Giulia Maenza studiert in Südafrika

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Hallo liebe LeserInnen aus dem sonnigen Südafrika,

ich bin Giulia, 21 Jahre alt und habe derzeit die Möglichkeit im Rahmen meines BWL-Studiums an der Ostfalia Hochschule ein Auslandssemester in Südafrika zu absolvieren.

Seit drei Monaten lebe ich nun in Port Elizabeth weit weg von meiner Familie und Freunden und in einem völlig neuen Lebensumfeld. Anfangs hatte ich Bedenken, dass mich die Sprache oder Heimweh konfrontieren würden, da es für mich das erste Mal weit weg von Zuhause ist. Ich muss aber sagen, dass ich mich wirklich sehr schnell eingelebt und mich von Anfang an wohlgefühlt habe.

Anfang Juli bin ich gemeinsam mit einer Freundin, die sich ebenfalls für ein Auslandssemester in Südafrika entschieden hat, von Hamburg nach Port Elizabeth geflogen. Im Flugzeug war ich sehr aufgeregt und gespannt auf das neue Land, am anderen Ende der Welt, auf die neue Kultur und auf die kommenden fünf Monate die vor mir lagen. Vor dem Abflug mussten einige Dinge erledigt werden, unter anderem musste ich ein Studentenvisum bei der Botschaft in Berlin beantragen und natürlich musste der Koffer auch gut vorbereitet werden.

Als wir in Port Elizabeth angekommen sind wurden wir mit Sonnenschein begrüßt und es war trotz des hier vorherrschenden Winters angenehm warm. Vom Flughafen aus wurde ich in meine neue Unterkunft, dem Campus Key, gebracht. Das Campus Key ist ein sehr modernes Studentenwohnheim und liegt in der Nähe der Uni und direkt am Strand. Hier wohne ich in einer Fünfer-WG mit zwei Südafrikanerinnen, einer Amerikanerin und meiner Freundin zusammen.

Wir haben einen gemeinsamen Wohnbereich mit eigener Küche und im Wohnheim haben wir viele Gemeinschaftsräume. Des Weiteren haben wir ein Fitnessstudio, eine sehr schöne Dachterrasse und von meinem Zimmer aus habe ich sogar einen Meerblick. Da im Campus Key Locals und Internationals zusammen wohnen hat man deswegen schnell neue Freundschaften schließen können.

Ich studiere hier an der Nelson Mandela University und habe mich für zwei Kurse im Bereich Marketing und Personalmanagement entschieden. Die Universität ist mit knapp 30.000 Studenten wirklich groß und der Campus ist in einem Naturreservat gelegen und deshalb sehr grün und zudem ist es wirklich aufregend, dass es Affen auf dem Campus gibt.

Während des Semesters ist der Aufwand für die Uni wesentlich höher als in Deutschland, da man mehrere Tests und Hausarbeiten schreiben muss und auch die Vorlesungen sind deutlich kürzer als man es aus dem Uni-Alltag sonst gewohnt ist.
Zudem bietet die NMU internationalen Studenten die Möglichkeit, sich freiwillig an verschiedenen Projekten zu engagieren, wie z.B. einer Tierorganisation, einer Grundschule im Township oder Kinderbetreuungen.

Ich habe mich für das Projekt Little Angels im Township entschieden, wo Kleinkinder bis Schulkinder täglich betreut werden. Dort unterstütze ich mit zwei anderen Internationals jeden Montag die Erzieherinnen in ihren Aufgaben, indem wir mit den Kindern viel singen, spielen und malen und die Schulkinder bei ihren Hausaufgaben betreuen. Oft möchten die Kinder auch einfach nur in den Arm genommen werden und kuscheln, da sie in dem Moment die Aufmerksamkeit benötigen. Es ist sehr traurig, dass die Kinder dort kaum richtiges Spielzeug haben und oft mit dem Müll spielen, der in dem Park liegt. Im Township leben viele Menschen ohne Zugang zu Wasser, teilweise in Blechhütten unter ärmlichsten Bedingungen. Dies zu sehen war wirklich sehr mitreißend und schockierend, da in dem Stadtteil wo wir Leben, große Villen mit gepflegten Vorgärten stehen und einen Stadtteil weiter müssen Menschen unter diesen Bedingungen leben. Das spiegelt die große Schere zwischen Arm und Reich in Südafrika wieder.

Neben der Uni unternehme ich sehr viel an den Wochenenden mit anderen Internationals. Ich war schon auf vielen Wochenendtrips und wir gehen hier gerne zum Strand, lassen die Seele baumeln und gehen auch sehr gerne Essen. Gemeinsam waren wir in Plettenberg Bay und im Tsitsikamma Nationalpark, wo wir viel wanderten, mit Robben schnorchelten und die atemberaubende Landschaft erkundeten.

Des Weiteren ist der Addo Elephant Park nicht weit von Port Elizabeth entfernt. Der Addo hat mir sehr gut gefallen und war sehr aufregend, da man dort wilde Elefanten aus der Nähe in ihrer natürlichen Umgebung beobachten kann. Zudem haben wir uns mit einer großen Gruppe ein Haus in Hogsback in den Bergen gemietet und dort ein tolles Wochenende verbracht. Dort haben wir gemeinsam gekocht, sind zu einem Wasserfall gewandert und haben einen einzigartigen Sternenhimmel gesehen.

Meine Familie hat mich besucht und wir haben uns in Kapstadt getroffen, um dort einige wunderbare Tage zu verbringen. In Kapstadt haben wir den botanischen Garten besucht, sind auf den Table Mountain mit dem Cable Car hochgefahren, haben die Kap-Halbinsel mit dem weltbekannten Kap der Guten Hoffnung besichtigt und den Boulders Beach, wo man Pinguine am Strand beobachten kann.

Der Ausblick vom Tafelberg ist atemberaubend, da man von dort einen Überblick über ganz Kapstadt, den Lions Head und das Meer hat. Zudem waren wir in den Weinbergen, denn um Kapstadt herum liegt die größte Weinstraße der Welt. Die Weinberge sind sehr idyllisch und erinnern einen schnell mal an den Süden Europas.

Des Weiteren haben wir in Kapstadt das Bo-Kaap besucht. Dies gehört zum muslimischen Viertel und dort gibt es mehrere Straßen mit bunten Häusern. Auf unserer Weiterreise auf der Garden Route haben wir in Hermanus halt gemacht und von dort aus konnten wir direkt von der Küste Wale beobachten. Meine Familie ist auch nach Port Elizabeth gereist und dort habe ich ihnen vieles gezeigt.

Ich freue mich sehr auf die verbliebene Zeit, vor allem auf die kommenden Reisen und Abenteuer und auch auf die weiteren kulturellen Erfahrungen, die ich sammeln werde.

Viele liebe sonnige Grüße aus Südafrika wünscht euch Giulia.

 

Hier können Sie mehr über die Namibia-Reise der Studentin lesen:

Merle Wiesner schreibt aus Budapest, Ungarn

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„Szia! Oder auch Hallo zusammen!

Ich bin mittlerweile schon 2 Monate hier in Budapest und kann gar nicht glauben, wie schnell die Zeit vergeht. Geplant sind insgesamt 4 Monate Aufenthalt in Budapest um mein 5. Semester in BWL an der Edutus Universität zu absolvieren. Ich hatte zu Beginn einige Bedenken, in einem anderen Land zu studieren und alles auch noch auf Englisch. Diese Bedenken haben sich jedoch schnell in Luft aufgelöst und ich bin mir absolut sicher, dass ich mit der Entscheidung nach Budapest zu gehen alles richtig gemacht habe!

 

Anreise und Wohnen in Budapest

Zuerst einmal muss ich sagen, dass es sich wirklich sehr einfach und komfortabel von Deutschland nach Budapest reisen lässt. Mit der ungarischen Airline WizzAir kann man ab Hannover zu sehr erschwinglichen Preisen (wenn man rechtzeitig bucht) direkt nach Budapest fliegen. Auch von Berlin und mehreren anderen deutschen Flughäfen werden Flüge dieser Airline nach Budapest angeboten.

Nach knapp 1 ½ Stunden Flugzeit landet man dann etwas außerhalb auf einem vergleichsweise eher kleinen Flughafen. Das ist jedoch sehr komfortabel, da man so nach kurzen Wegen schnell den Ausgang des Flughafens erreicht, von wo man für umgerechnet 3 € mit dem Bus 100 E direkt in das Zentrum Budapests gebracht wird. Eine Taxifahrt, die wie die Busfahrt ca. ½ Stunde dauert, ist vergleichsweise teuer.

Wer sich auf Wohnungssuche in Budapest begibt, sollte damit frühzeitig beginnen, da gerade zum Semesterstart viele Wohnungen, vor allem in den angesagten Bezirken wie der fünfte, sechste und siebte Bezirk, schon vermietet sind. Auch sollte man darauf achten, dass viele Vermieter ihre Wohnungen meistens für mindestens ein Jahr vermieten wollen. Wer also kürzer bleiben möchte, sollte es wie ich mit einem AirBnB zur Langzeitmiete versuchen, womit ich gute Erfahrungen gemacht habe.

 

Die Universität

Der Hauptcampus der Edutus Universität liegt in der circa 50 km westlich von Budapest entfernten Stadt Tatabánya, der Campus in Budapest ist im Verhältnis dazu relativ klein und überschaubar. Die Vorlesungen finden in kleineren Gruppengrößen statt. In den Kursen, die ich besucht habe, saßen in der Regel immer zwischen 5 bis 15 Studenten. Ich empfand dies sehr positiv, denn durch die kleinere Gruppe fand viel Austausch mit den Dozenten statt und die Vorlesungen waren zum Teil sehr interaktiv gestaltet und haben zum Mitdenken angeregt. Die Vorlesungszeiten sind denen bei der Ostfalia sehr ähnlich: Die ersten Vorlesungen starten morgens um 8 Uhr, die letzten gehen bis kurz nach 18 Uhr. Eine Mittagspause wird zwischendurch um 13 Uhr für eine halbe Stunde eingelegt. Ich habe Kurse wie International Economics, Statistic, EU Studies und Logistic belegt, welche ich auf jeden Fall empfehlen kann.

 

Stadt, Land und Menschen

Budapest ist die Hauptstadt und zugleich mit Abstand die größte Stadt in Ungarn. In den letzten Jahren an Beliebtheit gewonnen, zieht es immer mehr Menschen nach Budapest, was ich auch vollkommen nachvollziehen kann. Denn die Stadt hat viel zu bieten: sehr viele, bei Tag und bei Nacht schöne Sehenswürdigkeiten und alle mehr oder weniger fußläufig aus dem Zentrum heraus zu erreichen. Grüne Parkanlagen, ein aktives Nachtleben sowie jede Menge Einkaufsmöglichkeiten und vor allem: ganz viel Abwechslung. In Budapest ist für jeden etwas dabei, sei es historisch bedingt durch die zahlreichen Sehenswürdigkeiten, alternativ angetrieben durch viele verschiedene, hippe Cafés, abenteuerlich durch das Nachtleben des siebten Bezirks oder ganz einfach glamourös auf der Fashion Street im Herzen Budapests.

