IFK-Stipendiatin Vanessa Klemt schreibt aus Fullerton, Kalifornien, USA

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Seit fast drei Monaten lebe ich in der Stadt Fullerton nahe Los Angeles im Bundesstaat Kalifornien, in den USA. Im Rahmen meines BWL-Studiums mache ich ein Auslandssemester an der California State University Fullerton. Auf dem Campus studieren insgesamt über 40.000 Studenten, darunter Internationale aus verschiedenen europäischen, asiatischen und südamerikanischen Ländern.

Der Campus der Universität ist riesig und lässt wirklich nichts zu wünschen übrig. Jedes College hat sein eigenes Gebäude, es gibt zahlreiche Essensmöglichkeiten, eine große Bibliothek, einen Aufenthaltsbereich für Studenten und ein unglaublich modernes Fitnessstudio mit Schwimmbahnen. Zudem verleihen die vielen Palmen und Grünflächen dem Campus eine einmalige Atmosphäre. Das Campusleben ist ansonsten wie man es sich in den USA vorstellt.

Es gibt mehrere Studentenverbindungen, die jeweils nur aus Jungs (Fraternities) oder nur aus Mädchen (Sororities) bestehen sowie zahlreiche Studentenorganisationen und Sportteams. Dazu gibt es jeden Tag verschiedene Stände auf dem Campus, wo Spenden gesammelt oder Werbung für Firmen gemacht wird. Ich habe mich dazu entschieden, dem „Adventure Club“ beizutreten. Dieser Studentenclub bietet Outdoor Aktivitäten wie Kajaken, Wandern und Campen an, wodurch ich die Möglichkeit habe, viele Nationalparks in der Umgebung von Los Angeles kennenzulernen.

Nicht nur der Campus, sondern auch das Hochschulsystem unterscheidet sich sehr von dem in Deutschland. Der Aufwand fürs Studium ist enorm. Während in Deutschland in den meisten Fächern lediglich eine Klausur am Ende des Semesters geschrieben wird, gibt es hier, neben der Abschlussklausur, bereits während des Semesters regelmäßig Hausaufgaben, individuelle Ausarbeitungen, umfangreiche Gruppenprojekte und Präsentationen sowie ein bis zwei Tests.

„Das Studium ist aufwendiger und stark praxisorientiert“

Der Kontakt zu den Professoren, die häufig sogar mit Vornamen angesprochen werden, ist viel persönlicher. Bei Fragen zur Vorlesung möchten einige meiner Professoren lieber per iMessage oder KIK (ähnlich wie WhatsApp) anstatt per E-Mail kontaktiert werden. Darüber hinaus ist das gesamte Studium stark darauf ausgelegt, mit Unternehmen in Kontakt zu kommen, Praktika zu erhalten und auf das Arbeitsleben vorbereitet zu werden. Beispielsweise wird sogar häufig erwartet, dass bei Präsentationen vor der Klasse Businesskleidung getragen wird.

Damit ich viel vom Studentenleben mitbekomme, wollte ich nahe zur Universität wohnen. Ich habe mich daher für das Studentenwohnheim, namens Oxford North, direkt neben dem Campus entschieden. Aufgrund der Größe der Universität, musste ich mir dennoch ein Fahrrad kaufen, um meinen Weg zur Vorlesung von 25 Min. auf 5 Min. zu verkürzen. Die Anlage des Oxford North mit den vielen Palmen, verbunden mit durchweg sonnigem Wetter, erzeugt ein ganz neues Lebensgefühl. Es gibt einen Pool, einen kleinen Fitnessraum, renovierte Apartments und eine Cafeteria, in der ich eine leckere und abwechslungsreiche Mahlzeit pro Tag erhalte. Ich wohne zusammen mit einer Norwegerin und einer Amerikanerin, mit denen ich mich von Anfang an gut verstanden habe. Daher habe ich mich vom ersten Tag an heimisch gefühlt.

Neben dem Studium bietet Fullerton die optimale Ausgangslage, um Kalifornien zu erkunden. Los Angeles mit Hollywood, der Filmszene und den vielen Sehenswürdigkeiten ist ca. 40 Min. mit dem Auto entfernt. San Diego liegt 2 Std. südlich, Las Vegas ist 4 Std. östlich und bis San Francisco braucht man ca. 6 Std. über den Highway. Da ich von Freitag bis Montag keine Vorlesungen habe, konnte ich die Wochenenden gut nutzen, um die ganzen Städte zu besichtigen. Auch der Großraum Los Angeles ist unglaublich vielfältig. Neben vielen Stränden mit traumhaft schönen Sonnenuntergängen, ist Los Angeles von mehreren Nationalparks umgeben, die von Wüsten bis hin zu beeindruckenden Berglandschaften verschiedenste Naturbilder bieten und optimal für Wanderungen sind. Wir wurden allerdings immer darauf hingewiesen, dass hier einige gefährliche Tiere wie Berglöwen oder Grizzlybären leben und man daher immer vorsichtig sein sollte.

