Vivian Bochem verbringt ein Semester in Lissabon

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Erfahrungsbericht von Vivian Bochem über ihr Auslandssemester an der NOVA School of Business and Economics in Lissabon, Portugal

 

Nach einigen Monaten Vorbereitungszeit und erwartungsvoller Vorfreude ging es für mich am 27.01.2018 los nach Lissabon. Ich flog von Berlin aus in die Hauptstadt Portugals, um dort fünfeinhalb Monate zu verbringen. In Lissabon angekommen, fuhr ich zu meinem neuen Zuhause, einer WG mit zwei Portugiesinnen und zwei Brasilianern – perfekt also, um meine Sprachkenntnisse zu verbessern! Ich wurde gleich herzlich von meinen Mitbewohnern empfangen und konnte mich schnell gut in der WG einleben.

Nach wenigen Tagen des Einlebens begann auch schon das Semester an der Universität, der NOVA School of Business and Economics, welche eine eigenständige Fakultät der Universidade NOVA de Lisboa ist. Das Semester war in zwei Hälften aufgeteilt, in denen ich verschiedene Kurse belegen konnte. Da ich mein Auslandssemester als „Freemover“, also unabhängig von Partnerschaften meiner Heimathochschule, der Ostfalia in Wolfsburg, bestritt, hatte ich die Möglichkeit, meine Kurse frei nach meinen Interessen zu wählen.

In der ersten Hälfte des Semesters belegte ich die Module „Corporate Social Responsibility“, „Sustainable International Business“ und „Global Human Resource Management“. In der zweiten Semesterhälfte wählte ich „Management of Non-Profit Organizations“ und „Product Design and Development“. Parallel zu diesen Kursen belegte ich über das gesamte Semester einen Portugiesisch-Sprachkurs, um das Niveau B1 zu erreichen.

Die erste Semesterhälfte verging wie im Flug, da die Module sehr anspruchsvoll, bzw. arbeitsintensiv waren und ich mich an der neuen Uni erst einmal eingewöhnen musste. Somit verbrachte man fast die gesamten Tage in der Uni mit Gruppenarbeiten, Hausarbeiten und natürlich Vorlesungen. Das System an der Universität unterschied sich sehr von meiner Heimathochschule, da für jedes Modul viele verschiedene Prüfungsleistungen erwartet und bewertet wurden. Zu jedem Modul mussten eine oder mehrere Hausarbeiten verfasst werden, eine meist sehr zeitaufwendige Gruppenarbeit angefertigt und präsentiert sowie eine Klausur geschrieben werden. Auch die Vorlesungen waren sehr interaktiv gestaltet, sodass ich den Eindruck hatte, immer sehr viel aus den Veranstaltungen mitzunehmen. Die Kurse waren interessant und bestätigten mich in meinem Vorhaben, eine Masterarbeit in der Themenrichtung des Corporate Social Responsibility anfertigen zu wollen.

Nach dem ersten Semesterblock gab es eine Woche Ferien, die ich dafür nutzte, etwas mehr von Portugal zu entdecken. Ich entschied mich für einen mehrtägigen Ausflug nach Porto, die etwas kleinere, aber sehr hübsche Stadt im Norden Portugals, die insbesondere für ihren Portwein in der Welt bekannt ist. Zu meinen Reisen berichte ich später etwas mehr. Denn die zweite Semesterhälfte stand direkt vor der Tür und verging nicht minder schnell als die erste, da ein großer Workload in wenigen Wochen zu erledigen war. Ich entschied mich, einen Kurs weniger zu belegen als in dem ersten Term, da weniger interessante Kurse angeboten wurden und ich schon genug Credit Points für meine Heimathochschule gesammelt hatte.

Außerdem war es mir wichtig, mich nun mehr auf das Portugiesisch lernen zu konzentrieren, was ich zugegebenermaßen in den ersten Wochen stark vernachlässigt hatte. Der Portugiesisch Kurs war weniger intensiv als erhofft, da er nur zweimal pro Woche für knapp zwei Stunden stattfand und die Anzahl der Schüler im Kurs mit ca. zwanzig relativ groß war für einen Sprachkurs. Ich befasste mich also nun mehr im Selbststudium mit der Sprache und übte vor allem mit meinen brasilianischen Mitbewohnern und einem portugiesischen Sprach-Tandempartner. Ich denke, dass mir dies am besten geholfen hat, meine Sprachkenntnisse zu verbessern.

„Am Ende des Semesters habe ich meinen Portugiesisch Test sogar gut bestanden und mein Ziel, das B1 Niveau, erreicht.“

Auch die Vorlesungen eröffneten mir im Allgemeinen einen neuen Horizont, da viele Themen und Probleme der heutigen Welt betrachtet wurden, die ich in meinem bisherigen Studium nicht integrieren konnte. Insbesondere die Module „Sustainable International Business“ und „Management of Non-Profit Organizations“ förderten meinen Blick für „wichtigere Dinge“ in der Welt als Autos und die Probleme einer Wohlstandsgesellschaft wie Deutschland. Es ging z.B. um Social Businesses in Afrika und Kinderarbeit im Kongo oder in China, welche nur Beispielthemen sind um zu erfahren, wie komplex unsere Weltwirtschaft ist und dass es immer zwei Seiten einer Medaille gibt.

Aber auch in Bezug auf Arbeitsmethoden und Internationalität hatte die Universität, die die dreifache internationale Zertifizierung trägt, sehr viel zu bieten. Das große Manko jedoch war der Campus selbst, welcher aus einem alten Gebäude bestand, das so einige Mängel aufwies und insbesondere viel zu klein war für die Anzahl der Studierenden. Jedoch baut die NOVA SBE zurzeit einen neuen, hochmodernen Campus in Carcavelos, einem Ort an der Küste zwischen Lissabon und Cascais, der auch von der portugiesischen Regierung stark gefördert wird. Im Rahmen eines Kurses besuchten wir die Baustelle des neuen Campus und ich konnte einen Eindruck gewinnen, wie angenehm die Studienbedingungen dort sein werden. Es wird dort auf jeden Fall genügend Platz geben und alles, was das Studentenherz begehrt, sogar einen direkten Strandzugang!