Beeindrucken kann Budapest auch mit seinen Thermen: als europäische Hauptstadt der Bäder gibt es eine sehr große Auswahl an Thermalbädern in den inneren Stadtbezirken, wo sich ein Besuch absolut empfehlen lässt. Zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Stadt zählen unter anderem die Fischerbastei mit der Matthiaskirche, das Parlament sowie die drittgrößte Basilika Ungarns, die St. Stephans Basilika. Um den Ausblick über Budapest mit all seinen Sehenswürdigkeiten zu genießen, ist die Aussichtsplattform bei der Freiheitsstatue auf dem Gellertberg sehr zu empfehlen. Hier kann man ein einzigartiges Panorama der ganzen Stadt am Tag, während der Dämmerung oder bei Nacht, erblicken.

Möchte man neben Budapest auch andere Teile Ungarns bereisen, so gibt es viele, günstige Bahnverbindungen ausgehend von den vier verschiedenen Bahnhöfen in Budapest. Ungarn beeindruckt durch eine schöne, grüne Landschaft und viele historische, kleine Städte in die sich mindestens ein Tagesausflug lohnt, wo sich vor allem Städte wie Esztergom und Szentendre empfehlen. Außerdem kann ich einen Ausflug in die Puszta Ungarns sehr ans Herz legen. Wir haben hier einen traditionellen, ungarischen Hof mit Wildpferden, ungarischer Pferdeshow und typischen traditionellen Essen und Trinken besucht.

Auch ein Ausflug zum See Balaton ist vor allem im Sommer zu empfehlen, welcher durch eine günstige Zugfahrt innerhalb von 2 ½ Stunden gut von Budapest aus zu erreichen ist. Durch seine Größe von 592 Quadratkilometer fühlt es sich an, wie ein Tag am Meer. Vor allem das kleine Dorf Tihany hat es mir angetan, jedoch denke ich, dass auch die vielen anderen kleinen Orte viel zu bieten haben.

Gerade im Herbst empfiehlt sich auch eine Wanderung in den Budaer Bergen. Mit dem Sessellift lässt sich der Janos Berg vom Buda-Rand der Stadt aus gut als Ausgangs-punkt erreichen. Nach einem kurzen Marsch erreicht man dann auch mit 527 Metern den höchsten Punkt Budapests, den Elisabeth Aussichtspunkt. Von hier aus erreicht man, mit einem Zwischenstopp um den besten Strudel Ungarns zu essen, die Kinder-eisenbahn. Die halbstündige Bahnfahrt ist ebenfalls sehr zu empfehlen, da sie direkt durch die Berge, Wälder und das Grüne verläuft.

Die Menschen hier in Budapest habe ich bis jetzt als sehr freundlich wahrgenommen. Viele von ihnen sprechen etwas Englisch oder sogar Deutsch, weshalb es bei der Verständigung bisher keine Probleme gab. Selbst wenn sie keins von beidem sprechen, haben sie versucht einem weiterzuhelfen und waren nicht abweisend oder gar unfreundlich. Außerdem merkt man, dass die Ungaren ein sehr stolzes Volk sind, weshalb auch Feiertage dementsprechend zelebriert werden.

Des Weiteren ist mir aufgefallen, dass die Ungarn es mit der Pünktlichkeit eindeutig etwas lockerer sehen als wir Deutschen, es ist also in Ordnung, mal 5 bis 15 Minuten zu spät zu einer Vorlesung oder einem Treffpunkt zu erscheinen. Gewöhnungsbedürftig ist vor allem die Währung hier im Ungarn, der Forint. 1 € entspricht 350 Forint, das heißt, selbst ein Einkauf im Supermarkt kostet schnell mal 12.000 Forint. Hier kommt man also schnell ins rechnen, wenn man sich die Preise in Euro umrechnen möchte. Aber auch das hat man nach einiger Zeit drauf.

Die ungarische Kultur ähnelt jedoch schon etwas der deutschen, oder zumindest der europäischen Kultur, weshalb man sich hier nicht wirklich fremd fühlt und sich gut und schnell einleben kann.

Für mich sind nun die letzten zwei Monate angebrochen. Ich freue mich auf viele weitere Erfahrungen in dieser spannenden Stadt. Ein Bericht darüber erfolgt natürlich nach meiner Rückkehr.“

 

Viele liebe Grüße und bis dahin,

Merle

 

IFK-Stipendiat Lennart Kumher schreibt aus Setúbal, Portugal

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IFK-Stipendiat Lennart Kumher schreibt aus Setúbal, Portugal:

„Olá aus Portugal! Seit zwei Monaten befinde ich mich in meinem Auslandssemester in Portugal. Genauer gesagt, studiere ich im schönen Städtchen Setúbal, südlich von Lissabon. Das Auslandssemester mache ich im Rahmen meines BWL-Studiums am Institúto Politecnico de Setúbal (IPS). Hier studieren ca. 6100 Studenten, darunter rund 150 internationale Studenten pro Semester aus allen Teilen Europas und Brasiliens.

Der Campus der Universität ist um einiges größer, als der Campus der Ostfalia Hochschule in Wolfsburg. Zur Universität zählen die verschiedensten Fakultäten. Von der Fakultät Gesundheit bis zur Fakultät Wirtschaft ist alles dabei. Die Universität liegt sechs Kilometer von Setúbal entfernt, ist mit dem Zug aber innerhalb von fünf Minuten zu erreichen. Wie die meisten anderen internationalen Studenten, wohne ich in der Innenstadt. In der Innenstadt ist alles fußläufig erreichbar, ansonsten kann man aber auch per Uber jeden Punkt in der Region Setúbal erreichen.

 

Die Region und das Leben in Portugal

Setúbal liegt inmitten des Naturschutzgebietes Arrábida. Hier findet man schöne Wanderwege und einige der schönsten Strände Portugals. Direkt vor der Stadt Setúbal liegt die Insel Tróia. Hier erstreckt sich ein kilometerlanger Sandstrand bis weit in den Süden Portugals. Das Wasser ist glasklar und der Sand weiß. Tróia ist außerdem dafür bekannt, Delfine vom Strand aus beobachten zu können. Für mich war es ein unbeschreibliches Erlebnis, die Delfine vorbeischwimmen zu sehen, während ich mit Freunden am Strand lag.

Ansonsten besticht Setúbal durch die perfekte Anbindung an Portugals Hauptstadt Lissabon. Mit Bus oder Bahn ist Setúbal nur 45 Minuten von der Innenstadt Lissabons entfernt. 

In Portugal dreht sich die Uhr langsamer als in Deutschland. Meist beginnen die Vorlesungen um 09.30 Uhr oder 10.30 Uhr. Die Portugiesen nehmen sich gerne Zeit für einen Kaffee in der Mittagspause oder ein Glas Wein mit Freunden. Im Allgemeinen verbringen die Portugiesen viel Zeit mit Freunden und Familie, bis spät in die Nacht. Viele Portugiesen berichten mir, dass sie kaum mehr als fünf Stunden pro Nacht schlafen, da sie sehr spät zu Abend essen und dann jeden Abend meist lange ausklingen lassen.

Außerdem essen die Portugiesen sehr viel Fisch. Natürlich bedingt aufgrund der geographischen Lage, direkt am Atlantischen Ozean. Eine besondere Spezialität ist der Fisch Bacalhau (Stockfisch), welchen die Portugiesen in verschiedensten Arten zubereiten. Wer Portugal besucht, sollte sich diese Spezialität also nicht entgehen lassen. Setúbal selbst ist bekannt für das Gericht Choco Frito. Wer jetzt an Schokolade denkt, liegt hier jedoch falsch. Es handelt sich um frittierten Tintenfisch, vergleichbar mit Calamaris.

 

Mein Studentenleben in Portugal

Studiert wird als ERASMUS-Student am IPS im Rahmen des Internationalen Moduls. Dies bedeutet, dass die international Studierenden unter sich bleiben und nicht mit Portugiesen zusammen studieren können. Einerseits wächst unter den Internationals ein richtiges Gemeinschaftsgefühl zusammen und man lernt jeden Einzelnen richtig gut erkennen, andererseits treffe ich kaum auf Portugiesen und so fällt es mir sehr schwer mich in das Universitätsleben zu integrieren. Auch die Portugiesen sehen nicht die Notwendigkeit, den Kontakt zu den Austauschstudenten zu suchen.

Ich habe drei Kurse in Portugal belegt. Aufgrund meines starken Interesses für den Bereich Marketing und Vertrieb, habe ich mich für die Kurse International Marketing, Digital Marketing und People in Organization eingetragen. Es ist toll, dass die Dozenten eine andere Sicht auf die Thematiken geben und man so noch tiefer in die Thematik einsteigen kann. Ein großer Unterschied zu den Vorlesungen in Deutschland ist, dass am Ende des Semesters keine Klausuren geschrieben werden müssen. Die Bewertung der Studenten erfolgt durchgängig. Beispielsweise durch mündliche Beteiligung oder das Vorbereiten von Vorträgen und Hausaufgaben. Abschließend wird ein kleiner Test geschrieben, um das Gelernte nochmals zu überprüfen. Würde ich durch einen Kurs durchfallen, besteht die Möglichkeit durch eine Rettungsklausur, den Kurs trotzdem noch zu bestehen. Insgesamt ist der Schwierigkeitsgrad etwas unter den Vorlesungen in Deutschland angesiedelt. Das Arbeitsklima während der Vorlesungen ist jedoch deutlich besser und macht Spaß, da die Dozenten uns aktiv in die Vorlesungen einbinden.

 

Meine Ausflüge in Portugal

Portugal ist ein tolles Reiseziel und man sollte sich Zeit für das gesamte Land nehmen. Die Natur ist sehr vielfältig und bietet einige der schönsten Strände Europas, aber auch unglaublich schöne Flusslandlandschaften, Berge zum Wandern und malerische Küstenstädtchen. Ich habe bereits viele Ziele in Portugal bereisen können und jede Reise übertrifft die andere nochmals. In Portugal habe ich schnell neue Freundschaften gefunden und reise deshalb viel in kleineren Gruppen durch ganz Portugal.

Mein absolutes Highlight war meine Reise auf die Azoren-Insel Sao Miguel. Die Landschaften sind traumhaft schön. Unzählige Seen, die in Vulkankratern entstanden sind, zieren die Insel. Die Flora und Fauna auf der Insel sind einzigartig. Es können Wale und Delfine beobachtet werden und Abenteuer wie Coasteering erlebt werden. Coasteering ist das Springen von Klippen und das Schwimmen im wilden Ozean. Für mich war es ein einmaliges Erlebnis, an welches ich mich immer erinnern werde.

Unteranderem war ich mit Freunden auch an der Algarve in den Städten Albufeira, Lagos, Faro und Portimao. In der Nähe von Lagos befindet sich beispielsweise der südwestlichste Punkt Europas. Kilometerlange Klippen zieren die Küstenlandschaft der Algarve. Wir sind auf den Klippen gewandert und dabei auf den ein oder anderen versteckten Strand gestoßen. An der Algarve herrscht außerdem die Sonnengarantie. Bis Ende Oktober/ Anfang November kann man hier mit mehreren Sonnenstunden pro Tag rechnen und muss sich so keine Gedanken um schlechtes Wetter machen.