Ich habe mich recht schnell daran gewöhnt, dass Entfernungen in den USA eine ganz andere Dimension haben. 20-30 Min. bis zum Strand ist „nah“. Da es kaum öffentliche Verkehrsmittel wie Bus oder Bahn gibt, besitzt fast jeder Amerikaner ein Auto. Dank des Fahrservices Uber, bin ich aber auch ohne ein eigenes Auto sehr flexibel. Für größere Ausflüge haben wir uns allerdings immer ein Auto gemietet. Letztes Wochenende hatten wir wie die meisten Amerikaner einen riesigen Truck als Mietwagen und sind damit nach Palm Springs in die Wüste gefahren. Der Verkehr ist auf Dauer sehr anstrengend. Vor allem in Richtung L.A. sind die Straßen trotz der 6-spurigen Freeways unglaublich überfüllt.

In meiner Zeit hier habe ich schon einige interessante Einblicke in die amerikanische Kultur und das Leben in den USA bekommen. Amerikaner in Kalifornien sind unglaublich hilfsbereit, offen und gastfreundlich. Häufig habe ich von Fremden ein Kompliment erhalten, Smalltalk in der Warteschlange geführt oder Hilfe angeboten bekommen, wenn ich unterwegs war und suchend gewirkt habe.

Auch an die Floskel „How are you?“, die nichts anderes ist als eine Standardbegrüßung, habe ich mich mittlerweile gewöhnt. Ich war auch überrascht wie sehr hier von Europa und Deutschland geschwärmt wird. “I love Germany.” oder „I really want to travel to Europe.” waren häufig die Antworten, wenn ich erzählt habe, dass ich aus Deutschland komme. Vor allem das Oktoberfest ist sehr bekannt und beliebt bei den Amerikanern. Dass US-Amerikaner sehr patriotisch und sportbegeistert sind, kann ich ebenfalls zu 100% bestätigen. Es gibt sehr viele Sportbars in denen rund um die Uhr American Football, Basketball oder Baseball läuft. Außerdem sind die Sportevents sehr beliebt. Ich war bis jetzt bei einem Baseball-, Basketball- und Eishockey-Spiel. Vor jedem Spiel wird hier die amerikanische Nationalhymne gespielt und in einer Pause wurde sogar ein ehemaliger Soldat für seinen Dienst für das Land geehrt.

„Ich vermisse Vollkornbrot“

Typisch USA sind außerdem die extrem kalten Klimaanlagen und die Menge an Fast Food Restaurants, in denen ein Salat manchmal teurer ist als ein komplettes Burger-Menü. Am meisten vermisse ich mein Vollkornbrot aus Deutschland, hier gibt es nur Bagels und weiches Weißbrot. Negative Aspekte sind ebenfalls, dass kaum Mülltrennung durchgeführt wird und auch der Plastikverbrauch sehr hoch ist.

Ich möchte zum Abschluss von meinen persönlichen Highlights in der Stadt der Filmindustrie berichten. Ich durfte an der Filmpremiere der Hulu-Serie „The First“ teilnehmen. Zusammen mit den Schauspielern aus der Serie, welche zunächst am Eingang der Presse Interviews gegeben haben, haben wir die erste Folge der Serie in einem IMAXX Kino geschaut. Außerdem habe ich am Set eines Filmdrehs geholfen. Zwei meiner Freunde studieren Film an der CSUF und haben für einen ihrer Kurse einen Kurzfilm gedreht. Dafür haben sie von der Uni ein 10.000 Dollar Budget erhalten, was erklärt wieso der Dreh inklusive Kamera Equipment sehr professionell war.

Nachdem im kompletten Oktober Halloween gefeiert wurde, findet demnächst Thanksgiving statt. Ich wurde bereits von einer Freundin eingeladen, mit ihrer Familie zusammen traditionell dieses Fest zu feiern und freue mich schon sehr darauf.

Sonnige Grüße aus Kalifornien,

Vanessa

 

Zu den verheerenden Waldbränden schreibt uns Vanessa in einer Mail:

Meine Region ist vom Brand zum Glück nicht direkt betroffen, allerdings kann man von hier vom Strand aus gut die riesigen Rauchwolken erkennen. Es ist schon ein gruseliges Gefühl, vor allem weil ich eine Woche vor dem Feuer in der Region um Malibu noch im Nationalpark wandern war. So sieht der Brand in Kalifornien aus der Luft aus. Eine Freundin, die zu Besuch war, hat das Bild gemacht als sie letztes Wochenende hier gelandet ist.

