IFK-Stipendiatin Sabrina Holst berichtet aus Chattanooga, USA

Zitat

Im Rahmen meines BWL Studiums an der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften habe ich die Chance erhalten ein Auslandssemester an der University of Tennessee at Chattanooga zu absolvieren. Jetzt – Mitte Oktober – bin ich schon bei der Halbzeit meines Auslandserlebnisses angekommen und möchte über meine ersten Erlebnisse berichten.

Willkommenskultur im Süden

Eins kann ich nach meinen ersten Monaten im Süden Amerikas sagen:

„Die Menschen sind sehr offen, freundlich und interessiert an Ausländern.“

Die Uni ist sehr bemüht internationale Studenten gut zu integrieren. Es gibt „Go Global“ und ein „Buddy“ Programm. Go Global ist ein Programm für Internationale, das heißt Studenten aus anderen Ländern als den USA, im Rahmen dieses Programms werden immer wieder Ausflüge und Veranstaltungen organisiert. Wir waren gemeinsam Wandern bei den Rainbow Falls, haben an einem Escape Game teilgenommen, gebowlt und sind nach Nashville gefahren. Außerdem gibt es auch ein Wohnprogramm von Go Global. Immer zwei Internationale wohnen zusammen mit zwei Amerikanern. Mir gefällt dieses Prinzip sehr gut, weil die Internationalen alle sehr daran interessiert sind Kontakte zu knüpfen und die Amerikaner sich gut auskennen und man dadurch sowohl die Sprache als auch typisches amerikanisches Essen oder amerikanische Gewohnheiten kennenlernt. Im Rahmen des Buddy Programms bekommt man außerdem einen Amerikaner zugeteilt, der einem immer mit Rat und Tat zur Seite steht und unterstützt. Alle Amerikaner, die ich getroffen habe, sind mehr als freundlich. Jeder bietet Hilfe an und man muss sich daran gewöhnen nicht immer aus Höflichkeit nein zu sagen, weil es meistens wirklich ernst gemeint ist und man die Menschen verletzt, wenn man wiederholt ablehnt. Ich wurde so oft zum Essen eingeladen, mir wurden Dinge für meine Wohnung angeboten sowie Hilfe aller Art. Die Eltern von einem Mädchen aus meinem Studentenwohnheim haben einfach einen Kanutrip mit BBQ für alle Internationalen organisiert, die sie nicht einmal kannten, weil sie Interesse an anderen Kulturen haben und uns eine Freude bereiten wollten.

 

Fried food

Das Essen im Süden ist wirklich reichhaltig! Bohnen, fried rice, fried chicken… Frittieren kann man alles! Am meisten gewundert habe ich mich über fried Oreos. Einen Schokokeks frittieren, um ihn noch ungesünder zu machen? Auf die Idee kommt man nur hier. Aber es schmeckt! Außerdem wird fast alles in unglaublich großen Portionen serviert und überall ist Zucker enthalten. Hier muss man Sport machen um nicht zuzunehmen! Bei den tollen Angeboten an meiner Universität ist das zum Glück kein Problem. Außerdem ist alles viel länger haltbar, vermutlich aufgrund einiger Konservierungsstoffe.

Mein erster Besuch in einem Restaurant hier war für mich wirklich verwirrend. Erstens gibt es immer gratis Wasser und zweitens einen gratis „Refill“, wenn das Getränk leer ist (solange es ein einfaches Getränk wie Limonade oder Cola ist). Ein Kellner macht hier einen schlechten Job, wenn einem das Getränk ausgeht. Als mein erster Refill kam, habe ich dem verwirrten Kellner gesagt, dass ich kein zweites Getränk bestellt habe. Er hat mich natürlich nicht verstanden und ich habe meinen Fehler erst erkannt, als mein amerikanischer Freund, der mit mir essen war, sich von seinem Lachanfall erholt und mich über den Refill aufgeklärt hat. Generell sind die Bedienungen hier viel freundlicher und aufmerksamer als man es in Deutschland gewohnt ist, vermutlich weil ihr Gehalt vollständig vom Trinkgeld abhängig ist. Hier ist Trinkgeld kein „Kann“ sondern ein „Muss“ und zwar 20-30% je nach Service.