Ein weiterer Ausflug führte mich in die Stadt Porto. Porto liegt im Norden Portugals, direkt am Fluss Douro und ist bekannt für seine engen Gassen und bezaubernden Häuser. Vermutlich jeder kennt dieses Postkarten-Image der Stadt. Des Weiteren ist Porto für seinen Wein bekannt, den sogenannten Portwein. Ich habe es mir also nicht nehmen lassen, diesen Wein zu probieren. Am besten eignet sich dafür das Familienunternehmen Porto Augusto’s, welches einen Einblick in die Weinfertigung bietet und danach zur Verköstigung einlädt. Natürlich kann hier der Wein auch direkt gekauft werden.

Wenn man in Portugal ist, sollte man auf jeden Fall einmal Surfen gewesen sein. Portugal ist der Surf-Hotspot Europas. Hier herrschen optimale Bedingungen, gerade auch für Anfänger. Ich bin mit ein paar Freunden vom 01. – 04. November in der Region Cascais surfen gewesen. Wir haben in einem Hostel geschlafen und natürlich jeden Morgen Yoga-Unterricht gehabt, wie es sich für richtige Surfer gehört.

Anschließend ging es täglich, nach einem stärkenden Frühstück, in die Wellen. Die Besitzerin des Hostels war sehr spirituell und so hatten wir auch die Möglichkeit an einer Kakao-Zeremonie mit Scharmanen aus Mexiko teilzunehmen. Das Surfen hat mir so gut gefallen, dass ich auch die nächsten Wochenenden surfen werde. Das Wetter ist weiterhin gut und Temperaturen um die 20 Grad sind noch bis Ende November garantiert.

Für mich sind nun die letzten zwei Monate angebrochen. Ich freue mich auf die Zeit und bin gespannt, welche weiteren Erfahrungen ich machen werde. Natürlich werde ich über die letzten Erfahrungen ausführlich nach meiner Rückkehr berichten.

 

Bis dahin sende ich sonnige Grüße an alle.“

Ihr/ Euer Lennart!

 

 

Mein Leben am anderen Ende der Welt

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Malin Warnken schreibt über ihr „Leben am anderen Ende der Welt“:

 

„Nun bin ich schon fast 3 Monate in Südafrika. Weit weg von meiner Familie, meinen Freunden und meiner gewohnten Umgebung. Anfangs hatte ich etwas Bedenken, in einem anderen Land zu studieren und alles auf Englisch bewältigen zu müssen. Jedoch kann ich sagen, dass sich diese Bedenken in den ersten Wochen schnell in Luft auflösten und ich mit der Entscheidung nach Südafrika zu gehen, eine der Besten Entscheidungen meines Lebens getroffen habe!

Die erste Woche

Als ich in Port Elizabeth aus dem Flugzeug stieg, schien die Sonne und eine frische Brise Wind blies mir ins Gesicht. Nun konnte ich endlich realisieren, dass ich ein Semester lang in Südafrika an der Nelson Mandela University verbringen werde.

Am Flughafen angekommen, traf ich direkt ein paar andere internationale Studenten und wir wurden gemeinsam zu unserer Unterkunft, dem “Campus Key”, gebracht. Die Unterkunft ist nur wenige Minuten von unserer Universität entfernt und ich fühle mich dort sehr wohl. Die meisten internationalen Studenten leben dort. Ich lebe in einer WG mit meiner deutschen Freundin, die mit mir gereist ist, einer Amerikanerin und mit zwei Südafrikanerinnen zusammen. Das Wohnheim ist noch sehr neu und modern gestaltet. Wir haben eine Dachterasse, gemeinsame Lernräume und auch Waschmaschinen und Wäschetrockner stehen uns jederzeit zur Verfügung. Zudem haben wir ein kleines Fitnessstudio auf der obersten Etage mit Blick auf das Meer.

Die ersten Tage dort waren jedoch etwas chaotisch, da die Wohnungen nicht gut ausgestattet sind. Man muss sich vieles selbst kaufen. So galt es für uns, am ersten Tag mit einem Uber in das fünfzehnminütig enfernte Einkaufszentrum zu fahren, um erst einmal Bettwäsche und die wichtigsten Utensilien für das Bad und die Küche zu besorgen.

Damit wir in Zukunft mobiler sein konnten, entschieden meine Freundin und ich uns dazu, uns ein Auto mit drei anderen Mädchen zu leihen. Die Studenten in Port Elizabeth haben das Glück, dass es eine Autovermietung gibt, die sehr günstig alte Autos an die Studenten vermietet. Anderenfalls ist das Uber fahren eine gute und sichere Möglichkeit, um schnell von einem Ort zum anderen zu gelangen.

Die Universität organisierte in der ersten Woche eine Orientierungswoche für uns internationale Studenten, in der viele organisatorische Dinge geklärt wurden. Wir erhielten unter anderem unseren Studentenausweis und uns wurde gezeigt, wie man sich online im Portal anmelden kann. Zudem machten wir einen Rundgang über das Unigelände, da die Universität, anders als zu Hause, sehr groß ist. Wir wurden außerdem auch darüber aufgklärt, zu welchen Ärzten wir gehen können, wenn wir krank sind, und welche Sicherheitsregeln man beachten sollte.

In der ersten Woche lernten wir auch das Nachtleben von Port Elizabeth kennen. Es gibt nicht viele Clubs, aber es ist doch immer etwas los, ob in der Woche oder am Wochenende. Dadurch lernten wir uns alle noch besser kennen. Jeden Dienstag steht zum Beispiel der Karaoke Abend im Barney’s auf der Liste.

 

Die Universität und meine Kurswahl

Das System an der Universität ist etwas anders aufgebaut, als wie wir es von der Ostfalia Hochschule in Wolfsburg kennen. Ich belege hier zwei Bachelorkurse im Bereich BWL und wir schreiben während des Semesters einige unangekündigte und angekündigte Tests sowie Hausarbeiten. Um für die Klausur am Ende des Jahres zugelassen zu werden, benötigt man hier schon einmal eine Mindestpunktzahl. Der Aufwand ist deshalb größer als an unserer Hochschule, jedoch lernt man somit schon das ganze Semester aktiv mit, so dass es einem am Ende des Jahres leichter fällt für die Klausur zu lernen.  

Unsere Dozenten sind noch sehr jung und sie nehmen uns internationalen Studenten sehr offen und herzlich in Empfang. Bei Fragen und Problemen haben sie immer ein offenes Ohr für mich.

Ich habe mich außerdem für den Kurs “Community Service Learning” entschieden. Hier kann ich mich in einem sozialen Projekt oder einer sozialen Organisation mit einbringen und diese unterstützen. Ich entschied mich dazu in dem Tierheim “Animal Welfare Society” in Walmer zu helfen. Ich kümmere mich dort jeden Mittwoch für drei Stunden um die Hunde und Katzen. Zum Besipiel gehe ich mit den Hunden spazieren, damit sie mehr Auslauf am Tag bekommen. Die Arbeit mit den Hunden macht großen Spaß, am liebsten spiele ich mit den Babyhunden.

 

Reisen, Erleben, Genießen

An den Wochenenden versuchen wir dem Unistress zu entkommen und lernen das Land besser kennen. Wir machen häufig Ausflüge in nahe gelegte Orte. Einer der schönsten Ausflüge war der Ausflug nach Hogsback. Wir mieteten uns dort mit zwölf Jugendlichen ein großes Haus mit Kamin und großem Garten. An diesem Wochenende feierten wir auch meinen Geburtstag.

Ein anderes, unvergessliches Wochenende erlebte ich in Plettenberg Bay, an dem wir mit Robben tauchten und die Delfine vom Boot aus nächster Nähe beobachten konnten. Auch die Wanderwege dort sind atemberaubend schön.   

Außerdem befindet sich ganz in der Nähe von Port Elizabeth der Addo-Elephant-National Park. Hier erlebten wir die Elefanten, Zebras, Büffel und viele weitere Tiere aus unglaublicher Nähe. Anstelle dies mit einer geführten Tour zu erleben, entdeckten wir die Tierwelt lieber selbt mit unserem eigenen Auto.

Die freie Woche zwischen den beiden Terms des Semesters verbrachte ich in Kapstadt und wir fuhren die Garden Route entlang. Kapstadt ist eine atemberaubende und sehr vielfältige Stadt. Wir entdeckten traumhafte Strände zum spazieren gehen und erkundeten die Stadt mit zahlreichen Märkten und alternativen Läden. Ich stand am Kap der Guten Hoffnung, dem südwestlichsten Punkt von Südafrika, konnte am Boulders Beach Pinguine beobachten und kletterte auf den weltberühmten Tafelberg. Aus der Stadt raus, ging es als erstes in die Weinberge nach Franchhoek. Dort konnte man die Weinvielfalt Südafrikas erleben, aber auch mehr über den Anbau und die Herstellung anderer Lebensmittel erfahren. In Hermanus hatte ich das Glück Wale beobachten zu können. Eines der für mich schönsten Orte entlang der Garden Route ist für mich jedoch Wilderness. Die Landschaft dort ist atemberaubend. Ich machte eine Kanutour im Wilderness-Nationalpark bis hin zu einem Wasserfall. Auch diese Woche verging wie im Flug.

Wenn ich jetzt zurückblicke, bemerke ich, dass ich schon einiges in der Zeit hier erlebt habe und trotzdem gibt es noch so viele Orte in Südafrika, die darauf warten in den nächsten Wochen von mir entdeckt zu werden. Ich kann es kaum erwarten meine Tasche für den nächsten Wochenendtrip zu packen!

 

Ganz liebe Grüße

 

Malin 

Merle Sobiech studiert in Port Elizabeth, Südafrika

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Goie dag wat jy liefhet – ist Afrikaans und bedeutet soviel wie „guten Tag meine Lieben“.

Nun sind schon 3 Monate rum, seitdem ich mich in Deutschland von meiner Familie und meinen Freunden verabschiedet habe und es für mich in ein fremdes Land und auf in ein neues und aufregendes Abenteuer ging.

Ich habe jetzt erst so richtig die Zeit gefunden die letzten Wochen einmal Revue passieren zu lassen. Einerseits habe ich in der kurzen Zeit schon so unglaublich viel gesehen und erlebt, dass ich ganze Bücher darüber schreiben könnte, andererseits kommt es mir so vor, als wären diese Wochen wie im Flug an mir vorbeigezogen und ich bin vor ein paar Tagen erst gelandet.

Anreise und Unterkunft

Am 30. Januar bin ich in meiner neuen Heimat Port Elizabeth, einer Stadt mit ca. 315.000 Einwohnern an der Ostküste Südafrikas gelandet.

Hier angekommen, wurden uns erst einmal unsere Zimmer im Wohnheim „Campus Key“ zugeteilt. Das Wohnheim liegt in Summerstrand, einem relativ wohlhabenden Stadtviertel in Port Elizabeth, ganz in der Nähe der Nelson Mandela University.

