauf spezialisiert ist, alte Volkswagen Fahrzeuge an deutsche Auslandsstudierende zu einem annehmbaren Preis zu vermieten.

 

Port Elizabeth hat neben einem Traumstrand, guten Clubs und Restaurants leider nicht allzu viel zu bieten, da es „in town“ eher unsicher ist und man diese Gegend meiden sollte- allerdings kann ich mich über den Strand, den ich von meinem Zimmerfenster aus sehen kann, absolut nicht beklagen.
Der Sicherheitsfaktor spielt hier eine große Rolle. Im Vergleich zu Deutschland sollte man sich im Klaren darüber sein, dass man hier nach Sonnenuntergang nicht mehr durch die Straßen laufen sollte, vor allem nicht alleine. Generell sollte man immer ein Auge darauf haben, was um einen herum passiert, sollte nie leichtsinnig durch die Straßen laufen und ein Auge auf seine Wertsachen und Tasche haben. Glücklicherweise bin ich jedoch nie Opfer eines Überfalls oder Ähnlichem geworden, habe jedoch im zweiten Semester hier mitbekommen, wie zwei deutsche Studenten in der Nacht überfallen wurden- man muss jedoch dazu sagen, dass diese sich auch nicht an die Regeln gehalten haben und leichtsinnig bei Nacht aus einer Bar nachhause spaziert sind. Solange man sich also an die Regeln hält und aufmerksam ist, sollte nichts passieren.

Die Universität und meine Kurswahl
Das System an der Universität ist etwas anders aufgebaut, als ich es von der Ostfalia in Wolfsburg gewohnt bin und daran muss man sich erstmal gewöhnen. Hier an der NMU wird man regelrecht gezwungen, das ganze Semester zu lernen und auf dem neusten Stand zu bleiben, da man schon während des Semesters Tests schreibt und Hausaufgaben einreichen muss. Der Aufwand ist daher etwas größer und darüber sollte man sich im Klaren sein. Allerdings ist dies kein Grund besorgt zu sein, meine Erfahrungen zeigen, dass man alles gut schaffen kann und auch die englische Sprache keine Probleme darstellt.

Ich studiere Wirtschaftsingenieurwesen und habe hier an der NMU dieses Semester zwei Kurse der Fakultät Ingenieurwesen und einen Business Kurs gewählt. In „Project and Research Management“ lernte ich die verschiedenen Phasen kennen, mit denen man ein Projekt erfolgreich durchführt und in „Business Engineering“ lernte ich verschiedene Kalkulationswege kennen, um den Erfolg eines Unternehmens messen zu können. Mein dritter Kurs heißt „Organisational Behaviour“, und dieser befasst sich mit Inhalten wie z.B. „Organisational culture“ oder „Organisational Change“. Neben den akademischen Kursen spiele ich im Volleyballteam der NMU.

COVID-19
Anders als erwartet prägt das Corona Virus das aktuelle Semester. Das Virus ist hier vergleichsweise später ausgebrochen als in Deutschland. Jedoch ging es schneller als erwartet, sodass die ersten deutschen Auslandsstudierenden bereits im März wieder abgereist sind. Viele aufgrund von Bedenken, dass sie eventuell keinen Flug mehr nachhause nehmen können, da die Pandemie in einem Land wie Südafrika weitaus schlimmere Folgen haben kann. Das Auswärtige Amt hat empfohlen, sich auf eine sogenannte Krisenvorsorgeliste setzen zu lassen, falls man als deutscher Tourist so schnell wie möglich die Heimreise antreten möchte. Daraufhin organisierte das Auswärtige Amt eine Rückholaktion bis Ende April, die viele Austauschstudierende auch angenommen haben. Dabei mussten Sie eine lange Busfahrt nach Pretoria mit viel Wartezeit und speziellen Sicherheitsvorkehrungen auf sich nehmen- sind jedoch alle gesund und heile in Deutschland angekommen. Großes Lob an die Organisation und die Mühe des Auswärtigen Amts!
Ich habe diesen Rückholflug nicht angenommen und befinde mich mit noch 8 weiteren Deutschen Studierenden in Port Elizabeth. Die Entscheidung hat mir mein Bauchgefühl abgenommen und ich bin nach wie vor überzeugt, dass es für mich die richtige Entscheidung war. In Südafrika wurde einer der strengsten Lockdowns weltweit ausgerufen. Die südafrikanische Regierung hat nun 5 Level eingeführt, die jeweils abgestufte Lockerungen beinhalten. Ab heute (1.Juni) befinden wir uns in Level 3 und es ist endlich wieder erlaubt, zu jeder Tageszeit Spazieren oder Laufen zu gehen. In Level 4 durfte dies nur in einem Zeitfenster von 6-9 Uhr morgens stattfinden- danach waren die Straßen leer. Weiterhin gibt es wieder Alkohol zu kaufen und die Wirtschaft wird durch sämtliche Wiedereröffnungen wieder angekurbelt. Tabakwaren sind weiterhin verboten.
Das Studium wird online weitergeführt für diejenigen, die die Möglichkeiten haben. Die Universität stattet dabei alle Studierenden der NMU kontinuierlich mit Internet aus, damit die Studierenden an Online Vorlesungen teilnehmen können. Auch ein Laptopverleih wird angeboten und ist für Studierende aus der ländlichen Gegend unverzichtbar. Das Semester wird dadurch nun bis Ende Juni verlängert.
Leider gehört PE zu einem der Hotspot Regionen mit den meisten positiv getesteten Corona Fällen in Südafrika und es ist ungewiss, was die Zukunft bringt. Dennoch bin ich positiv eingestellt und denke, dass ich im Juli die wieder die Heimreise antreten kann.