 

Glaube

Die Menschen im Süden sind sehr gläubig. So gut wie jeder geht zumindest wöchentlich in die Kirche und die ist hier ganz anders als in Deutschland. Gottesdienste sind sehr viel kreativer und unterhaltsamer, oft treten Bands auf und singen oder es werden Spiele gespielt. Die Studenten unternehmen alle sehr viel mit der Kirche und kirchlichen Organisationen, sei es Bible Studies an Dienstagen oder Kurztrips über das Wochenende. Dabei geht es zwar auch um Gott und um Jesus aber in erster Linie darum, Zeit mit Freunden zu verbringen und einfach Spaß zu haben. Mit dem Glauben hängt auch zusammen, dass hier die Menschen deutlich früher heiraten. Viele von den Studenten die ich kennengelernt haben sind schon verlobt oder sogar verheiratet, obwohl sie so alt wie ich oder nur einige Jahre älter sind.

 

Klima und Natur

Das Wetter und die Natur in Chattanooga sind unglaublich. Bis Mitte Oktober war es super warm (meistens um die 30 Grad) und sehr feucht. Das Klima ist hier sehr humid und dementsprechend ist alles grün. Ob in den Bergen oder am Wanderweg neben dem Tennessee River, überall sind viele grüne Pflanzen und man hört ein sehr lautes Zirpen von den Grillen. Chattanooga ist optimal für Outdoor-Sportarten geeignet. Ich war Wandern, Kanu fahren auf dem Tennessee River, Mountainbiken und Klettern. Und ich weiß nicht, was mir mehr Spaß gemacht hat, die Aussicht und Natur zu bewundern oder die Sportart an sich, vermutlich war es die Kombination aus beidem.

 

 

Mein 21. Geburtstag in Amerika

Ich hatte das Glück, meine Volljährigkeit zwei Mal feiern zu dürfen: Einmal den 18. Geburtstag in Deutschland und meinen 21. hier in Chattanooga. Hier darf man erst mit 21 in Bars gehen, ein Auto mieten oder Alkohol trinken. An meinem Geburtstag habe ich nicht weniger als 3 leckere Schokoladentorten bekommen. Alle Menschen haben sich so viel Mühe gegeben meinen Tag trotz der fehlenden Familie wundervoll zu gestalten. Und es hat geklappt! Ich war von so netten Menschen umgeben, meine Mitbewohner haben für mich die Wohnung dekoriert und ich habe (typisch amerikanisch) Schlagsahne ins Gesicht bekommen.

 

Studieren in den USA

Der Campus in Chattanooga ist unglaublich, nicht zu vergleichen mit dem in Wolfsburg. Er ist viel größer und man lebt wirklich auf dem Campus. Man isst dort, schläft dort, es gibt ein Schwimmbad und ein Fitnessstudio, eine Basketballarena und zum Lernen geht man in die Bibliothek – man muss den Campus eigentlich nicht verlassen. Es gibt viele Veranstaltungen und eins bekommt man fast immer: Essen und gratis T-shirts! Generell tragen viele Studenten das Logo der Uni auf Kleidungsstücken und das „Power C“ (spezielle Handgeste) und der Spruch „Go Mocs!“ (das Maskottchen der UTC ist ein Mockingbird) dürfen bei keinem Footballspiel der UTC fehlen. Ein wichtiger Bestandteil des amerikanischen Studentenlebens sind außerdem „Fraternities“ und „Sororities“, was auf Deutsch Bruderschaften und Schwesternschaften bedeutet. Wenn man sich entscheidet solch einer Studentenverbindung beizutreten, muss man einen monatlichen Beitrag zahlen und nimmt dafür an vielen Veranstaltungen dieser Gruppierungen teil.

Auch das Studieren an sich ist hier anders: Man muss Hausaufgaben machen, hat eine Anwesenheitspflicht, mehrere Klausuren und Quizze in jedem Fach und darüber hinaus noch unterschiedliche Projekte. Der Schwierigkeitsgrad der Fächer ist in Deutschland zwar höher, aber das Studieren hier ist deutlich aufwändiger. Mir gefällt das Prinzip ehrlich gesagt sehr gut, weil durch die ständige Wiederholung alles besser im Gedächtnis bleibt.

„Chattanooga ist auf jeden Fall einen Besuch wert!“

Ich hätte noch so viel Weiteres zu berichten aber möchte hier noch nicht zu viel verraten. Eins kann ich aber schon sagen: Chattanooga ist auf jeden Fall einen Besuch wert! Ich hoffe, die zweite Hälfte meines Aufenthalts hier wird genauso schön wie die erste und vergeht etwas langsamer. Und ich freue mich schon darauf, über all meine Ereignisse zu berichten, wenn ich wieder in Deutschland bin.

Bis dahin viele Grüße,

Sabrina