Ich wohne in einer tollen WG mit vier weiteren Mädels in meinem Alter. Wir fünf haben uns wirklich auf Anhieb gut verstanden und sind mit den vier Mädels aus unserer Nachbar-WG zu einer richtigen kleinen Familie zusammen-gewachsen. Unsere Türen stehen immer offen, wir feiern Geburtstage gemeinsam, veranstalten Abend-essen, kochen zusammen, verreisen über die freien Wochen-enden, wir bauen uns gegenseitig auf, trösten oder freuen uns miteinander. Ich fühle mich sehr wohl in meinem neuen Zuhause.

Unser Wohnheim ist total schön gestaltet, neu und modern. Wir haben eine Dachterasse, auf der wir auch zusammen grillen können, ein kleines Fitnessstudio, Aufenthaltsräume und das Beste ist, wir sind nur 2 Gehminuten vom Strand entfernt. Ein unglaublicher Luxus!
Auf dem täglichen Programm stehen also auch Strandspaziergänge, das Beobachten von Delphinen, die zweimal täglich an dem Strand vor unserem Wohnheim vorbei schwimmen und morgendliche Badegänge im Meer.

Studieren in Südafrika

Ich belege an der Nelson Mandela University drei Bachelorkurse aus dem Bereich Logistik und Business. Die Kurse und Vorlesungen sind hier etwas anders aufgebaut, als bei uns an der Ostfalia in Salzgitter. Man schreibt während der zwei Terms Tests, Gruppen- und Hausarbeiten um für das „final exam“ am Ende des Semesters zugelassen zu werden.

Der Aufwand während des Semesters ist also auf jeden Fall größer als in Deutschland, man arbeitet aber automatisch auch regelmäßiger mit, hat den Stoff schon gelernt und muss ihn für die Klausur am Ende des Semesters nur noch wiederholen.
Was mir an den Vorlesungen hier leider nicht so gut gefällt ist, dass man den Stoff in vielen Fächern nur auswendig lernt und es nicht darum geht, ihn auch wirklich zu verstehen und die Zusammenhänge nachzuvollziehen.


Ich habe mich außerdem in das Fach „Community Service Learning“ eingetragen. Hier haben wir internationalen Stundenten die Möglichkeit einige Einblicke in die verschiedensten Einrichtungen in Port Elizabeth zu bekommen. Wir dürfen Pfleger in Altenheimen unterstützen, können in Schulen und Kindergärten in den Townships helfen oder auch in einer Pinguinauffangstation mitarbeiten.

Ich habe mich für das Arbeiten mit Kindern in einer Schule im Township Walmer entschieden. Vier Mädels und ich unterstützen dort also die Erzieher bei ihrer täglichen Arbeit mit den Kindern, spielen mit Ihnen, singen, tanzen oder helfen den Älteren bei ihren Hausaufgaben. Manche möchten auch einfach nur kuscheln und in den Arm genommen werden.

Die Kommunikation mit den Kleinen ist leider sehr schwer, da die Kinder kaum Englisch sprechen und wir Internationalen kein Afrikaans oder Xhosa beherrschen. Trotzdem finden wir immer irgendwie eine Möglichkeit uns zu verständigen.

Schön ist es aber, wenn sich die Kinder in der nächsten Woche daran erinnern, was wir Ihnen bei unser letzten Begegnung beigebracht haben. Oft sind das einfache Dinge wie „Danke!“ und „Bitte!“, Spiele, die sie gerne wieder mit uns spielen möchten oder Lieder, die wir Ihnen beigebracht oder vorgesungen haben.

Kulturelle Unterschiede

Jedes Mal, wenn wir an den Townships vorbei fahren oder Kinder, Männer und Frauen auf den Straßen betteln sehen, wird mir wieder bewusst, wie unendlich dankbar und gesegnet wir in Deutschland sind. Wir haben das Recht auf Bildung, ein soziales System, fließend Wasser und Strom, ein Dach über unserem Kopf und sind gesundheitlich auch jederzeit abgesichert.

Man merkt hier sehr schnell, dass in einer Stadt und wirklich auch nah beinander, die zwei Welten – arm und reich – sehr stark aufeinander prallen.
Wir Studenten leben in einem sehr schönen und modernen Gebäude, nicht einmal 2 Gehminuten vom Strand entfernt, während ein Großteil der Einheimischen in kleinen Wellblechhütten oder heruntergekommenen 1-Zimmer Wohnungen in den Townships, an den Rändern der Stadt wohnen und wirklich sehr hart für ihr Geld arbeiten müssen.

Unfair ist hier leider immer noch so Einiges und auch, wenn sehr viele von Gleichberechtigung sprechen, sieht man in den Hotelanlagen oder Restaurants oft weiße Inhaber, die dunkelhäutige Mitarbeiter unterweisen. Das Hautfarbe hier noch so eine riesige Rolle spielt, hätte ich wirklich nicht gedacht.

Auch in unserer Uni, gab es Anfang März Proteste, um gegen die hohen Studiengebühren, die sehr vielen südafrikanischen Studenten eine Hochschulausbildung nur schwer zugänglich macht, vorzugehen.

Trotzdem sind die Südafrikaner ein unglaublich gelassenes und freundliches Volk. Egal wo man Hilfe benötigt, ob im Supermarkt, beim Einparken oder in der Universität, man bekommt fast immer und überall die nötige Unterstützung oder ein nettes Lächeln.

Es gibt jedoch einen großen Unterschied zu der deutschen Mentalität, in der es ja sehr oft um Schnelligkeit, Pünktlichkeit und Perfektionismus geht. Hier ticken die Uhren auf jeden Fall vieeel langsamer. Wir Deutschen mussten uns wirklich an die „south african time“ gewöhnen, schnell mal einkaufen gehen, ist hier nicht möglich. Auf einen Kaffee oder Tee, wartet man auch mal eine halbe Stunde und selbst in der Uni werden Prüfungspläne gerne mal eine Woche später verschickt, als vorher bekanntgegeben.

Sicherheit

Um das Thema Sicherheit habe ich mir vor meinem Auslandssemester in Südafrika natürlich auch viele Gedanken gemacht. Nach den drei Monaten kann ich dennoch sagen, dass ich mich persönlich sehr sicher in Port Elizabeth fühle. Natürlich muss man auch hier, wie in jedem anderen Land dieser Welt, seinem eigenen Verstand, seiner Intuition und seinem Gefühl vertrauen.

Wir haben uns zu Beginn des Semesters ein Auto gemietet und nutzen dieses auch für kurze Strecken, sobald die Dunkelheit einbricht. Am Tage kann man in unserem Stadtteil Summerstrand überall zu Fuß hingehen und selbst allein fühle ich mich hier sicher. Außerdem gibt es die Möglichkeit, sich für wirklich wenig Geld ein Uber zu rufen, um also auch, wenn man kein Auto zur Verfügung hat, schnell und sicher überall hinzukommen.

Einige Bereiche in der Innenstadt und auch die Townships meiden wir ganz oder erst richtig, sobald es dunkel wird. Man erkennt aber an den Blicken der Einheimischen schon sehr schnell, ob man irgendwo willkommen ist oder sich lieber zügigst und möglichst unauffällig auf den Weg machen sollte.

Auch unsere Wertsachen tragen wir hier nicht unbedingt offen und für jeden sichtbar mit uns herum oder lassen sie im Auto liegen.

Ich finde, man bekommt aber auch schnell, ein Gefühl dafür, was man tun und lassen sollte, oder in welchen Gegenden man sich ohne Bedenken bewegen kann.

Ausflüge und Erlebnisse

Neben unserem Unialltag versuchen wir natürlich so viel wie möglich von Südafrika zu sehen und zu erkunden. Gerade auf dem Weg nach Kapstadt, die Garden Route entlang, gibt es unglaublich viele super schöne Orte und Sehenswürdigkeiten.

An Wochenenden und in den Ferien zwischen den zwei Terms, haben wir also Hogsback erkundet und uns dort zu zwölft ein Airbnb gemietet. Wir sind gewandert, haben in Wasserfällen gebadet, gegrillt und Stockbrot gemacht.

Wir waren in Jeffreys Bay, in unglaublich schönen Sanddünen ausreiten. Haben den Bungee Jump von der Bloukrans Bridge im Tsitsikamma Nationalpark gemacht, waren mit unserer Tauchschule in Plettenberg Bay mit Robben tauchen und schnorcheln und haben das wunderschöne Kapstadt erkundet. Dort haben wir im Kirstenbosch Botanical Garden ein Konzert unter freiem Himmel besucht, wir waren am Boulders Beach und konnten mit Brillenpinguinen baden und standen am Kap der guten Hoffnung, dem südwestlichsten Punkt Afrikas.

Außerdem befindet sich ganz in der Nähe von Port Elizabeth der größte Nationalpark des südafrikanischen Ostkaps. Hier kann man wunderschönen Tieren, wie Elefanten, Löwen, Zebras und Büffeln unglaublich nah kommen und sie vom Auto aus in freier Wildbahn beobachten.

Südafrika hat so Einiges zu bieten und obwohl ich schon so Vieles gesehen haben, kann ich es kaum erwarten die nächsten Wochen weiter durch dieses wunderschöne, vielseitige Land zu reisen und die Kultur noch besser kennenzulernen und zu erleben.

Ich drücke euch ganz dolle und sende euch sonnige Grüße aus dem südafrikanischen Herbst,

Merle

Vivian Bochem verbringt ein Semester in Lissabon

Zitat

Erfahrungsbericht von Vivian Bochem über ihr Auslandssemester an der NOVA School of Business and Economics in Lissabon, Portugal

 

Vivian Bochem in Lissabon

Nach einigen Monaten Vorbereitungszeit und erwartungsvoller Vorfreude ging es für mich am 27.01.2018 los nach Lissabon. Ich flog von Berlin aus in die Hauptstadt Portugals, um dort fünfeinhalb Monate zu verbringen. In Lissabon angekommen, fuhr ich zu meinem neuen Zuhause, einer WG mit zwei Portugiesinnen und zwei Brasilianern – perfekt also, um meine Sprachkenntnisse zu verbessern! Ich wurde gleich herzlich von meinen Mitbewohnern empfangen und konnte mich schnell gut in der WG einleben.

Vivian Bochem in der Universität in LissabonNach wenigen Tagen des Einlebens begann auch schon das Semester an der Universität, der NOVA School of Business and Economics, welche eine eigenständige Fakultät der Universidade NOVA de Lisboa ist. Das Semester war in zwei Hälften aufgeteilt, in denen ich verschiedene Kurse belegen konnte. Da ich mein Auslandssemester als „Freemover“, also unabhängig von Partnerschaften meiner Heimathochschule, der Ostfalia in Wolfsburg, bestritt, hatte ich die Möglichkeit, meine Kurse frei nach meinen Interessen zu wählen.

In der ersten Hälfte des Semesters belegte ich die Module „Corporate Social Responsibility“, „Sustainable International Business“ und „Global Human Resource Management“. In der zweiten Semesterhälfte wählte ich „Management of Non-Profit Organizations“ und „Product Design and Development“. Parallel zu diesen Kursen belegte ich über das gesamte Semester einen Portugiesisch-Sprachkurs, um das Niveau B1 zu erreichen.