Nun möchte ich etwas mehr auf Lissabon und meine Reisen in Portugal eingehen. In Lissabon wohnte ich bereits für einen einmonatigen Sprachkursaufenthalt, dementsprechend kannte ich die Stadt schon ganz gut. Jedoch gibt es natürlich abseits der wichtigsten Sightseeing Orte wie dem Castelo de São Jorge, dem Elevador de Santa Justa, der Praça do Comércio und dem Torre de Belém noch viele andere Orte zu entdecken. Besonders gern besuchte ich die verschiedenen Aussichtspunkte in der Stadt (Miradouros), denen man überall begegnet, wo man sich auf einem der Hügel der Stadt befindet. Denn Lissabon ist die Stadt der „sete colinas“, also sieben Hügel.

Wer nach Lissabon kommt, sollte sich also bequeme und feste Schuhe mitbringen, ansonsten sind einige Wege doch sehr beschwerlich. Ich hatte außerdem eine etwas unglückliche Zeit erwischt, was das Wetter betrifft. Von Anfang März bis ca. Anfang Mai gab es eine Regenphase in Lissabon, wie sie die „lisboetas“ lange nicht gesehen haben. Es fiel oftmals so viel Regen, dass das Wasser auf den Gehwegen und in den Eingängen der U-Bahn stand und man große Gefahr lief, auszurutschen. Denn das Pflaster in Lissabon ist alles andere als geeignet für Regen, da es sehr glatt ist und das Wasser nicht gut abfließen kann. Besonders für ältere Menschen war schon der Gang zum Supermarkt wirklich nicht leicht.

Lissabon hat außerdem eine ausgeprägte Kaffeekultur, da viele Portugiesen zu jeder Tageszeit vor den „Pastelarias“ (eine Mischung aus Café, Bäcker und Bistro) gemütlich ihren Kaffee trinken und sich mit Bekannten zu einem Gespräch treffen. Dies deutet schon an, dass die Uhren in der Stadt etwas langsamer ticken als in anderen europäischen Großstädten. Und das ist wirklich so, denn die Zeit für ein Gespräch oder einen Kaffee oder andere angenehme Auszeiten nimmt man sich gerne und man hetzt sich nicht durch die Straßen und U-Bahnstationen, wie es beispielsweise die Londoner tun.

Wenn man zu spät zu einem Treffen erscheint, dann ist das in Portugal ganz normal und gehört zum guten Ton. Meistens ist eine halbe Stunde Verspätung noch ganz normal, woran ich mich mit der Zeit auch sehr gut gewöhnt habe und mich jetzt in Deutschland wohl erstmal wieder umstellen muss. Außerdem erwähnenswert ist natürlich das Nationalgericht Portugals, der Bacalhau, welcher jedoch nicht in portugiesischen Gewässern, sondern in den nördlichen Gewässern Europas gefischt wird.

Ein Sprichwort in Portugal sagt, es gäbe 365 Gerichte mit Bacalhau – für jeden Tag im Jahr eines. Ich habe zwar nicht 365 auf einmal sehen können, glaube jedoch, dass die Anzahl der Variationen nicht weit davon entfernt sein kann. Viel besser schmeckte mir jedoch die Pastel de Nata, ein kleiner Kuchen mit einer Art Pudding-Ei-Füllung. Nicht nur diese, auch andere süße Köstlichkeiten kann man in den Pastelarias in Portugal an jeder Ecke bekommen und genießen!

Außerhalb von Lissabon kann ich, wie bereits erwähnt, einen Besuch in Porto sehr empfehlen. Die Stadt ist zwar auch schon sehr touristisch, jedoch hat sie noch einen anderen Charme als Lissabon, da sie kleiner und familiärer ist und man mehr Hafenstadt-Atmosphäre verspürt. Besonders interessant fand ich auch einen Ausflug ins Douro Tal, wo der weltbekannte Portwein und auch andere Weine angebaut werden.

In dem Ort Vila Nova de Gaia gegenüber von Porto, auf der anderen Seite des Douros, sind die großen Weinkeller für den Portwein angesiedelt und prägen durch ihre großen, an die USA erinnernden Schriftzüge das Stadtbild. Nicht weit von Porto, an der Küste in Richtung Süden, besuchte ich außerdem das Städtchen Aveiro, welches als das „Venedig Portugals“ bekannt ist. In der Tat gibt es dort Kanäle, auf Holzpfeilern gebaute hübsche Häuser und kleine traditionelle Boote. Früher war die Stadt für die Förderung von Meersalz aus der angrenzenden Lagune bekannt und von großer wirtschaftlicher Bedeutung für Portugal.

Ich besuchte auch die Universitätsstadt Coimbra, welche ebenfalls recht klein, aber fein ist. Sie beherbergt die älteste Universität Portugals, welche auch eine der ältesten Europas ist. Einen kurzen Besuch ist die Stadt in jedem Fall wert. Leider habe ich es nicht mehr geschafft, in den höheren Norden nach Guimarães und Braga zu fahren, diese Städte stehen aber für spätere Besuche in Portugal auf meiner Liste. Einen Tagesausflug unternahm ich auch in die schöne mittelalterliche Stadt Évora im Alto Alentejo, der „oberen Region jenseits des Flusses Tejo“. Sie gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe und versprüht wirklich ein mittelalterliches Flair.

Insbesondere die Knochenkapelle und die Kathedrale sind sehr sehenswert und ein Bummel durch die Gassen der Stadt wirkt sehr entschleunigend. Nach dem Ende meines Semesters an der Uni belegte ich noch einen Konversationskurs bei einer Non-Profit Organisation und einen kleinen Kurs an einer Sprachschule, um das Portugiesisch weiter aktiv zu üben, auch wenn ich es inzwischen im Alltag eigentlich nur noch benutzte.