IFK-Stipendiatin Sabrina Holst berichtet aus Chattanooga, USA

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Im Rahmen meines BWL Studiums an der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften habe ich die Chance erhalten ein Auslandssemester an der University of Tennessee at Chattanooga zu absolvieren. Jetzt – Mitte Oktober – bin ich schon bei der Halbzeit meines Auslandserlebnisses angekommen und möchte über meine ersten Erlebnisse berichten.

Willkommenskultur im Süden

Eins kann ich nach meinen ersten Monaten im Süden Amerikas sagen:

„Die Menschen sind sehr offen, freundlich und interessiert an Ausländern.“

Die Uni ist sehr bemüht internationale Studenten gut zu integrieren. Es gibt „Go Global“ und ein „Buddy“ Programm. Go Global ist ein Programm für Internationale, das heißt Studenten aus anderen Ländern als den USA, im Rahmen dieses Programms werden immer wieder Ausflüge und Veranstaltungen organisiert. Wir waren gemeinsam Wandern bei den Rainbow Falls, haben an einem Escape Game teilgenommen, gebowlt und sind nach Nashville gefahren. Außerdem gibt es auch ein Wohnprogramm von Go Global. Immer zwei Internationale wohnen zusammen mit zwei Amerikanern. Mir gefällt dieses Prinzip sehr gut, weil die Internationalen alle sehr daran interessiert sind Kontakte zu knüpfen und die Amerikaner sich gut auskennen und man dadurch sowohl die Sprache als auch typisches amerikanisches Essen oder amerikanische Gewohnheiten kennenlernt. Im Rahmen des Buddy Programms bekommt man außerdem einen Amerikaner zugeteilt, der einem immer mit Rat und Tat zur Seite steht und unterstützt. Alle Amerikaner, die ich getroffen habe, sind mehr als freundlich. Jeder bietet Hilfe an und man muss sich daran gewöhnen nicht immer aus Höflichkeit nein zu sagen, weil es meistens wirklich ernst gemeint ist und man die Menschen verletzt, wenn man wiederholt ablehnt. Ich wurde so oft zum Essen eingeladen, mir wurden Dinge für meine Wohnung angeboten sowie Hilfe aller Art. Die Eltern von einem Mädchen aus meinem Studentenwohnheim haben einfach einen Kanutrip mit BBQ für alle Internationalen organisiert, die sie nicht einmal kannten, weil sie Interesse an anderen Kulturen haben und uns eine Freude bereiten wollten.

 

Fried food

Das Essen im Süden ist wirklich reichhaltig! Bohnen, fried rice, fried chicken… Frittieren kann man alles! Am meisten gewundert habe ich mich über fried Oreos. Einen Schokokeks frittieren, um ihn noch ungesünder zu machen? Auf die Idee kommt man nur hier. Aber es schmeckt! Außerdem wird fast alles in unglaublich großen Portionen serviert und überall ist Zucker enthalten. Hier muss man Sport machen um nicht zuzunehmen! Bei den tollen Angeboten an meiner Universität ist das zum Glück kein Problem. Außerdem ist alles viel länger haltbar, vermutlich aufgrund einiger Konservierungsstoffe.

Mein erster Besuch in einem Restaurant hier war für mich wirklich verwirrend. Erstens gibt es immer gratis Wasser und zweitens einen gratis „Refill“, wenn das Getränk leer ist (solange es ein einfaches Getränk wie Limonade oder Cola ist). Ein Kellner macht hier einen schlechten Job, wenn einem das Getränk ausgeht. Als mein erster Refill kam, habe ich dem verwirrten Kellner gesagt, dass ich kein zweites Getränk bestellt habe. Er hat mich natürlich nicht verstanden und ich habe meinen Fehler erst erkannt, als mein amerikanischer Freund, der mit mir essen war, sich von seinem Lachanfall erholt und mich über den Refill aufgeklärt hat. Generell sind die Bedienungen hier viel freundlicher und aufmerksamer als man es in Deutschland gewohnt ist, vermutlich weil ihr Gehalt vollständig vom Trinkgeld abhängig ist. Hier ist Trinkgeld kein „Kann“ sondern ein „Muss“ und zwar 20-30% je nach Service.