Campusplan der Nova School

Die erste Semesterhälfte verging wie im Flug, da die Module sehr anspruchsvoll, bzw. arbeitsintensiv waren und ich mich an der neuen Uni erst einmal eingewöhnen musste. Somit verbrachte man fast die gesamten Tage in der Uni mit Gruppenarbeiten, Hausarbeiten und natürlich Vorlesungen. Das System an der Universität unterschied sich sehr von meiner Heimathochschule, da für jedes Modul viele verschiedene Prüfungsleistungen erwartet und bewertet wurden. Zu jedem Modul mussten eine oder mehrere Hausarbeiten verfasst werden, eine meist sehr zeitaufwendige Gruppenarbeit angefertigt und präsentiert sowie eine Klausur geschrieben werden. Auch die Vorlesungen waren sehr interaktiv gestaltet, sodass ich den Eindruck hatte, immer sehr viel aus den Veranstaltungen mitzunehmen. Die Kurse waren interessant und bestätigten mich in meinem Vorhaben, eine Masterarbeit in der Themenrichtung des Corporate Social Responsibility anfertigen zu wollen.

Nach dem ersten Semesterblock gab es eine Woche Ferien, die ich dafür nutzte, etwas mehr von Portugal zu entdecken. Ich entschied mich für einen mehrtägigen Ausflug nach Porto, die etwas kleinere, aber sehr hübsche Stadt im Norden Portugals, die insbesondere für ihren Portwein in der Welt bekannt ist. Zu meinen Reisen berichte ich später etwas mehr. Denn die zweite Semesterhälfte stand direkt vor der Tür und verging nicht minder schnell als die erste, da ein großer Workload in wenigen Wochen zu erledigen war. Ich entschied mich, einen Kurs weniger zu belegen als in dem ersten Term, da weniger interessante Kurse angeboten wurden und ich schon genug Credit Points für meine Heimathochschule gesammelt hatte.

Außerdem war es mir wichtig, mich nun mehr auf das Portugiesisch lernen zu konzentrieren, was ich zugegebenermaßen in den ersten Wochen stark vernachlässigt hatte. Der Portugiesisch Kurs war weniger intensiv als erhofft, da er nur zweimal pro Woche für knapp zwei Stunden stattfand und die Anzahl der Schüler im Kurs mit ca. zwanzig relativ groß war für einen Sprachkurs. Ich befasste mich also nun mehr im Selbststudium mit der Sprache und übte vor allem mit meinen brasilianischen Mitbewohnern und einem portugiesischen Sprach-Tandempartner. Ich denke, dass mir dies am besten geholfen hat, meine Sprachkenntnisse zu verbessern.

„Am Ende des Semesters habe ich meinen Portugiesisch Test sogar gut bestanden und mein Ziel, das B1 Niveau, erreicht.“

Auch die Vorlesungen eröffneten mir im Allgemeinen einen neuen Horizont, da viele Themen und Probleme der heutigen Welt betrachtet wurden, die ich in meinem bisherigen Studium nicht integrieren konnte. Insbesondere die Module „Sustainable International Business“ und „Management of Non-Profit Organizations“ förderten meinen Blick für „wichtigere Dinge“ in der Welt als Autos und die Probleme einer Wohlstandsgesellschaft wie Deutschland. Es ging z.B. um Social Businesses in Afrika und Kinderarbeit im Kongo oder in China, welche nur Beispielthemen sind um zu erfahren, wie komplex unsere Weltwirtschaft ist und dass es immer zwei Seiten einer Medaille gibt.

Aber auch in Bezug auf Arbeitsmethoden und Internationalität hatte die Universität, die die dreifache internationale Zertifizierung trägt, sehr viel zu bieten. Das große Manko jedoch war der Campus selbst, welcher aus einem alten Gebäude bestand, das so einige Mängel aufwies und insbesondere viel zu klein war für die Anzahl der Studierenden. Jedoch baut die NOVA SBE zurzeit einen neuen, hochmodernen Campus in Carcavelos, einem Ort an der Küste zwischen Lissabon und Cascais, der auch von der portugiesischen Regierung stark gefördert wird. Im Rahmen eines Kurses besuchten wir die Baustelle des neuen Campus und ich konnte einen Eindruck gewinnen, wie angenehm die Studienbedingungen dort sein werden. Es wird dort auf jeden Fall genügend Platz geben und alles, was das Studentenherz begehrt, sogar einen direkten Strandzugang!

Nun möchte ich etwas mehr auf Lissabon und meine Reisen in Portugal eingehen. In Lissabon wohnte ich bereits für einen einmonatigen Sprachkursaufenthalt, dementsprechend kannte ich die Stadt schon ganz gut. Jedoch gibt es natürlich abseits der wichtigsten Sightseeing Orte wie dem Castelo de São Jorge, dem Elevador de Santa Justa, der Praça do Comércio und dem Torre de Belém noch viele andere Orte zu entdecken. Besonders gern besuchte ich die verschiedenen Aussichtspunkte in der Stadt (Miradouros), denen man überall begegnet, wo man sich auf einem der Hügel der Stadt befindet. Denn Lissabon ist die Stadt der „sete colinas“, also sieben Hügel.

Wer nach Lissabon kommt, sollte sich also bequeme und feste Schuhe mitbringen, ansonsten sind einige Wege doch sehr beschwerlich. Ich hatte außerdem eine etwas unglückliche Zeit erwischt, was das Wetter betrifft. Von Anfang März bis ca. Anfang Mai gab es eine Regenphase in Lissabon, wie sie die „lisboetas“ lange nicht gesehen haben. Es fiel oftmals so viel Regen, dass das Wasser auf den Gehwegen und in den Eingängen der U-Bahn stand und man große Gefahr lief, auszurutschen. Denn das Pflaster in Lissabon ist alles andere als geeignet für Regen, da es sehr glatt ist und das Wasser nicht gut abfließen kann. Besonders für ältere Menschen war schon der Gang zum Supermarkt wirklich nicht leicht.

Lissabon

Lissabon hat außerdem eine ausgeprägte Kaffeekultur, da viele Portugiesen zu jeder Tageszeit vor den „Pastelarias“ (eine Mischung aus Café, Bäcker und Bistro) gemütlich ihren Kaffee trinken und sich mit Bekannten zu einem Gespräch treffen. Dies deutet schon an, dass die Uhren in der Stadt etwas langsamer ticken als in anderen europäischen Großstädten. Und das ist wirklich so, denn die Zeit für ein Gespräch oder einen Kaffee oder andere angenehme Auszeiten nimmt man sich gerne und man hetzt sich nicht durch die Straßen und U-Bahnstationen, wie es beispielsweise die Londoner tun.

Wenn man zu spät zu einem Treffen erscheint, dann ist das in Portugal ganz normal und gehört zum guten Ton. Meistens ist eine halbe Stunde Verspätung noch ganz normal, woran ich mich mit der Zeit auch sehr gut gewöhnt habe und mich jetzt in Deutschland wohl erstmal wieder umstellen muss. Außerdem erwähnenswert ist natürlich das Nationalgericht Portugals, der Bacalhau, welcher jedoch nicht in portugiesischen Gewässern, sondern in den nördlichen Gewässern Europas gefischt wird.

Lissabon II

Ein Sprichwort in Portugal sagt, es gäbe 365 Gerichte mit Bacalhau – für jeden Tag im Jahr eines. Ich habe zwar nicht 365 auf einmal sehen können, glaube jedoch, dass die Anzahl der Variationen nicht weit davon entfernt sein kann. Viel besser schmeckte mir jedoch die Pastel de Nata, ein kleiner Kuchen mit einer Art Pudding-Ei-Füllung. Nicht nur diese, auch andere süße Köstlichkeiten kann man in den Pastelarias in Portugal an jeder Ecke bekommen und genießen!

Außerhalb von Lissabon kann ich, wie bereits erwähnt, einen Besuch in Porto sehr empfehlen. Die Stadt ist zwar auch schon sehr touristisch, jedoch hat sie noch einen anderen Charme als Lissabon, da sie kleiner und familiärer ist und man mehr Hafenstadt-Atmosphäre verspürt. Besonders interessant fand ich auch einen Ausflug ins Douro Tal, wo der weltbekannte Portwein und auch andere Weine angebaut werden.

In dem Ort Vila Nova de Gaia gegenüber von Porto, auf der anderen Seite des Douros, sind die großen Weinkeller für den Portwein angesiedelt und prägen durch ihre großen, an die USA erinnernden Schriftzüge das Stadtbild. Nicht weit von Porto, an der Küste in Richtung Süden, besuchte ich außerdem das Städtchen Aveiro, welches als das „Venedig Portugals“ bekannt ist. In der Tat gibt es dort Kanäle, auf Holzpfeilern gebaute hübsche Häuser und kleine traditionelle Boote. Früher war die Stadt für die Förderung von Meersalz aus der angrenzenden Lagune bekannt und von großer wirtschaftlicher Bedeutung für Portugal.

Stadt ÉvoraIch besuchte auch die Universitätsstadt Coimbra, welche ebenfalls recht klein, aber fein ist. Sie beherbergt die älteste Universität Portugals, welche auch eine der ältesten Europas ist. Einen kurzen Besuch ist die Stadt in jedem Fall wert. Leider habe ich es nicht mehr geschafft, in den höheren Norden nach Guimarães und Braga zu fahren, diese Städte stehen aber für spätere Besuche in Portugal auf meiner Liste. Einen Tagesausflug unternahm ich auch in die schöne mittelalterliche Stadt Évora im Alto Alentejo, der „oberen Region jenseits des Flusses Tejo“. Sie gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe und versprüht wirklich ein mittelalterliches Flair.

Insbesondere die Knochenkapelle und die Kathedrale sind sehr sehenswert und ein Bummel durch die Gassen der Stadt wirkt sehr entschleunigend. Nach dem Ende meines Semesters an der Uni belegte ich noch einen Konversationskurs bei einer Non-Profit Organisation und einen kleinen Kurs an einer Sprachschule, um das Portugiesisch weiter aktiv zu üben, auch wenn ich es inzwischen im Alltag eigentlich nur noch benutzte.

Nach ein paar Wochen verabschiedete ich mich dann von Lissabon in Richtung Süden. Es fühlte sich schon an dem Punkt so an, eine zweite Heimat zu verlassen. Ich werde die Stadt mit ihrer Lebensweise und insbesondere meine brasilianischen Mitbewohner sehr vermissen. Aber ich verabschiedete mich sicher nicht für immer!

Baixo Alentejo

Zunächst reiste ich dann ein paar Tage alleine durch den Baixo Alentejo, eine Region die bei vielen Deutschen sicher unbekannt ist – zu Unrecht. Denn die Region zeigt viel Ähnlichkeit mit der italienischen Toskana, landschaftlich und landwirtschaftlich. Ich übernachtete in Beja, einer Kleinstadt mitten im Baixo Alentejo, die von vielen Wein- und Olivenhainen umgeben ist. Dort besichtigte ich auch einen Familienbetrieb, der Olivenöl und Wein herstellt. Die kleinen Städtchen im Alentejo haben meist eine Burg und viele kleine Museen und Kirchen zu besichtigen. Außerdem gibt es oft archäologische Ausgrabungsstätten zu erkunden. Nicht nur wegen dieser fühlt man sich in die Vergangenheit zurück versetzt, denn das Leben auf dem Land ist noch sehr ursprünglich und ruhig. In einigen Dörfern gibt es sogar noch Gebäude, in denen die Frauen ihre Wäsche per Hand waschen, während die älteren Herren im Schatten ihrer kleinen weißen Häuser sitzen und Karten oder Schach spielen. Ich habe diese ländliche Idylle sehr genossen!

