- IFK-Stipendiat Lennart Kumher schreibt aus Setúbal, Portugal

IFK-Stipendiat Lennart Kumher schreibt aus Setúbal, Portugal:

„Olá aus Portugal! Seit zwei Monaten befinde ich mich in meinem Auslandssemester in Portugal. Genauer gesagt, studiere ich im schönen Städtchen Setúbal, südlich von Lissabon. Das Auslandssemester mache ich im Rahmen meines BWL-Studiums am Institúto Politecnico de Setúbal (IPS). Hier studieren ca. 6100 Studenten, darunter rund 150 internationale Studenten pro Semester aus allen Teilen Europas und Brasiliens.

Der Campus der Universität ist um einiges größer, als der Campus der Ostfalia Hochschule in Wolfsburg. Zur Universität zählen die verschiedensten Fakultäten. Von der Fakultät Gesundheit bis zur Fakultät Wirtschaft ist alles dabei. Die Universität liegt sechs Kilometer von Setúbal entfernt, ist mit dem Zug aber innerhalb von fünf Minuten zu erreichen. Wie die meisten anderen internationalen Studenten, wohne ich in der Innenstadt. In der Innenstadt ist alles fußläufig erreichbar, ansonsten kann man aber auch per Uber jeden Punkt in der Region Setúbal erreichen.

 

Die Region und das Leben in Portugal

Setúbal liegt inmitten des Naturschutzgebietes Arrábida. Hier findet man schöne Wanderwege und einige der schönsten Strände Portugals. Direkt vor der Stadt Setúbal liegt die Insel Tróia. Hier erstreckt sich ein kilometerlanger Sandstrand bis weit in den Süden Portugals. Das Wasser ist glasklar und der Sand weiß. Tróia ist außerdem dafür bekannt, Delfine vom Strand aus beobachten zu können. Für mich war es ein unbeschreibliches Erlebnis, die Delfine vorbeischwimmen zu sehen, während ich mit Freunden am Strand lag.

Ansonsten besticht Setúbal durch die perfekte Anbindung an Portugals Hauptstadt Lissabon. Mit Bus oder Bahn ist Setúbal nur 45 Minuten von der Innenstadt Lissabons entfernt. 

In Portugal dreht sich die Uhr langsamer als in Deutschland. Meist beginnen die Vorlesungen um 09.30 Uhr oder 10.30 Uhr. Die Portugiesen nehmen sich gerne Zeit für einen Kaffee in der Mittagspause oder ein Glas Wein mit Freunden. Im Allgemeinen verbringen die Portugiesen viel Zeit mit Freunden und Familie, bis spät in die Nacht. Viele Portugiesen berichten mir, dass sie kaum mehr als fünf Stunden pro Nacht schlafen, da sie sehr spät zu Abend essen und dann jeden Abend meist lange ausklingen lassen.

Außerdem essen die Portugiesen sehr viel Fisch. Natürlich bedingt aufgrund der geographischen Lage, direkt am Atlantischen Ozean. Eine besondere Spezialität ist der Fisch Bacalhau (Stockfisch), welchen die Portugiesen in verschiedensten Arten zubereiten. Wer Portugal besucht, sollte sich diese Spezialität also nicht entgehen lassen. Setúbal selbst ist bekannt für das Gericht Choco Frito. Wer jetzt an Schokolade denkt, liegt hier jedoch falsch. Es handelt sich um frittierten Tintenfisch, vergleichbar mit Calamaris.

 

Mein Studentenleben in Portugal

Studiert wird als ERASMUS-Student am IPS im Rahmen des Internationalen Moduls. Dies bedeutet, dass die international Studierenden unter sich bleiben und nicht mit Portugiesen zusammen studieren können. Einerseits wächst unter den Internationals ein richtiges Gemeinschaftsgefühl zusammen und man lernt jeden Einzelnen richtig gut erkennen, andererseits treffe ich kaum auf Portugiesen und so fällt es mir sehr schwer mich in das Universitätsleben zu integrieren. Auch die Portugiesen sehen nicht die Notwendigkeit, den Kontakt zu den Austauschstudenten zu suchen.