Nach ein paar Wochen verabschiedete ich mich dann von Lissabon in Richtung Süden. Es fühlte sich schon an dem Punkt so an, eine zweite Heimat zu verlassen. Ich werde die Stadt mit ihrer Lebensweise und insbesondere meine brasilianischen Mitbewohner sehr vermissen. Aber ich verabschiedete mich sicher nicht für immer!

Zunächst reiste ich dann ein paar Tage alleine durch den Baixo Alentejo, eine Region die bei vielen Deutschen sicher unbekannt ist – zu Unrecht. Denn die Region zeigt viel Ähnlichkeit mit der italienischen Toskana, landschaftlich und landwirtschaftlich. Ich übernachtete in Beja, einer Kleinstadt mitten im Baixo Alentejo, die von vielen Wein- und Olivenhainen umgeben ist. Dort besichtigte ich auch einen Familienbetrieb, der Olivenöl und Wein herstellt. Die kleinen Städtchen im Alentejo haben meist eine Burg und viele kleine Museen und Kirchen zu besichtigen. Außerdem gibt es oft archäologische Ausgrabungsstätten zu erkunden. Nicht nur wegen dieser fühlt man sich in die Vergangenheit zurück versetzt, denn das Leben auf dem Land ist noch sehr ursprünglich und ruhig. In einigen Dörfern gibt es sogar noch Gebäude, in denen die Frauen ihre Wäsche per Hand waschen, während die älteren Herren im Schatten ihrer kleinen weißen Häuser sitzen und Karten oder Schach spielen. Ich habe diese ländliche Idylle sehr genossen!

Danach besuchte ich mit meinem Freund die Algarve, die unendlich viele schöne Strände zu bieten hat. Ein Besuch am südwestlichsten Punkt Kontinentaleuropas, dem Cabo de São Vicente, durfte natürlich auch nicht fehlen! Von dort schickte ein früherer König Portugals, Heinrich der Seefahrer, seine Schüler auf die hohe See und auf die großen Reisen, um neues Land zu entdecken. Im Allgemeinen ist die Seefahrt ein omnipräsentes Thema in Portugal, denn das Land scheint stolz zu sein auf seine „Entdecker“.

Insbesondere der Seefahrer Vasco da Gama, welcher den Seeweg nach Indien fand, wird an vielen Orten geehrt, zum Beispiel durch Denkmäler. Auch in den Fliesen-Wandbildern, den „Azulejos“, wird das Thema der Seefahrt in so gut wie jedem Ort Portugals veranschaulicht und stellt immer einen schönen Blickfang dar, den man bei einem Stadtspaziergang so nicht erwartet. Nachdem wir einige – endlich warme und sonnige – Tage an der Algarve genossen hatten, ging es dann zurück nach Deutschland.

Die sogar höheren Temperaturen als in der überwiegenden Zeit meines Portugal-Aufenthalts machen das wieder Einleben auf jeden Fall angenehmer als erwartet. Jedoch werde ich wohl noch lange „saudades“ (Sehnsucht) haben, nach dem Land in dem die Zeit eine untergeordnete Rolle spielt und in dem die Sonne, wenn sie endlich scheinen darf, so sehr strahlt wie nirgendwo sonst.

 

Até logo, Portugal!

Vivian Bochem

Amelie Körtje arbeitet beim Roten Kreuz in Puebla, Mexiko

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„Mein Abenteuer Mexiko“

Zweiter Zwischenbericht von Amelie Körtje

 Vor genau acht Monaten kam ich voller Aufregung am Flughafen in Mexiko Stadt an. Was würde mich wohl erwarten, in diesem unbekannten Land, in dem ich ein Jahr verbringen würde? Heute, acht Monate später, kann ich sagen, dass die Zeit anders verlaufen ist, als ich es erwartet hätte. Ich versuchte, mit möglichst wenigen Erwartungen zu kommen und sie wurden haushoch übertroffen. In acht Monaten habe ich gefühlt so viel erlebt, gestaunt, gefühlt und über das Leben gelernt wie vielleicht in den 19 Jahren zuvor nicht. Mit Überzeugung kann ich behaupten, dass es die bisher beste Entscheidung meines Lebens war, ein Jahr als Freiwillige mit dem Roten Kreuz in Puebla zu verbringen.

Seit meinem letzten Bericht im November hat sich viel verändert. Da meine erste Gastfamilie ein Baby bekam, machte ich mich mit dem Koordinator des Roten Kreuzes auf die Suche nach einer neuen Gastfamilie. Den Wechsel erlebte ich mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Einerseits hing ich sehr an Paula und Alejandro, meinen ersten Gasteltern, sie haben es mir ermöglicht, das unfassbar komplexe politische, ökonomische und soziale Geflecht Mexikos zumindest ansatzweise zu begreifen.

Doch sah ich die Situation auch als Chance, noch eine andere Seite Mexikos kennenzulernen, andere Sichtweisen, einen anderen Lebensstil, andere Gebräuche. Seit Januar wohne ich nun bei Vicky, meiner neuen Gastmutter und der Haushälterin Tona, nur fünf Gehminuten vom Cruz Roja entfernt. Vicky ist Lehrerin an einer Montessorischule, jeden Sonntag kommen ihre beiden erwachsenen Kinder zum Mittagessen und Spieleabend zu Besuch. Leider sehen wir uns aufgrund der unterschiedlichen Arbeitszeiten und meiner regelmäßigen Wochenendausflüge nicht so oft, dennoch fühle ich mich sehr wohl in meinem neuen Zuhause.