Fliesen-Wandbildern, AzulejosDanach besuchte ich mit meinem Freund die Algarve, die unendlich viele schöne Strände zu bieten hat. Ein Besuch am südwestlichsten Punkt Kontinentaleuropas, dem Cabo de São Vicente, durfte natürlich auch nicht fehlen! Von dort schickte ein früherer König Portugals, Heinrich der Seefahrer, seine Schüler auf die hohe See und auf die großen Reisen, um neues Land zu entdecken. Im Allgemeinen ist die Seefahrt ein omnipräsentes Thema in Portugal, denn das Land scheint stolz zu sein auf seine „Entdecker“.

Insbesondere der Seefahrer Vasco da Gama, welcher den Seeweg nach Indien fand, wird an vielen Orten geehrt, zum Beispiel durch Denkmäler. Auch in den Fliesen-Wandbildern, den „Azulejos“, wird das Thema der Seefahrt in so gut wie jedem Ort Portugals veranschaulicht und stellt immer einen schönen Blickfang dar, den man bei einem Stadtspaziergang so nicht erwartet. Nachdem wir einige – endlich warme und sonnige – Tage an der Algarve genossen hatten, ging es dann zurück nach Deutschland.

Strand in Portugal

Die sogar höheren Temperaturen als in der überwiegenden Zeit meines Portugal-Aufenthalts machen das wieder Einleben auf jeden Fall angenehmer als erwartet. Jedoch werde ich wohl noch lange „saudades“ (Sehnsucht) haben, nach dem Land in dem die Zeit eine untergeordnete Rolle spielt und in dem die Sonne, wenn sie endlich scheinen darf, so sehr strahlt wie nirgendwo sonst.

 

Até logo, Portugal!

Vivian Bochem

Amelie Körtje arbeitet beim Roten Kreuz in Puebla, Mexiko

Zitat

„Mein Abenteuer Mexiko“

Zweiter Zwischenbericht von Amelie Körtje

 Die Pyramiden von TeotihuacanVor genau acht Monaten kam ich voller Aufregung am Flughafen in Mexiko Stadt an. Was würde mich wohl erwarten, in diesem unbekannten Land, in dem ich ein Jahr verbringen würde? Heute, acht Monate später, kann ich sagen, dass die Zeit anders verlaufen ist, als ich es erwartet hätte. Ich versuchte, mit möglichst wenigen Erwartungen zu kommen und sie wurden haushoch übertroffen. In acht Monaten habe ich gefühlt so viel erlebt, gestaunt, gefühlt und über das Leben gelernt wie vielleicht in den 19 Jahren zuvor nicht. Mit Überzeugung kann ich behaupten, dass es die bisher beste Entscheidung meines Lebens war, ein Jahr als Freiwillige mit dem Roten Kreuz in Puebla zu verbringen.

Die beeindruckenden Pyramiden von Palenque mitten im Dschungel von ChiapasSeit meinem letzten Bericht im November hat sich viel verändert. Da meine erste Gastfamilie ein Baby bekam, machte ich mich mit dem Koordinator des Roten Kreuzes auf die Suche nach einer neuen Gastfamilie. Den Wechsel erlebte ich mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Einerseits hing ich sehr an Paula und Alejandro, meinen ersten Gasteltern, sie haben es mir ermöglicht, das unfassbar komplexe politische, ökonomische und soziale Geflecht Mexikos zumindest ansatzweise zu begreifen.

Doch sah ich die Situation auch als Chance, noch eine andere Seite Mexikos kennenzulernen, andere Sichtweisen, einen anderen Lebensstil, andere Gebräuche. Seit Januar wohne ich nun bei Vicky, meiner neuen Gastmutter und der Haushälterin Tona, nur fünf Gehminuten vom Cruz Roja entfernt. Vicky ist Lehrerin an einer Montessorischule, jeden Sonntag kommen ihre beiden erwachsenen Kinder zum Mittagessen und Spieleabend zu Besuch. Leider sehen wir uns aufgrund der unterschiedlichen Arbeitszeiten und meiner regelmäßigen Wochenendausflüge nicht so oft, dennoch fühle ich mich sehr wohl in meinem neuen Zuhause.

Auch von meiner Einsatzstelle im Cruz Roja gibt es Neuigkeiten. Bis Februar arbeitete ich im Rettungsdienst, doch leider gab es zum Ende hin immer weniger Einsätze, da es Probleme mit der Notrufzentrale gab und dem Cruz Roja weniger Einsätze zugeteilt wurden. So gab es leider immer wieder Zeiten, in denen doch Langeweile aufkam. Ich versuchte jedoch, diese Stunden sinnvoll, z.B. durch Lesen zu überbrücken.

Ausgeglichen wurde dies durch Tage, an denen ich wirklich das intensive Gefühl hatte, etwas zu lernen, nicht nur in medizinischer Richtung, sondern auch mental und emotional über mich selber. Zu sehen, wie sich das Leben eines Patient qualvoll dem Ende zuneigt, aufgrund eines Sauerstoffmangels, der auf mögliche Fehleinschätzungen der Rettungskräfte zurückzuführen ist, war schwer und emotional belastend. Hätte ich mehr auf mein mulmiges Bauchgefühl hören sollen und mehr auf meine Meinung bestehen sollen? Bin ich somit Schuld am Tod eines Menschen? Es sind Fragen, die sich wohl jeder Mediziner früher oder später stellen muss und ich bin froh, diese Erfahrung jetzt schon machen zu können und daraus zu lernen.

Im Rettungsdienst lernte ich unter anderem praktisch, ein EKG, etwa bei einem Infarktpatienten zu lesen, Infusionen zu legen, zu reanimieren (wenn auch jedes Mal erfolglos) sowie grundlegende Dinge wie die Vitalwerte zu messen und Verbände zu legen. All diese Lernfortschritte lassen mich über die vielen Stunden des tatenlosen Rumsitzens und Wartens hinwegsehen. Dennoch freute ich mich, als wir im Februar in die Notaufnahme und die Consulta, einer Art gemeinärztlichen Sprechstunde wechselten, jeweils eine Woche im Wechsel in einem der beiden Bereiche. Wir arbeiten Montag bis Freitag, nachmittags von 14 bis 19 oder 20 Uhr. Der zuständige Arzt in der Consulta erklärt viel und anschaulich, so dass ich oft wirklich das Gefühl habe, etwas zu lernen, auch wenn ich meistens nur bei der Untersuchung zuschaue. Einfache Dinge wie Fäden ziehen oder Vitalwerte messen darf ich jedoch übernehmen.

In der Notaufnahme schätze ich besonders die Anwesenheit der Medizinstudenten im Praktischen Jahr, denn mehr als der Arzt selber lassen sie mich kleine Aufgaben erledigen und erklären mir die Sachverhalte. So darf ich unter anderem hin und wieder kleine Wunden säubern und, was mich besonders begeistert, nähen, EKGs legen, und den Dopplerultraschalluntersuchung bei Schwangeren durchführen. Insgesamt besteht der Einsatz in der Notaufnehme jedoch auch vorrangig aus Zuschauen. Zweimal durfte ich, nach mehrmaliger Nachfrage meinerseits, bei Operationen zuschauen und auch dort sogar nähen.

MNach meinem ersten Kaiserschnitt im Cruz Roja mit der Plazentaein absolutes Highlight bisher bei der Arbeit im Cruz Roja erlebte ich vor einigen Tagen, als ich zum ersten Mal bei der Geburt eines Babys zusehen durfte. Wie so häufig hier in Mexiko, handelte es sich um einen Kaiserschnitt. Der Moment, als der kleine Kopf endlich zum Vorschein kam, war ein ganz besonderer. Als der Mutter langsam eine Träne über das Gesicht voller purer, bedingungsloser Liebe rollte, ging mir das Herz auf und auch ich spürte vor Ergriffenheit eine kleine Träne im Augenwinkel.

Es sind diese kleinen und großen Momente, die mich immer wieder bestärken in dem Wunsch, Medizin zu studieren.

Tatsächlich ist die Arbeit im Cruz Roja für mich der größte Anreiz, nach Deutschland zurückzukehren. Nicht weil es mir nicht gefällt, sondern weil ich in der direkten Arbeit mit den Patienten und Ärzten merke, wie viel Lust ich habe, mehr zu lernen über die Medizin, im Detail zu verstehen, wie der menschliche Körper aufgebaut ist und funktioniert, welche Krankheiten und Therapiemöglichkeiten es gibt. Oft wünsche ich mir, schon mehr in Form des Studiums gelernt zu haben und so aktiver mitarbeiten zu können.

Im Pueblo Magico Tepoztlan, Morelos

Ansonsten nutze ich meine freie Zeit hier in Mexiko ausgiebig, um dieses wunderschöne vielfältige Land kennenzulernen. Über Ostern reiste ich in den südlichen Bundesstaat Chiapas, der fast zu 80% aus indigener Bevölkerung besteht. So lernte ich nochmal eine ganz andere, ursprünglichere Seite Mexikos kennen. In Hütten im Dschungel zu dem Brüllen der Affen und Zwitschern der Vögel aufzuwachen, in glasklaren Bächen und Wasserfällen zu schwimmen, durch das bunte San Cristobal de las Casas voller Kultur und Leben zu schlendern, auf dieser Reise verliebte ich mich nochmal mehr in Mexiko und seine Vielfalt.

Und doch machte sie mir erneut die sozialen Unterschiede Mexikos schmerzhaft bewusst. An einen Tag die um Geld für eine Tortilla bettelnden Kinder in Chiapas zu sehen und am nächsten durch die luxuriösen, schillernden Straßen des Reichenviertels Polanco in Mexiko Stadt zu fahren, hinterließ in mir ein seltsames Gefühl der Frustration angesichts dieser Ungleichheit.

Ich lernte in den vergangenen Monaten die traumhaften Strände des Bundesstaates Oaxaca, das bunte San Miguel de Allende, ein Sammelpunkt US-amerikanischer Senioren, sowie das beeindruckende Guanajuato mit seinem unterirdischen Tunnelstraßensystem und den gemütlichen kleinen Gässchen kennen. In Mexiko werden einige Dörfer, die eine besondere Architektur, Kultur oder Geschichte bieten, mit dem Titel „Pueblos magicos“, magische Dörfer, geehrt. In Tepoztlan die spirituelle Erfahrung eines mexikanischen Temazcals zu erleben, in Cholula von der, auf einer Pyramide erbauten, Kirche aus die Sonne hinter den beiden Vulkanen Popocatepetl und Itzaccihuatl untergehen zu sehen, Mexiko verzaubert mich immer wieder aufs neue mit seiner Schönheit. Die Pyramiden von Teotihuacan raubten mir den Atem, ebenso wie die Aussicht von dem Vulkan Nevado de Toluca, mit der wir nach einem anstrengenden Aufstieg belohnt wurden.