Ich habe drei Kurse in Portugal belegt. Aufgrund meines starken Interesses für den Bereich Marketing und Vertrieb, habe ich mich für die Kurse International Marketing, Digital Marketing und People in Organization eingetragen. Es ist toll, dass die Dozenten eine andere Sicht auf die Thematiken geben und man so noch tiefer in die Thematik einsteigen kann. Ein großer Unterschied zu den Vorlesungen in Deutschland ist, dass am Ende des Semesters keine Klausuren geschrieben werden müssen. Die Bewertung der Studenten erfolgt durchgängig. Beispielsweise durch mündliche Beteiligung oder das Vorbereiten von Vorträgen und Hausaufgaben. Abschließend wird ein kleiner Test geschrieben, um das Gelernte nochmals zu überprüfen. Würde ich durch einen Kurs durchfallen, besteht die Möglichkeit durch eine Rettungsklausur, den Kurs trotzdem noch zu bestehen. Insgesamt ist der Schwierigkeitsgrad etwas unter den Vorlesungen in Deutschland angesiedelt. Das Arbeitsklima während der Vorlesungen ist jedoch deutlich besser und macht Spaß, da die Dozenten uns aktiv in die Vorlesungen einbinden.

 

Meine Ausflüge in Portugal

Portugal ist ein tolles Reiseziel und man sollte sich Zeit für das gesamte Land nehmen. Die Natur ist sehr vielfältig und bietet einige der schönsten Strände Europas, aber auch unglaublich schöne Flusslandlandschaften, Berge zum Wandern und malerische Küstenstädtchen. Ich habe bereits viele Ziele in Portugal bereisen können und jede Reise übertrifft die andere nochmals. In Portugal habe ich schnell neue Freundschaften gefunden und reise deshalb viel in kleineren Gruppen durch ganz Portugal.

Mein absolutes Highlight war meine Reise auf die Azoren-Insel Sao Miguel. Die Landschaften sind traumhaft schön. Unzählige Seen, die in Vulkankratern entstanden sind, zieren die Insel. Die Flora und Fauna auf der Insel sind einzigartig. Es können Wale und Delfine beobachtet werden und Abenteuer wie Coasteering erlebt werden. Coasteering ist das Springen von Klippen und das Schwimmen im wilden Ozean. Für mich war es ein einmaliges Erlebnis, an welches ich mich immer erinnern werde.

Unteranderem war ich mit Freunden auch an der Algarve in den Städten Albufeira, Lagos, Faro und Portimao. In der Nähe von Lagos befindet sich beispielsweise der südwestlichste Punkt Europas. Kilometerlange Klippen zieren die Küstenlandschaft der Algarve. Wir sind auf den Klippen gewandert und dabei auf den ein oder anderen versteckten Strand gestoßen. An der Algarve herrscht außerdem die Sonnengarantie. Bis Ende Oktober/ Anfang November kann man hier mit mehreren Sonnenstunden pro Tag rechnen und muss sich so keine Gedanken um schlechtes Wetter machen.

Ein weiterer Ausflug führte mich in die Stadt Porto. Porto liegt im Norden Portugals, direkt am Fluss Douro und ist bekannt für seine engen Gassen und bezaubernden Häuser. Vermutlich jeder kennt dieses Postkarten-Image der Stadt. Des Weiteren ist Porto für seinen Wein bekannt, den sogenannten Portwein. Ich habe es mir also nicht nehmen lassen, diesen Wein zu probieren. Am besten eignet sich dafür das Familienunternehmen Porto Augusto’s, welches einen Einblick in die Weinfertigung bietet und danach zur Verköstigung einlädt. Natürlich kann hier der Wein auch direkt gekauft werden.

Wenn man in Portugal ist, sollte man auf jeden Fall einmal Surfen gewesen sein. Portugal ist der Surf-Hotspot Europas. Hier herrschen optimale Bedingungen, gerade auch für Anfänger. Ich bin mit ein paar Freunden vom 01. – 04. November in der Region Cascais surfen gewesen. Wir haben in einem Hostel geschlafen und natürlich jeden Morgen Yoga-Unterricht gehabt, wie es sich für richtige Surfer gehört.

Anschließend ging es täglich, nach einem stärkenden Frühstück, in die Wellen. Die Besitzerin des Hostels war sehr spirituell und so hatten wir auch die Möglichkeit an einer Kakao-Zeremonie mit Scharmanen aus Mexiko teilzunehmen. Das Surfen hat mir so gut gefallen, dass ich auch die nächsten Wochenenden surfen werde. Das Wetter ist weiterhin gut und Temperaturen um die 20 Grad sind noch bis Ende November garantiert.

Für mich sind nun die letzten zwei Monate angebrochen. Ich freue mich auf die Zeit und bin gespannt, welche weiteren Erfahrungen ich machen werde. Natürlich werde ich über die letzten Erfahrungen ausführlich nach meiner Rückkehr berichten.

 

Bis dahin sende ich sonnige Grüße an alle.“

Ihr/ Euer Lennart!