Auch von meiner Einsatzstelle im Cruz Roja gibt es Neuigkeiten. Bis Februar arbeitete ich im Rettungsdienst, doch leider gab es zum Ende hin immer weniger Einsätze, da es Probleme mit der Notrufzentrale gab und dem Cruz Roja weniger Einsätze zugeteilt wurden. So gab es leider immer wieder Zeiten, in denen doch Langeweile aufkam. Ich versuchte jedoch, diese Stunden sinnvoll, z.B. durch Lesen zu überbrücken.

Ausgeglichen wurde dies durch Tage, an denen ich wirklich das intensive Gefühl hatte, etwas zu lernen, nicht nur in medizinischer Richtung, sondern auch mental und emotional über mich selber. Zu sehen, wie sich das Leben eines Patient qualvoll dem Ende zuneigt, aufgrund eines Sauerstoffmangels, der auf mögliche Fehleinschätzungen der Rettungskräfte zurückzuführen ist, war schwer und emotional belastend. Hätte ich mehr auf mein mulmiges Bauchgefühl hören sollen und mehr auf meine Meinung bestehen sollen? Bin ich somit Schuld am Tod eines Menschen? Es sind Fragen, die sich wohl jeder Mediziner früher oder später stellen muss und ich bin froh, diese Erfahrung jetzt schon machen zu können und daraus zu lernen.

Im Rettungsdienst lernte ich unter anderem praktisch, ein EKG, etwa bei einem Infarktpatienten zu lesen, Infusionen zu legen, zu reanimieren (wenn auch jedes Mal erfolglos) sowie grundlegende Dinge wie die Vitalwerte zu messen und Verbände zu legen. All diese Lernfortschritte lassen mich über die vielen Stunden des tatenlosen Rumsitzens und Wartens hinwegsehen. Dennoch freute ich mich, als wir im Februar in die Notaufnahme und die Consulta, einer Art gemeinärztlichen Sprechstunde wechselten, jeweils eine Woche im Wechsel in einem der beiden Bereiche. Wir arbeiten Montag bis Freitag, nachmittags von 14 bis 19 oder 20 Uhr. Der zuständige Arzt in der Consulta erklärt viel und anschaulich, so dass ich oft wirklich das Gefühl habe, etwas zu lernen, auch wenn ich meistens nur bei der Untersuchung zuschaue. Einfache Dinge wie Fäden ziehen oder Vitalwerte messen darf ich jedoch übernehmen.

In der Notaufnahme schätze ich besonders die Anwesenheit der Medizinstudenten im Praktischen Jahr, denn mehr als der Arzt selber lassen sie mich kleine Aufgaben erledigen und erklären mir die Sachverhalte. So darf ich unter anderem hin und wieder kleine Wunden säubern und, was mich besonders begeistert, nähen, EKGs legen, und den Dopplerultraschalluntersuchung bei Schwangeren durchführen. Insgesamt besteht der Einsatz in der Notaufnehme jedoch auch vorrangig aus Zuschauen. Zweimal durfte ich, nach mehrmaliger Nachfrage meinerseits, bei Operationen zuschauen und auch dort sogar nähen.

Mein absolutes Highlight bisher bei der Arbeit im Cruz Roja erlebte ich vor einigen Tagen, als ich zum ersten Mal bei der Geburt eines Babys zusehen durfte. Wie so häufig hier in Mexiko, handelte es sich um einen Kaiserschnitt. Der Moment, als der kleine Kopf endlich zum Vorschein kam, war ein ganz besonderer. Als der Mutter langsam eine Träne über das Gesicht voller purer, bedingungsloser Liebe rollte, ging mir das Herz auf und auch ich spürte vor Ergriffenheit eine kleine Träne im Augenwinkel.

Es sind diese kleinen und großen Momente, die mich immer wieder bestärken in dem Wunsch, Medizin zu studieren.

Tatsächlich ist die Arbeit im Cruz Roja für mich der größte Anreiz, nach Deutschland zurückzukehren. Nicht weil es mir nicht gefällt, sondern weil ich in der direkten Arbeit mit den Patienten und Ärzten merke, wie viel Lust ich habe, mehr zu lernen über die Medizin, im Detail zu verstehen, wie der menschliche Körper aufgebaut ist und funktioniert, welche Krankheiten und Therapiemöglichkeiten es gibt. Oft wünsche ich mir, schon mehr in Form des Studiums gelernt zu haben und so aktiver mitarbeiten zu können.

Ansonsten nutze ich meine freie Zeit hier in Mexiko ausgiebig, um dieses wunderschöne vielfältige Land kennenzulernen. Über Ostern reiste ich in den südlichen Bundesstaat Chiapas, der fast zu 80% aus indigener Bevölkerung besteht. So lernte ich nochmal eine ganz andere, ursprünglichere Seite Mexikos kennen. In Hütten im Dschungel zu dem Brüllen der Affen und Zwitschern der Vögel aufzuwachen, in glasklaren Bächen und Wasserfällen zu schwimmen, durch das bunte San Cristobal de las Casas voller Kultur und Leben zu schlendern, auf dieser Reise verliebte ich mich nochmal mehr in Mexiko und seine Vielfalt.

Und doch machte sie mir erneut die sozialen Unterschiede Mexikos schmerzhaft bewusst. An einen Tag die um Geld für eine Tortilla bettelnden Kinder in Chiapas zu sehen und am nächsten durch die luxuriösen, schillernden Straßen des Reichenviertels Polanco in Mexiko Stadt zu fahren, hinterließ in mir ein seltsames Gefühl der Frustration angesichts dieser Ungleichheit.