 

Glaube

Die Menschen im Süden sind sehr gläubig. So gut wie jeder geht zumindest wöchentlich in die Kirche und die ist hier ganz anders als in Deutschland. Gottesdienste sind sehr viel kreativer und unterhaltsamer, oft treten Bands auf und singen oder es werden Spiele gespielt. Die Studenten unternehmen alle sehr viel mit der Kirche und kirchlichen Organisationen, sei es Bible Studies an Dienstagen oder Kurztrips über das Wochenende. Dabei geht es zwar auch um Gott und um Jesus aber in erster Linie darum, Zeit mit Freunden zu verbringen und einfach Spaß zu haben. Mit dem Glauben hängt auch zusammen, dass hier die Menschen deutlich früher heiraten. Viele von den Studenten die ich kennengelernt haben sind schon verlobt oder sogar verheiratet, obwohl sie so alt wie ich oder nur einige Jahre älter sind.

 

Klima und Natur

Das Wetter und die Natur in Chattanooga sind unglaublich. Bis Mitte Oktober war es super warm (meistens um die 30 Grad) und sehr feucht. Das Klima ist hier sehr humid und dementsprechend ist alles grün. Ob in den Bergen oder am Wanderweg neben dem Tennessee River, überall sind viele grüne Pflanzen und man hört ein sehr lautes Zirpen von den Grillen. Chattanooga ist optimal für Outdoor-Sportarten geeignet. Ich war Wandern, Kanu fahren auf dem Tennessee River, Mountainbiken und Klettern. Und ich weiß nicht, was mir mehr Spaß gemacht hat, die Aussicht und Natur zu bewundern oder die Sportart an sich, vermutlich war es die Kombination aus beidem.

 

 

Mein 21. Geburtstag in Amerika

Ich hatte das Glück, meine Volljährigkeit zwei Mal feiern zu dürfen: Einmal den 18. Geburtstag in Deutschland und meinen 21. hier in Chattanooga. Hier darf man erst mit 21 in Bars gehen, ein Auto mieten oder Alkohol trinken. An meinem Geburtstag habe ich nicht weniger als 3 leckere Schokoladentorten bekommen. Alle Menschen haben sich so viel Mühe gegeben meinen Tag trotz der fehlenden Familie wundervoll zu gestalten. Und es hat geklappt! Ich war von so netten Menschen umgeben, meine Mitbewohner haben für mich die Wohnung dekoriert und ich habe (typisch amerikanisch) Schlagsahne ins Gesicht bekommen.

 

Studieren in den USA

Der Campus in Chattanooga ist unglaublich, nicht zu vergleichen mit dem in Wolfsburg. Er ist viel größer und man lebt wirklich auf dem Campus. Man isst dort, schläft dort, es gibt ein Schwimmbad und ein Fitnessstudio, eine Basketballarena und zum Lernen geht man in die Bibliothek – man muss den Campus eigentlich nicht verlassen. Es gibt viele Veranstaltungen und eins bekommt man fast immer: Essen und gratis T-shirts! Generell tragen viele Studenten das Logo der Uni auf Kleidungsstücken und das „Power C“ (spezielle Handgeste) und der Spruch „Go Mocs!“ (das Maskottchen der UTC ist ein Mockingbird) dürfen bei keinem Footballspiel der UTC fehlen. Ein wichtiger Bestandteil des amerikanischen Studentenlebens sind außerdem „Fraternities“ und „Sororities“, was auf Deutsch Bruderschaften und Schwesternschaften bedeutet. Wenn man sich entscheidet solch einer Studentenverbindung beizutreten, muss man einen monatlichen Beitrag zahlen und nimmt dafür an vielen Veranstaltungen dieser Gruppierungen teil.

Auch das Studieren an sich ist hier anders: Man muss Hausaufgaben machen, hat eine Anwesenheitspflicht, mehrere Klausuren und Quizze in jedem Fach und darüber hinaus noch unterschiedliche Projekte. Der Schwierigkeitsgrad der Fächer ist in Deutschland zwar höher, aber das Studieren hier ist deutlich aufwändiger. Mir gefällt das Prinzip ehrlich gesagt sehr gut, weil durch die ständige Wiederholung alles besser im Gedächtnis bleibt.

„Chattanooga ist auf jeden Fall einen Besuch wert!“

Ich hätte noch so viel Weiteres zu berichten aber möchte hier noch nicht zu viel verraten. Eins kann ich aber schon sagen: Chattanooga ist auf jeden Fall einen Besuch wert! Ich hoffe, die zweite Hälfte meines Aufenthalts hier wird genauso schön wie die erste und vergeht etwas langsamer. Und ich freue mich schon darauf, über all meine Ereignisse zu berichten, wenn ich wieder in Deutschland bin.

Bis dahin viele Grüße,

Sabrina