Gerade weil das Land Mexiko, seine Leute, Natur und Traditionen mich mit einer solchen Begeisterung erfüllen, setze ich mich in letzter Zeit verstärkt mit meiner eigenen Herkunft, meiner Einstellung zu Deutschland, auseinander. Viele Mexikaner, die ich kennengelernt habe, erkennen die Probleme an, vor denen Mexiko steht, etwa was die politische Lage, Stichwort Korruption, oder die soziale Ungerechtigkeit angeht. Und dennoch erklären mir viele, sie seien stolz, Mexikaner zu sein, sie liebten ihr Land. Dies spiegelt sich auch an den vielen nationalen Feiertagen, wie dem Unabhängigkeitstag im September wieder, an dem mit Stolz die mexikanische Flagge gehisst wird und der Schrei der Unabhängigkeit aus Abermillionen Kehlen erklingt. In den Schulen wird regelmäßig die Nationalhymne gesungen, die Hand stolz auf der Brust.

Für mich war dies anfangs ein äußerst befremdlicher Anblick. Allerhöchstens zur Fußballweltmeisterschaft alle vier Jahre singe ich die Nationalhymne, nie würde ich auf die Idee kommen, eine deutsche Flagge zu hissen. Wenn ich meinen mexikanischen Freunden erkläre, dass ich keinen Stolz empfinde, Deutsche zu sein, stoße ich oftmals auf verständnislose und entgeisterte Gesichter. Dies habe mit dem tiefen Einschnitt in die deutsche Identität als Folge des zweiten Weltkriegs zu tun, versuche ich zögerlich zu erklären, wohl wissend, dass ich dabei eigentlich doch nur von mir selber sprechen kann. Instinktiv schrillen in meinem Kopf bei den Worten Patriotismus, Nationalstolz, die Alarmglocken, sofort verbinde ich sie mit Rassismus, Ausgrenzung, dem Schrecken der deutschen Geschichte.

Hier in Mexiko zeichnet sich mir ein ganz anderes Bild: Die Mexikaner sind nicht deshalb stolz auf ihre Nationalität, weil sie sich ihretwegen anderen Menschen überlegen fühlen. Ganz im Gegenteil, viele lieben die natürliche und menschliche Vielfalt, das mexikanische Essen und die vielen Traditionen des Landes – und gleichzeitig herrscht ein ausgesprochen großes Interesse an anderen Kulturen. Besonders als Deutsche wurde mir bisher immer sehr große Anerkennung entgegengebracht. Die Deutschen seien ja so intelligent, so strebsam, und erst die Autos…

Ich bin in solchen Situationen immer etwas ratlos, was ich darauf erwidern soll. Dass es in Deutschland auch Probleme gibt, Menschen in Armut leben und nicht alles perfekt ist? Es ist eine andere Art von Problemen, mit denen Deutschland und Mexiko zu kämpfen haben und eine Relativierung von Problemen halte ich generell nicht für sinnvoll. Und dennoch ist mir hier in Mexiko bewusst geworden, dass etwa die vielen Sozialleistungen, die wir in Deutschland haben, eine funktionierende Demokratie ohne korrupte Politiker, und ein Gefühl der Sicherheit auch zu später Stunde, Dinge sind, die in kleinster Weise als selbstverständlich anzusehen sind.

Bedeutet dies, dass ich nun als stolze Deutsche aus Mexiko zurückkehre? Nein. Doch ich bin mir meiner Privilegien, die mir bei meiner Geburt durch Zufall geschenkt wurden, einmal mehr bewusst geworden. Und dass mit diesen Privilegien auch Verantwortung einhergeht.

In den letzten Wochen ist mir immer mehr bewusst geworden, wie schwer mir der Gedanke an die Rückkehr nach Deutschland fällt. Mein Leben hier in Mexiko fühlt sich an wie ein Traum, aus dem ich nicht aufwachen möchte, auch wenn ich weiß, dass ich es früher oder später muss. Manchmal fühlt es sich so an, als würde eine große Uhr unaufhörlich neben meinem Kopf ticken. Tick. Tack. Tick. Tack. Die Zeit rennt und rennt und rennt. Aus der Gelassenheit, dem Im-Moment-Leben der ersten Monate ist das Bewusstsein geworden, dass ein Jahr eben nur ein Jahr und somit endlich ist.

Vor meiner Ausreise aus Deutschland war es vor allem das Projekt im Cruz Roja Mexicana, welches mich reizte, ein Auslandsjahr zu machen. Doch auch wenn mir die Arbeit tatsächlich größtenteils sehr gut gefällt, sind es jetzt vor allem die Menschen, der Lebensstil, die Entspanntheit, wegen derer mich beim Gedanken an den 13. August, an den Abschied, ein dumpfes Gefühl der Panik erfüllt. Im Moment kann ich mir einfach nicht vorstellen, in weniger als vier Monaten in mein Leben in Deutschland zurückzukehren. Zu wohl fühle ich mich in meinem mexikanischen Leben, umgeben von einigen der tollsten Menschen, die ich jemals kennenlernen durfte. Ich weiß, dass es sinnlos ist, sich diese Gedanken jetzt schon zu machen, doch die Tatsache, dass man die verbleibenden Monate an einer Hand abzählen kann und die Zeit wie im Flug vergeht, beunruhigt mich zutiefst.

Bei dem Zwischenseminar mit den anderen Rot-Kreuz-Freiwilligen im März wurden wir gebeten, eine Legende über unsere Zeit in Mexiko zu schreiben und uns so schon einmal gedanklich mit der Rückkehr nach Deutschland auseinanderzusetzen. Im Folgenden meine Legende mit dem Titel „Die beste Entscheidung“

„Es war einmal ein junges Mädchen, das wusste nicht, wo ihr Platz in der Welt war. Trotz Freunden und Familie zu Hause merkte sie, dass ihr etwas fehlte im Leben. Und so machte sie sich auf in die große weite Welt nach Mexiko.

Mexiko war ein Land voller Unbekannte, sie beherrschte kaum die Sprache, Kultur und Essen waren ihr fremd. Vor ihrem großen Abenteuer hatte sie schon einiges über Mexiko gehört. Kriminalität, Drogenhandel, Gefahr, Gefahr, Gefahr, kreischten ihr die Stimmen der Mitmenschen von allen Seiten wie Alarmsirenen entgegen. Doch sie entschloss, sich die Ohren zuzuhalten und das Kreischen zu ignorieren. Sie machte sich auf den Weg nach Mexiko mit vollen Koffern und einem Kopf möglichst leer von Vorurteilen.

Sie kam mit wenigen Erwartungen und war überwältigt von dem Land, das sie mit offenen Armen empfing. Sie traf Menschen, wie sie sie noch nie getroffen hatte, so anders und doch im Kern so gleich, so interessant und interessiert. Sie führte Gespräche über Themen, die sie in ihrer Heimat nie beschäftigt hatten, weil es Selbstverständlichkeiten oder Unvorstellbarkeiten waren.

Sie lernte und lernte und lernte. Über Mexiko, über ihre Heimat, über ihre Mitmenschen, vor allem aber über sich selber. Einige ihrer Pläne, Vorstellungen und Wünsche bestätigten sich. Andere änderten sich, grundlegend. Sie setzte sich neue Prioritäten, vergaß andere.

Im Laufe der Zeit merkte sie, wie sehr sie diese Auszeit von ihrer Heimat gebraucht hatte. Eine Auszeit von ihrem Alltag, von den ihr bekannten Normen und Werten. Um sich selber neu kennenzulernen. Und um Erfahrungen zu sammeln, die einzigartig und unvergesslich waren. Sie merkte, dass es gut gewesen war, sich die Ohren vor den kreischenden Alarmsirenen, die sie vor ihrer Entscheidung gewarnt hatten, zuzuhalten.

Denn was sie in Mexiko empfing, war kein hässliches Kreischen der Gefahr, sondern Musik in ihren Ohren. Eine anziehende Musik, die über das Hören hinausging und alle ihre Sinne stimulierte. Das Essen verzauberte ihren Gaumen, das Klima liebkoste ihre Haut. Sie fühlte. Sie fühlte sich lebendig. Sie merkte, wie viel das Leben wert ist. Und ohne es zu merken, wurde sie süchtig nach dem Mexiko, das ihr Leben geworden war.

Sie erlebte ein Jahr voller Höhen und Tiefen. Doch die Höhen waren höher, als sie sie jemals erklommen hatte. Vulkanhoch. Und als sie nach Ablauf der 12 Monate in ihre Heimat zurückkehrte, war sie sich nicht sicher, ob es noch ihre Heimat war. Zumindest nicht ihre einzige. Denn ihr Herz gehörte jetzt auch Mexiko.“

Amelie Körtje

 

Ihren ersten Bericht finden Sie auf Seite 2:

 

Selin Özen, zum Master-Musikstudium in London

Zitat

Selin ÖzenSelin Özens Liebe zur Musik begann früh: Bereits im Alter von 6 Jahren nahm sie Unterricht an der Musikschule Wolfsburg, spielte Violine und Klavier und blieb ihrer Musikschule über 14 Jahre lang treu verbunden. Es folgte die Teilnahme an Regional- und Landeswettbewerben, die sie erfolgreich bestritt.

Nach dem Abitur begann Selin Özen 2012 ihr Studium an der englischen „University of Chichester“, welches der IFK mit einem monatlichen Stipendium unterstützte. Hier erfolgte ein Wechsel von der Violine zur Bratsche und die junge Musikerin erlernte zahlreiche Stücke unterschiedlicher Komponisten. Inzwischen kann sie auf bemerkenswerte Auftritte in der Schweiz, Österreich, Frankreich und den USA zurückblicken. Im Mai diesen Jahres schloss Selin ihr Studium dann mit dem Bachelor-Titel ab. Zum Dank an den IFK gab sie bereits am 19. Juli 2015 im Schloss Wolfsburg ein klassisches Sommerkonzert auf der Bratsche.

Auf das erste folgte ein zweites Studium: Ein Jahr lang besuchte Selin Özen das Master-Musikstudium am Konservatorium Guildhall School of Music and Drama in London, der IFK unterstützte sie auf ihrem weiterhin erfolgreichen Weg.  Im Dezember letzten Jahres hatte sie die Gelegenheit, an einem Projekt in Argentinien teilzunehmen.

Sie unterrichtete dort  Kinder in einem Waisenhaus und brachte Ihnen ihre Liebe zur Musik näher – ein Erlebnis, dass ihre Musikkarriere in eine andere Richtung lenken sollte: „Diese Erfahrung hat meine Blickweise so sehr verändert, dass ich beschlossen habe mein Studium dieses Jahr zu beenden und Musik zu unterrichten“, begründet die junge Musikerin ihre Entscheidung zum vorzeitigen Studienabschluss. Der Studiengang besteht aus zwei voneinander unabhängigen Jahren, Selin beendet ihn in diesem August und erhält den „Master of Music“.

Der IFK wünscht der erfolgreichen Absolventin auf ihrem weiteren Weg alles Gute!