Ich lernte in den vergangenen Monaten die traumhaften Strände des Bundesstaates Oaxaca, das bunte San Miguel de Allende, ein Sammelpunkt US-amerikanischer Senioren, sowie das beeindruckende Guanajuato mit seinem unterirdischen Tunnelstraßensystem und den gemütlichen kleinen Gässchen kennen. In Mexiko werden einige Dörfer, die eine besondere Architektur, Kultur oder Geschichte bieten, mit dem Titel „Pueblos magicos“, magische Dörfer, geehrt. In Tepoztlan die spirituelle Erfahrung eines mexikanischen Temazcals zu erleben, in Cholula von der, auf einer Pyramide erbauten, Kirche aus die Sonne hinter den beiden Vulkanen Popocatepetl und Itzaccihuatl untergehen zu sehen, Mexiko verzaubert mich immer wieder aufs neue mit seiner Schönheit. Die Pyramiden von Teotihuacan raubten mir den Atem, ebenso wie die Aussicht von dem Vulkan Nevado de Toluca, mit der wir nach einem anstrengenden Aufstieg belohnt wurden.

Gerade weil das Land Mexiko, seine Leute, Natur und Traditionen mich mit einer solchen Begeisterung erfüllen, setze ich mich in letzter Zeit verstärkt mit meiner eigenen Herkunft, meiner Einstellung zu Deutschland, auseinander. Viele Mexikaner, die ich kennengelernt habe, erkennen die Probleme an, vor denen Mexiko steht, etwa was die politische Lage, Stichwort Korruption, oder die soziale Ungerechtigkeit angeht. Und dennoch erklären mir viele, sie seien stolz, Mexikaner zu sein, sie liebten ihr Land. Dies spiegelt sich auch an den vielen nationalen Feiertagen, wie dem Unabhängigkeitstag im September wieder, an dem mit Stolz die mexikanische Flagge gehisst wird und der Schrei der Unabhängigkeit aus Abermillionen Kehlen erklingt. In den Schulen wird regelmäßig die Nationalhymne gesungen, die Hand stolz auf der Brust.

Für mich war dies anfangs ein äußerst befremdlicher Anblick. Allerhöchstens zur Fußballweltmeisterschaft alle vier Jahre singe ich die Nationalhymne, nie würde ich auf die Idee kommen, eine deutsche Flagge zu hissen. Wenn ich meinen mexikanischen Freunden erkläre, dass ich keinen Stolz empfinde, Deutsche zu sein, stoße ich oftmals auf verständnislose und entgeisterte Gesichter. Dies habe mit dem tiefen Einschnitt in die deutsche Identität als Folge des zweiten Weltkriegs zu tun, versuche ich zögerlich zu erklären, wohl wissend, dass ich dabei eigentlich doch nur von mir selber sprechen kann. Instinktiv schrillen in meinem Kopf bei den Worten Patriotismus, Nationalstolz, die Alarmglocken, sofort verbinde ich sie mit Rassismus, Ausgrenzung, dem Schrecken der deutschen Geschichte.

Hier in Mexiko zeichnet sich mir ein ganz anderes Bild: Die Mexikaner sind nicht deshalb stolz auf ihre Nationalität, weil sie sich ihretwegen anderen Menschen überlegen fühlen. Ganz im Gegenteil, viele lieben die natürliche und menschliche Vielfalt, das mexikanische Essen und die vielen Traditionen des Landes – und gleichzeitig herrscht ein ausgesprochen großes Interesse an anderen Kulturen. Besonders als Deutsche wurde mir bisher immer sehr große Anerkennung entgegengebracht. Die Deutschen seien ja so intelligent, so strebsam, und erst die Autos…

Ich bin in solchen Situationen immer etwas ratlos, was ich darauf erwidern soll. Dass es in Deutschland auch Probleme gibt, Menschen in Armut leben und nicht alles perfekt ist? Es ist eine andere Art von Problemen, mit denen Deutschland und Mexiko zu kämpfen haben und eine Relativierung von Problemen halte ich generell nicht für sinnvoll. Und dennoch ist mir hier in Mexiko bewusst geworden, dass etwa die vielen Sozialleistungen, die wir in Deutschland haben, eine funktionierende Demokratie ohne korrupte Politiker, und ein Gefühl der Sicherheit auch zu später Stunde, Dinge sind, die in kleinster Weise als selbstverständlich anzusehen sind.

Bedeutet dies, dass ich nun als stolze Deutsche aus Mexiko zurückkehre? Nein. Doch ich bin mir meiner Privilegien, die mir bei meiner Geburt durch Zufall geschenkt wurden, einmal mehr bewusst geworden. Und dass mit diesen Privilegien auch Verantwortung einhergeht.

In den letzten Wochen ist mir immer mehr bewusst geworden, wie schwer mir der Gedanke an die Rückkehr nach Deutschland fällt. Mein Leben hier in Mexiko fühlt sich an wie ein Traum, aus dem ich nicht aufwachen möchte, auch wenn ich weiß, dass ich es früher oder später muss. Manchmal fühlt es sich so an, als würde eine große Uhr unaufhörlich neben meinem Kopf ticken. Tick. Tack. Tick. Tack. Die Zeit rennt und rennt und rennt. Aus der Gelassenheit, dem Im-Moment-Leben der ersten Monate ist das Bewusstsein geworden, dass ein Jahr eben nur ein Jahr und somit endlich ist.

Vor meiner Ausreise aus Deutschland war es vor allem das Projekt im Cruz Roja Mexicana, welches mich reizte, ein Auslandsjahr zu machen. Doch auch wenn mir die Arbeit tatsächlich größtenteils sehr gut gefällt, sind es jetzt vor allem die Menschen, der Lebensstil, die Entspanntheit, wegen derer mich beim Gedanken an den 13. August, an den Abschied, ein dumpfes Gefühl der Panik erfüllt. Im Moment kann ich mir einfach nicht vorstellen, in weniger als vier Monaten in mein Leben in Deutschland zurückzukehren. Zu wohl fühle ich mich in meinem mexikanischen Leben, umgeben von einigen der tollsten Menschen, die ich jemals kennenlernen durfte. Ich weiß, dass es sinnlos ist, sich diese Gedanken jetzt schon zu machen, doch die Tatsache, dass man die verbleibenden Monate an einer Hand abzählen kann und die Zeit wie im Flug vergeht, beunruhigt mich zutiefst.