 

 

Trotz aller Ungewissheit und einem Risiko, das ich durch mein Bleiben eingegangen bin, bereue ich keine Sekunde in Südafrika. Mir wird jeden Tag aufs Neuste gezeigt, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe und mich diese Erfahrung nicht nur fachlich, sondern auch persönlich unheimlich prägt. Die südafrikanische Kultur inspiriert mich in alles Hinsichten. Ich schätze die Positivität und Energie der Menschen hier und möchte einen Teil dieser kulturellen Erfahrungen und Lebenseinstellungen mit nachhause nehmen.

Sonnige Grüße (auch im Winter)

Hanna 

- Bericht über Auslandssemester in Portugal

Lennart Kumher ist einer unserer IFK-Stipendiaten in der ganzen Welt. Inzwischen ist er aus seinem Auslandssemester aus Sétubal zurückgekehrt und teilte seine Erfahrungen in einem Vortrag mit. „In Portugal findet das soziale Leben vor allem in den Abendstunden statt“, wusste der BWL-Student zu berichten.

- Oh, wie schön ist Budapest!

Merle Wiesner verbrachte ein Auslandssemester an der Universität in Budapest. Hier studierte sie BWL und lernte den ungarischen Alltag kennen. Nach ihrer Rückkehr berichtete die IFK-Stipendiatin über ihre Zeit in der Landeshauptstadt und warb für das bisher vielleicht unterschätze Urlaubsziel.

Giulia Maenza studiert in Südafrika

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Hallo liebe LeserInnen aus dem sonnigen Südafrika,

ich bin Giulia, 21 Jahre alt und habe derzeit die Möglichkeit im Rahmen meines BWL-Studiums an der Ostfalia Hochschule ein Auslandssemester in Südafrika zu absolvieren.

Seit drei Monaten lebe ich nun in Port Elizabeth weit weg von meiner Familie und Freunden und in einem völlig neuen Lebensumfeld. Anfangs hatte ich Bedenken, dass mich die Sprache oder Heimweh konfrontieren würden, da es für mich das erste Mal weit weg von Zuhause ist. Ich muss aber sagen, dass ich mich wirklich sehr schnell eingelebt und mich von Anfang an wohlgefühlt habe.

Anfang Juli bin ich gemeinsam mit einer Freundin, die sich ebenfalls für ein Auslandssemester in Südafrika entschieden hat, von Hamburg nach Port Elizabeth geflogen. Im Flugzeug war ich sehr aufgeregt und gespannt auf das neue Land, am anderen Ende der Welt, auf die neue Kultur und auf die kommenden fünf Monate die vor mir lagen. Vor dem Abflug mussten einige Dinge erledigt werden, unter anderem musste ich ein Studentenvisum bei der Botschaft in Berlin beantragen und natürlich musste der Koffer auch gut vorbereitet werden.

Als wir in Port Elizabeth angekommen sind wurden wir mit Sonnenschein begrüßt und es war trotz des hier vorherrschenden Winters angenehm warm. Vom Flughafen aus wurde ich in meine neue Unterkunft, dem Campus Key, gebracht. Das Campus Key ist ein sehr modernes Studentenwohnheim und liegt in der Nähe der Uni und direkt am Strand. Hier wohne ich in einer Fünfer-WG mit zwei Südafrikanerinnen, einer Amerikanerin und meiner Freundin zusammen.

Wir haben einen gemeinsamen Wohnbereich mit eigener Küche und im Wohnheim haben wir viele Gemeinschaftsräume. Des Weiteren haben wir ein Fitnessstudio, eine sehr schöne Dachterrasse und von meinem Zimmer aus habe ich sogar einen Meerblick. Da im Campus Key Locals und Internationals zusammen wohnen hat man deswegen schnell neue Freundschaften schließen können.

Ich studiere hier an der Nelson Mandela University und habe mich für zwei Kurse im Bereich Marketing und Personalmanagement entschieden. Die Universität ist mit knapp 30.000 Studenten wirklich groß und der Campus ist in einem Naturreservat gelegen und deshalb sehr grün und zudem ist es wirklich aufregend, dass es Affen auf dem Campus gibt.