Marie Heldsdörfer in San José, Costa Rica

Zitat

Marie HeldsdörferMein Name ist Marie Heldsdörfer, ich bin 18 Jahre alt und habe im Juli diesen Jahres mein Abitur erhalten. Anschließend bin ich am 25. August nach Costa Rica geflogen, um hier für ein Jahr einen Freiwilligendienst zu leisten. Dieser läuft über das Programm „weltwärts“, organisiert von der Organisation ICJA. Mein Projekt in einer Kindertagesstätte beginnt am 16. September. Im Folgenden berichte ich über meine ersten Eindrücke und die Vorbereitung meines Projektes in Costa Rica .

Ich wohne in der Hauptstadt, San José. Die Stadt an sich ist nicht besonders ansehnlich, aber sie hat ihren eigenen Charme, was sie auf ihre eigene Art und Weise schön macht. Das Zentrum und das Stadtgebiet sind nicht sonderlich groß, deshalb findet man sich nach etwa einer Woche ganz gut zurecht. Es gibt eine lange Fußgängerzone, auf der es von Geschäften und Straßenverkäufern nur so wimmelt. Auf einem großen Platz inmitten der verkehrsfreien Zone befindet sich das „Teatro Nacional“. Die Straßen sind im Schachbrettmuster angelegt und die Gebäude befinden sich oft unmittelbar nebeneinander. Es gibt in der Innenstadt einige Parks, wie zum Beispiel den „Parque Central“ und die „Plaza Espana“. Es ist alles gut erreichbar und ich fühle mich wohl in dieser Stadt. Alles ist nah beieinander und so ganz anders angeordnet als in einer deutschen Stadt.

Das Bus fahren ist hier in Costa Rica sehr interessant. Um mit dem Bus mitfahren zu können, wird sich an der Haltestelle in eine Schlange angestellt und man steigt nacheinander ein. Und für wen kein Platz mehr ist, der muss auf den nächsten Bus warten. Man weiß allerdings nie, wann der Bus kommt und wie lange man heute brauchen wird, um in die Stadt zu kommen. Denn, wie auch in Wolfsburg, gibt es hier eine Art Schichtverkehr – allerdings viel extremer! Es dauert sehr lange, bis man an seinem Zielort ankommt. Der Stau wird hier als „presa“ bezeichnet. Viele Busse sind Modelle von Volkswagen. Die Buspreise sind unglaublich günstig: Für eine Fahrt von meinem Stadtteil direkt in die Innenstadt bezahle ich umgerechnet nur 0,45€.

Die Autofahrer fahren hier ebenfalls, wie sie wollen. Das sagt selbst mein Gastvater. In der Innenstadt gibt es nur Ampeln für die Autos und in den seltensten Fällen für Fußgänger. Fußgängerampeln gibt es eigentlich nur an sehr verkehrsreichen Straßen, die dann auch noch sehr breit sind. Die Straßen im Zentrum von San José sind eher eng und daher muss man als Fußgänger in der Innenstadt einfach auf die Ampeln der Autos achten, um zu wissen ob man gehen kann oder nicht. Das sagt auch mein Gastvater und er sagt, dass viele hi er total verrückt fahren.

Wanderung im RegenwaldCosta Rica selbst ist auch ein wunderschönes Land, dass unglaubliche Natur zu bieten hat. Ich bin zwar erst seit 2 Wochen hier, aber ich habe bereits den Regenwald bei strömendem Regen besucht. Die Wanderungwar ein sehr abenteuerliches Erlebnis, denn unser Guide und Teamer Vinicio ist sogar mit einer Machete vorausgegangen. Unser Weg war kein typischer Wanderweg, sondern lediglich ein kleiner Trampelpfad, der etwa drei Stunden bergauf führte. Die Tour war eine sehr rutschige Angelegenheit und der Rückweg bergab war nicht unbedingt ungefährlich. Aber es war definitiv ein abenteuerliches und spannendes Erlebnis, das ich nie vergessen werde!

Playa Manuel Antonio (2)Einen der schönsten Nationalparks der Pazifikküste, den „Parque Manuel Antonio“, habe ich auch schon erkundet. Mit seinen Stränden ist er einfach faszinierend. Mit einer Freundin war ich dort fünf Stunden unterwegs. Es ging zu einem Wasserfall, entlang an den weiten Stränden und an vielen tollen Aussichtspunkten vorbei. Wir haben sogar Affen und viele andere Tiere in freier Wildbahn sehen können. Das war ein unglaubliches Erlebnis!

Derzeit findet noch mein Orientierungsseminar zur Vorbereitung meines Projektes statt. Es macht sehr viel Spaß und wird von tollen Teamern gestaltet, die sich sehr bemühen, die zwei Seminarwochen möglichst spannend zu gestalten. Neben all den Infos, die sie uns vermitteln, gibt es viele Spiele, Filmabende und Tanzstunden.

Marie Heldsdörfer

 

Hier geht es zum zweiten Bericht:

 

IFK-Stipendiatin Linda Krüger meldet sich von der Insel Bali, Indonesien

Zitat

Salam dari Bali! [Oder anders gesagt: Liebe Grüße aus Bali]

Mein Name ist Linda Krüger und inzwischen ist es schon zwei Monate her, dass es mich für ein Auslandssemester auf die indonesische Insel Bali verschlagen hat. Hier studiere ich derzeit an der Universitas Udayana mit dem Schwerpunkt Marketing. In den letzten zwei Monaten habe ich mich bereits sehr gut in meiner neuen Heimat eingelebt und genieße den Alltag in einer völlig anderen Kultur.

Mein Abenteuer begann am 22. August 2018 als ich in meiner neuen Wahlheimat Bali gelandet bin. Unglücklicherweise wurde ich in meiner ersten Nacht direkt von einem Erdbeben der Stärke 5.4 aus dem Schlaf gerissen. Doch trotz dieses Ereignisses entschied ich mich für den Aufenthalt auf Bali, denn die Neugierde auf die neue Kultur war einfach zu groß. Und diese Neugierde hat seit meiner Ankunft nicht nachgelassen. Da sich die balinesische Kultur deutlich von der deutschen unterscheidet, sammle ich jeden Tag viele neue Eindrücke und lerne eine ganz neue Lebensweise kennen. Täglich habe ich die Möglichkeit, neue Verhaltensweisen und Gebräuche kennenzulernen, welche sich deutlich zu meinem Leben in Deutschland unterscheiden.

„Im Alltag der Balinesen spielt die Religion eine wichtige Rolle“

Zu den wohl größten Unterschieden zwischen Deutschland und Bali gehört wohl die Wichtigkeit von Religion für die Bevölkerung. In Indonesien gehört jede Person einer Religion an und eine Religionsangehörigkeit ist sogar Voraussetzung zur Beantragung der indonesischen Staatsbürgerschaft. Und auch im Alltag spielt die Religion eine wichtige Rolle: Rund um die Uhr kann man die einheimischen Hindus bei dem Beten vor ihren kleinen Haustempeln beobachten und man kann keine fünf Meter gehen, ohne an einer Opfergabe vorbei zu laufen. Besonders interessant sind die hinduistischen Zeremonien, die regelmäßig stattfinden. Für diese tragen alle Hindus ihre traditionellen Sarongs (Bunt bedruckte Tücher, die man sich um die Hüfte bindet) und überall hört man die Klänge von Gamelan-Musik (Eine Mischung aus unterschiedlichen Blechinstrumenten; i.d.R. Klangplatten und -schalen).

Ich durfte bereits an mehreren Zeremonien teilnehmen und zusammen mit den Einheimischen zu ihren Göttern beten. Dass ich die Möglichkeit hatte, diese tolle Erfahrung zu machen, liegt nicht zuletzt daran, dass die Balinesen unbeschreiblich zuvorkommende und freundliche Personen sind, die es lieben, einen in ihre Kultur einzuweihen. Besonders wenn man ein hohes Interesse an ihrer Kultur zeigt, schätzen sie das sehr. Und gleichzeitig sind sie auch sehr interessiert an Deutschland und unserer Kultur. Im Gegenzug erzähle ich also gerne von meiner Heimat Wolfsburg und meinem Alltag in Deutschland.

„Die Balinesen benutzen für jede Strecke ihren Roller“

Doch nicht nur der Glaube unterscheidet sich von Deutschland. Auch das Stadtbild ist ein völlig anderes. Links und rechts von der Straße reiht sich ein Geschäft oder Warung (Kleines familiengeführtes Restaurant) ans nächste. Nach Fußgängerwegen sucht man hier vergeblich. Diese findet man wenn überhaupt an den größten Hauptstraßen und auch dann werden diese eher von den Rollerfahrern genutzt als von Fußgängern. Der Grund für das Nicht-Vorhandensein ist einleuchtend: Die Balinesen benutzen für jede Strecke ihren Roller. Egal, wie weit sie fahren wollen oder wie viele Personen sie mitnehmen müssen. Der Roller ist das Verkehrsmittel Nr.1 in Bali! Auch meine Mitbewohner und ich haben unsere eigenen Roller. Da es in Bali so gut wie keine öffentlichen Verkehrsmittel gibt, spielt der Roller eine essentielle Rolle, um mobil zu sein und zu den Vorlesungen an der Universität zu gelangen. Die Eingewöhnung in den Verkehr hat einige Tage gebraucht, doch inzwischen haben wir uns an den Linksverkehr inklusive Verkehrschaos gewöhnt. Verkehrsregeln gibt es so gut wie keine und am sichersten fährt man, wenn man sich an die Fahrweise der Einheimischen anpasst anstatt auf seine deutsche Fahrweise zu bestehen.

Diese Einstellung macht allgemein vieles einfacher: Ich versuche meine bisherigen Einstellungen so gut es geht in Deutschland zu lassen und mich voll und ganz auf die neue Kultur einzulassen. Dieser Einstellung sei Dank, bin ich ganz gelassen, wenn ich mal wieder eine Stunde auf mein Essen warten muss und am Ende etwas anderes bekomme, als ich bestellt habe oder wenn die Hygiene in so gut wie allen Gebäuden zu wünschen übrig lässt. Die Balinesen legen ihren Fokus im Leben schlichtweg auf andere Themen wie Familie, Freunde und Lebensfreude. Alles in dem Leben der Balinesen ist auf ein harmonisches Miteinander ausgelegt. Man lächelt seinen Gegenüber stets an, übt niemals Kritik und versucht jederzeit hilfsbereit zu sein. Die Balinesen empfangen jeden mit offenen Armen und heißen einen Willkommen! Es ist dementsprechend nicht schwer, sich hier schnell aufgehoben und heimisch zu fühlen.

Alles in allem genieße ich meine Zeit auf der Insel der Götter sehr und ich bin bereits gespannt, was die nächsten zwei Monate mit sich bringen werden. Ich freue mich auf all die Erfahrungen, die ich hier noch machen werde und bin dankbar für all die neuen Erkenntnisse, die ich hier gewinne. Eine Zeit lang im Ausland zu leben, erweitert wahrlich den eigenen Horizont und gibt einem die Möglichkeit, eine ganz neue Sichtweise auf das Leben und unsere Gesellschaft zu erlangen.

Ich freue mich bereits, all diese neuen Erkenntnisse in meinen Alltag zurück in Deutschland zu integrieren.

Bis dahin sonnige Grüße aus Bali!

Linda