Bei dem Zwischenseminar mit den anderen Rot-Kreuz-Freiwilligen im März wurden wir gebeten, eine Legende über unsere Zeit in Mexiko zu schreiben und uns so schon einmal gedanklich mit der Rückkehr nach Deutschland auseinanderzusetzen. Im Folgenden meine Legende mit dem Titel „Die beste Entscheidung“

„Es war einmal ein junges Mädchen, das wusste nicht, wo ihr Platz in der Welt war. Trotz Freunden und Familie zu Hause merkte sie, dass ihr etwas fehlte im Leben. Und so machte sie sich auf in die große weite Welt nach Mexiko.

Mexiko war ein Land voller Unbekannte, sie beherrschte kaum die Sprache, Kultur und Essen waren ihr fremd. Vor ihrem großen Abenteuer hatte sie schon einiges über Mexiko gehört. Kriminalität, Drogenhandel, Gefahr, Gefahr, Gefahr, kreischten ihr die Stimmen der Mitmenschen von allen Seiten wie Alarmsirenen entgegen. Doch sie entschloss, sich die Ohren zuzuhalten und das Kreischen zu ignorieren. Sie machte sich auf den Weg nach Mexiko mit vollen Koffern und einem Kopf möglichst leer von Vorurteilen.

Sie kam mit wenigen Erwartungen und war überwältigt von dem Land, das sie mit offenen Armen empfing. Sie traf Menschen, wie sie sie noch nie getroffen hatte, so anders und doch im Kern so gleich, so interessant und interessiert. Sie führte Gespräche über Themen, die sie in ihrer Heimat nie beschäftigt hatten, weil es Selbstverständlichkeiten oder Unvorstellbarkeiten waren.

Sie lernte und lernte und lernte. Über Mexiko, über ihre Heimat, über ihre Mitmenschen, vor allem aber über sich selber. Einige ihrer Pläne, Vorstellungen und Wünsche bestätigten sich. Andere änderten sich, grundlegend. Sie setzte sich neue Prioritäten, vergaß andere.

Im Laufe der Zeit merkte sie, wie sehr sie diese Auszeit von ihrer Heimat gebraucht hatte. Eine Auszeit von ihrem Alltag, von den ihr bekannten Normen und Werten. Um sich selber neu kennenzulernen. Und um Erfahrungen zu sammeln, die einzigartig und unvergesslich waren. Sie merkte, dass es gut gewesen war, sich die Ohren vor den kreischenden Alarmsirenen, die sie vor ihrer Entscheidung gewarnt hatten, zuzuhalten.

Denn was sie in Mexiko empfing, war kein hässliches Kreischen der Gefahr, sondern Musik in ihren Ohren. Eine anziehende Musik, die über das Hören hinausging und alle ihre Sinne stimulierte. Das Essen verzauberte ihren Gaumen, das Klima liebkoste ihre Haut. Sie fühlte. Sie fühlte sich lebendig. Sie merkte, wie viel das Leben wert ist. Und ohne es zu merken, wurde sie süchtig nach dem Mexiko, das ihr Leben geworden war.

Sie erlebte ein Jahr voller Höhen und Tiefen. Doch die Höhen waren höher, als sie sie jemals erklommen hatte. Vulkanhoch. Und als sie nach Ablauf der 12 Monate in ihre Heimat zurückkehrte, war sie sich nicht sicher, ob es noch ihre Heimat war. Zumindest nicht ihre einzige. Denn ihr Herz gehörte jetzt auch Mexiko.“

Amelie Körtje

 

Ihren ersten Bericht finden Sie auf Seite 2:

 

Selin Özen, zum Master-Musikstudium in London

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Selin Özens Liebe zur Musik begann früh: Bereits im Alter von 6 Jahren nahm sie Unterricht an der Musikschule Wolfsburg, spielte Violine und Klavier und blieb ihrer Musikschule über 14 Jahre lang treu verbunden. Es folgte die Teilnahme an Regional- und Landeswettbewerben, die sie erfolgreich bestritt.

Nach dem Abitur begann Selin Özen 2012 ihr Studium an der englischen „University of Chichester“, welches der IFK mit einem monatlichen Stipendium unterstützte. Hier erfolgte ein Wechsel von der Violine zur Bratsche und die junge Musikerin erlernte zahlreiche Stücke unterschiedlicher Komponisten. Inzwischen kann sie auf bemerkenswerte Auftritte in der Schweiz, Österreich, Frankreich und den USA zurückblicken. Im Mai diesen Jahres schloss Selin ihr Studium dann mit dem Bachelor-Titel ab. Zum Dank an den IFK gab sie bereits am 19. Juli 2015 im Schloss Wolfsburg ein klassisches Sommerkonzert auf der Bratsche.

Auf das erste folgte ein zweites Studium: Ein Jahr lang besuchte Selin Özen das Master-Musikstudium am Konservatorium Guildhall School of Music and Drama in London, der IFK unterstützte sie auf ihrem weiterhin erfolgreichen Weg.  Im Dezember letzten Jahres hatte sie die Gelegenheit, an einem Projekt in Argentinien teilzunehmen.

Sie unterrichtete dort  Kinder in einem Waisenhaus und brachte Ihnen ihre Liebe zur Musik näher – ein Erlebnis, dass ihre Musikkarriere in eine andere Richtung lenken sollte: „Diese Erfahrung hat meine Blickweise so sehr verändert, dass ich beschlossen habe mein Studium dieses Jahr zu beenden und Musik zu unterrichten“, begründet die junge Musikerin ihre Entscheidung zum vorzeitigen Studienabschluss. Der Studiengang besteht aus zwei voneinander unabhängigen Jahren, Selin beendet ihn in diesem August und erhält den „Master of Music“.

Der IFK wünscht der erfolgreichen Absolventin auf ihrem weiteren Weg alles Gute!