Während des Semesters ist der Aufwand für die Uni wesentlich höher als in Deutschland, da man mehrere Tests und Hausarbeiten schreiben muss und auch die Vorlesungen sind deutlich kürzer als man es aus dem Uni-Alltag sonst gewohnt ist.
Zudem bietet die NMU internationalen Studenten die Möglichkeit, sich freiwillig an verschiedenen Projekten zu engagieren, wie z.B. einer Tierorganisation, einer Grundschule im Township oder Kinderbetreuungen.

Ich habe mich für das Projekt Little Angels im Township entschieden, wo Kleinkinder bis Schulkinder täglich betreut werden. Dort unterstütze ich mit zwei anderen Internationals jeden Montag die Erzieherinnen in ihren Aufgaben, indem wir mit den Kindern viel singen, spielen und malen und die Schulkinder bei ihren Hausaufgaben betreuen. Oft möchten die Kinder auch einfach nur in den Arm genommen werden und kuscheln, da sie in dem Moment die Aufmerksamkeit benötigen. Es ist sehr traurig, dass die Kinder dort kaum richtiges Spielzeug haben und oft mit dem Müll spielen, der in dem Park liegt. Im Township leben viele Menschen ohne Zugang zu Wasser, teilweise in Blechhütten unter ärmlichsten Bedingungen. Dies zu sehen war wirklich sehr mitreißend und schockierend, da in dem Stadtteil wo wir Leben, große Villen mit gepflegten Vorgärten stehen und einen Stadtteil weiter müssen Menschen unter diesen Bedingungen leben. Das spiegelt die große Schere zwischen Arm und Reich in Südafrika wieder.

Neben der Uni unternehme ich sehr viel an den Wochenenden mit anderen Internationals. Ich war schon auf vielen Wochenendtrips und wir gehen hier gerne zum Strand, lassen die Seele baumeln und gehen auch sehr gerne Essen. Gemeinsam waren wir in Plettenberg Bay und im Tsitsikamma Nationalpark, wo wir viel wanderten, mit Robben schnorchelten und die atemberaubende Landschaft erkundeten.

Des Weiteren ist der Addo Elephant Park nicht weit von Port Elizabeth entfernt. Der Addo hat mir sehr gut gefallen und war sehr aufregend, da man dort wilde Elefanten aus der Nähe in ihrer natürlichen Umgebung beobachten kann. Zudem haben wir uns mit einer großen Gruppe ein Haus in Hogsback in den Bergen gemietet und dort ein tolles Wochenende verbracht. Dort haben wir gemeinsam gekocht, sind zu einem Wasserfall gewandert und haben einen einzigartigen Sternenhimmel gesehen.

Meine Familie hat mich besucht und wir haben uns in Kapstadt getroffen, um dort einige wunderbare Tage zu verbringen. In Kapstadt haben wir den botanischen Garten besucht, sind auf den Table Mountain mit dem Cable Car hochgefahren, haben die Kap-Halbinsel mit dem weltbekannten Kap der Guten Hoffnung besichtigt und den Boulders Beach, wo man Pinguine am Strand beobachten kann.

Der Ausblick vom Tafelberg ist atemberaubend, da man von dort einen Überblick über ganz Kapstadt, den Lions Head und das Meer hat. Zudem waren wir in den Weinbergen, denn um Kapstadt herum liegt die größte Weinstraße der Welt. Die Weinberge sind sehr idyllisch und erinnern einen schnell mal an den Süden Europas.

Des Weiteren haben wir in Kapstadt das Bo-Kaap besucht. Dies gehört zum muslimischen Viertel und dort gibt es mehrere Straßen mit bunten Häusern. Auf unserer Weiterreise auf der Garden Route haben wir in Hermanus halt gemacht und von dort aus konnten wir direkt von der Küste Wale beobachten. Meine Familie ist auch nach Port Elizabeth gereist und dort habe ich ihnen vieles gezeigt.

Ich freue mich sehr auf die verbliebene Zeit, vor allem auf die kommenden Reisen und Abenteuer und auch auf die weiteren kulturellen Erfahrungen, die ich sammeln werde.

Viele liebe sonnige Grüße aus Südafrika wünscht euch Giulia.

 

Hier können Sie mehr über die Namibia-Reise der Studentin lesen:

- IFK unterstützt Aufführung „Memoria“

160 Schülerinnen und Schüler präsentierten das musikalisch-theatrale Stück „Memoria“ am 28. und 29. Januar im Scharoun Theater. Sie setzten sich unter Leitung des israelischen Künstlers Eyal Lerner anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung des KZ Auschwitz-Birkenau mit den Verbrechen des Nazi-Regimes auseinander. Der IFK unterstützte das didaktische Erinnerungsprojekt.

- Zohre Esmaeli beim IFK-Neujahrsempfang

Der IFK begrüßte traditionell mit einem Empfang das Neue Jahr. Präsidentin Kerstin Stackmann freute sich über die rege Teilnahme. Ein Gespräch von Prof. Gerhard Prätorius mit Zohre Esmaeli über ihr gesellschaftliches Engagement in Integrations- und Flüchtlingsfragen stand im Mittelpunkt des Abends in der Autostadt. Weiterlesen