Marie Heldsdörfer in San José, Costa Rica

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Mein Name ist Marie Heldsdörfer, ich bin 18 Jahre alt und habe im Juli diesen Jahres mein Abitur erhalten. Anschließend bin ich am 25. August nach Costa Rica geflogen, um hier für ein Jahr einen Freiwilligendienst zu leisten. Dieser läuft über das Programm „weltwärts“, organisiert von der Organisation ICJA. Mein Projekt in einer Kindertagesstätte beginnt am 16. September. Im Folgenden berichte ich über meine ersten Eindrücke und die Vorbereitung meines Projektes in Costa Rica .

Ich wohne in der Hauptstadt, San José. Die Stadt an sich ist nicht besonders ansehnlich, aber sie hat ihren eigenen Charme, was sie auf ihre eigene Art und Weise schön macht. Das Zentrum und das Stadtgebiet sind nicht sonderlich groß, deshalb findet man sich nach etwa einer Woche ganz gut zurecht. Es gibt eine lange Fußgängerzone, auf der es von Geschäften und Straßenverkäufern nur so wimmelt. Auf einem großen Platz inmitten der verkehrsfreien Zone befindet sich das „Teatro Nacional“. Die Straßen sind im Schachbrettmuster angelegt und die Gebäude befinden sich oft unmittelbar nebeneinander. Es gibt in der Innenstadt einige Parks, wie zum Beispiel den „Parque Central“ und die „Plaza Espana“. Es ist alles gut erreichbar und ich fühle mich wohl in dieser Stadt. Alles ist nah beieinander und so ganz anders angeordnet als in einer deutschen Stadt.

Das Bus fahren ist hier in Costa Rica sehr interessant. Um mit dem Bus mitfahren zu können, wird sich an der Haltestelle in eine Schlange angestellt und man steigt nacheinander ein. Und für wen kein Platz mehr ist, der muss auf den nächsten Bus warten. Man weiß allerdings nie, wann der Bus kommt und wie lange man heute brauchen wird, um in die Stadt zu kommen. Denn, wie auch in Wolfsburg, gibt es hier eine Art Schichtverkehr – allerdings viel extremer! Es dauert sehr lange, bis man an seinem Zielort ankommt. Der Stau wird hier als „presa“ bezeichnet. Viele Busse sind Modelle von Volkswagen. Die Buspreise sind unglaublich günstig: Für eine Fahrt von meinem Stadtteil direkt in die Innenstadt bezahle ich umgerechnet nur 0,45€.

Die Autofahrer fahren hier ebenfalls, wie sie wollen. Das sagt selbst mein Gastvater. In der Innenstadt gibt es nur Ampeln für die Autos und in den seltensten Fällen für Fußgänger. Fußgängerampeln gibt es eigentlich nur an sehr verkehrsreichen Straßen, die dann auch noch sehr breit sind. Die Straßen im Zentrum von San José sind eher eng und daher muss man als Fußgänger in der Innenstadt einfach auf die Ampeln der Autos achten, um zu wissen ob man gehen kann oder nicht. Das sagt auch mein Gastvater und er sagt, dass viele hi er total verrückt fahren.

Costa Rica selbst ist auch ein wunderschönes Land, dass unglaubliche Natur zu bieten hat. Ich bin zwar erst seit 2 Wochen hier, aber ich habe bereits den Regenwald bei strömendem Regen besucht. Die Wanderungwar ein sehr abenteuerliches Erlebnis, denn unser Guide und Teamer Vinicio ist sogar mit einer Machete vorausgegangen. Unser Weg war kein typischer Wanderweg, sondern lediglich ein kleiner Trampelpfad, der etwa drei Stunden bergauf führte. Die Tour war eine sehr rutschige Angelegenheit und der Rückweg bergab war nicht unbedingt ungefährlich. Aber es war definitiv ein abenteuerliches und spannendes Erlebnis, das ich nie vergessen werde!

Einen der schönsten Nationalparks der Pazifikküste, den „Parque Manuel Antonio“, habe ich auch schon erkundet. Mit seinen Stränden ist er einfach faszinierend. Mit einer Freundin war ich dort fünf Stunden unterwegs. Es ging zu einem Wasserfall, entlang an den weiten Stränden und an vielen tollen Aussichtspunkten vorbei. Wir haben sogar Affen und viele andere Tiere in freier Wildbahn sehen können. Das war ein unglaubliches Erlebnis!

Derzeit findet noch mein Orientierungsseminar zur Vorbereitung meines Projektes statt. Es macht sehr viel Spaß und wird von tollen Teamern gestaltet, die sich sehr bemühen, die zwei Seminarwochen möglichst spannend zu gestalten. Neben all den Infos, die sie uns vermitteln, gibt es viele Spiele, Filmabende und Tanzstunden.

Marie Heldsdörfer

 

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Tom Sprenger in São Paulo

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Nun bin ich schon (seit Mitte August) fast einen Monat in Brasilien. Ich habe das Gefühl, dass dieser Schritt eben hierhin zu gehen der absolut richtige war, denn ich nehme die sogenannte „Horizonterweiterung“ bereits jetzt schon wahr. In meiner Gastfamilie fühle ich mich sehr wohl und auch die Arbeit in meiner Einrichtung macht mir Spaß.

Ich arbeite mit Kindern im Alter von sechs bis neun Jahren, die, ergänzend zur Schule, in unserer Einrichtung ihre Persönlichkeit anhand von künstlerischen, musikalischen oder sportlichen Aktivitäten entfalten sollen. Ich selbst werde demnächst im Zuge des interkukturellen Austauschs Deutschunterricht geben und wahrscheinlich auch Karate anbieten.

Man darf nicht vergessen, dass die meisten Kinder hier eher einen einfachen Hintergrund haben und ich selbst auch in einem Viertel wohne, in dem die Menschen eher wenig ihr Eigentum nennen. Auch wenn die Menschen hier nicht sehr viel besitzen, so wirken sie doch stets glücklich. Auch die Offenheit der Brasilianer beeindruckt mich und ich denke, dass sich die Deutschen eine Scheibe davon abschneiden könnten.

Abseits der Arbeit bin ich dabei die Metropole São Paulo zu entdecken, was angesichts des überwältigenden Kultur- und Freizeitangebots der Stadt noch eine Weile dauern wird. Mehr Informationen gibt es auch auf meinem Blog: http://tomnobrasil.jimdo.com/

Außerdem möchte ich mich noch einmal ganz herzlich für die finanzielle, aber auch ideelle Unterstützung bedanken.

Liebe Grüße

Tom Sprenger

Hier geht es zum zweiten Bericht

Angelika Dettling studiert an der Vancouver Island University in Kanada

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IFK-Stipendiatin Angelika Dettling verbringt im Rahmen ihres BWL-Studiums an der Ostfalia Hochschule das Wintersemester 2017/18 an der Vancouver Island University in Nanaimo. Hier schreibt sie über ihre Eindrücke:

Nach über vier Monaten ist mein Auslandssemester nun leider schon vorbei und ich kann auf vier wundervolle Monate in Kanada zurückblicken. Die Zeit nach meinem letzten Bericht ist nur so wie im Flug vergangen und ich kann es kaum fassen, dass nun schon die letzten Klausuren geschrieben und die letzten Aufgaben abgegeben sind.

In der zweiten Hälfte meines Auslandssemesters habe ich die Kälte Kanadas kennengelernt. Während es auf Vancouver Island nicht viel kälter als in Deutschland ist, kann es auf dem kanadischen Festland sehr kalt werden. An einem Wochenende habe ich gemeinsam mit anderen internationalen Studenten einen Ausflug auf dem Festland zum Lake Garibaldi gemacht. Um zu dem wunderschönen Lake Garibaldi zu kommen, musste wir eine 18 Kilometer lange Wanderung machen.

Als wir an dem See angekommen waren, waren wir sehr beeindruckt von der Schönheit von diesem riesigen türkisblauen See, allerdings haben wir trotz mehrerer Schichten Kleidung so sehr gefroren, dass wir nach nur drei Minuten an dem See sofort wieder zurückgegangen sind. Nach der Wanderung waren wir fünf uns alle ganz sicher, dass wir am Lake Garibaldi den bisher kältesten Moment in unserem Leben miteinander erlebt haben.

Die Kälte hat aber auch ihre Vorteile und so hatte ich die Möglichkeit auf Vancouver Island und dann am Ende des Semesters in Whistler Ski fahren zu gehen. Für mich ist ein echter Traum in Erfüllung gegangen, als ich in Whistler Ski fahren war. Überall wurde ich an die Olympischen Winterspiele erinnert, die 2010 in Kanada stattgefunden haben. An mehreren Stellen im Skigebiet in Whistler sind olympische Ringe als Erinnerung aufgestellt wurden.

Anders als die meisten vermuten ist nicht Vancouver die Hauptstadt British Columbias, sondern die Stadt Victoria auf Vancouver Island. Im November habe ich einen Tagesausflug nach Victoria gemacht und das Royal British Columbia Museum besichtigt. Besonders interessant fand ich, wie hier versucht wird, die Geschichte der Ureinwohner Westkanadas aufzuarbeiten. In dem Museum gab es eine Ausstellung zu den Ureinwohnern Kanadas und ihren ursprünglichen Sprachen. Heute gibt es leider kaum noch Menschen in Kanada, die die 34 Sprachen der Ureinwohner sprechen, weshalb diese Sprachen sich leider in einem sehr kritischen Zustand befinden.

Auch an der VIU habe ich häufig gemerkt, wie versucht wird, die Geschichte der Ureinwohner in Kanada aufzuarbeiten. Zum Beispiel bekommen Studenten an der VIU am Anfang des Semesters immer eine Course Outline ausgeteilt, die alle Inhalte und ein Ablaufplan des Kurses darstellt. In jeder dieser Course Outlines war der folgende Satz zu finden:

Vancouver Island University acknowledges and thanks the Coast Salish nations of the Snuneymvuxw, Tla’Amin, Snaw-Naw-As and Cowichan for allowing us to teach, learn, live and share educational experiences on the traditional territories of these nations.

Außerdem müssen Nachfahren der Ureinwohner an der VIU keine Studiengebühren bezahlen und es wurde ein extra Gebäude errichtet, wo es regelmäßige Treffen für Nachfahren der Ureinwohner und andere Interessierte gab. Häufig kann man in British Columbia sogenannte Totem Poles finden, die an die Natureinwohner erinnern.

Es gibt unterschiedliche Arten von Totem Poles, die von den Ureinwohnern gestaltet wurden. Sie können zum Beispiel eine Geschichte erzählen oder einen Charakter darstellen. Die Bedeutung und die Gestaltung der Totem Poles ist abhängig vom Stamm und der Region. Auch auf dem Gelände der VIU wurde aus Respekt gegenüber der Ureinwohner Totem Poles aufgestellt.

Ich bin sehr froh, dass ich mich dafür entschieden habe ein Auslandssemester in Kanada zu machen und werde meine Zeit in Kanada nie vergessen. Das Land ist wunderschön und die Menschen sehr offen und aufgeschlossen. Während des Auslandssemesters habe ich viel über mich selber gelernt und auch erfahren, was besonders an unserer eigenen deutschen Kultur ist.

Außerdem habe ich nochmal gemerkt, wie wichtig es ist, sich mit kulturellen Unterschieden auseinanderzusetzen und kulturelle Unterschiede zu respektieren. Mit meinen Mitbewohnern werde ich auf jeden Fall versuchen in Kontakt zu bleiben und hoffentlich wird sich für uns die Möglichkeit ergeben, uns alle noch einmal wiederzusehen.

 

Angelika Dettling

 

Lesen Sie auf Seite 2 den ersten Bericht von Angelika Dettling: