IFK-Stipendiatin Linda Krüger meldet sich von der Insel Bali, Indonesien

Zitat

Salam dari Bali! [Oder anders gesagt: Liebe Grüße aus Bali]

Mein Name ist Linda Krüger und inzwischen ist es schon zwei Monate her, dass es mich für ein Auslandssemester auf die indonesische Insel Bali verschlagen hat. Hier studiere ich derzeit an der Universitas Udayana mit dem Schwerpunkt Marketing. In den letzten zwei Monaten habe ich mich bereits sehr gut in meiner neuen Heimat eingelebt und genieße den Alltag in einer völlig anderen Kultur.

Mein Abenteuer begann am 22. August 2018 als ich in meiner neuen Wahlheimat Bali gelandet bin. Unglücklicherweise wurde ich in meiner ersten Nacht direkt von einem Erdbeben der Stärke 5.4 aus dem Schlaf gerissen. Doch trotz dieses Ereignisses entschied ich mich für den Aufenthalt auf Bali, denn die Neugierde auf die neue Kultur war einfach zu groß. Und diese Neugierde hat seit meiner Ankunft nicht nachgelassen. Da sich die balinesische Kultur deutlich von der deutschen unterscheidet, sammle ich jeden Tag viele neue Eindrücke und lerne eine ganz neue Lebensweise kennen. Täglich habe ich die Möglichkeit, neue Verhaltensweisen und Gebräuche kennenzulernen, welche sich deutlich zu meinem Leben in Deutschland unterscheiden.

„Im Alltag der Balinesen spielt die Religion eine wichtige Rolle“

Zu den wohl größten Unterschieden zwischen Deutschland und Bali gehört wohl die Wichtigkeit von Religion für die Bevölkerung. In Indonesien gehört jede Person einer Religion an und eine Religionsangehörigkeit ist sogar Voraussetzung zur Beantragung der indonesischen Staatsbürgerschaft. Und auch im Alltag spielt die Religion eine wichtige Rolle: Rund um die Uhr kann man die einheimischen Hindus bei dem Beten vor ihren kleinen Haustempeln beobachten und man kann keine fünf Meter gehen, ohne an einer Opfergabe vorbei zu laufen. Besonders interessant sind die hinduistischen Zeremonien, die regelmäßig stattfinden. Für diese tragen alle Hindus ihre traditionellen Sarongs (Bunt bedruckte Tücher, die man sich um die Hüfte bindet) und überall hört man die Klänge von Gamelan-Musik (Eine Mischung aus unterschiedlichen Blechinstrumenten; i.d.R. Klangplatten und -schalen).

Ich durfte bereits an mehreren Zeremonien teilnehmen und zusammen mit den Einheimischen zu ihren Göttern beten. Dass ich die Möglichkeit hatte, diese tolle Erfahrung zu machen, liegt nicht zuletzt daran, dass die Balinesen unbeschreiblich zuvorkommende und freundliche Personen sind, die es lieben, einen in ihre Kultur einzuweihen. Besonders wenn man ein hohes Interesse an ihrer Kultur zeigt, schätzen sie das sehr. Und gleichzeitig sind sie auch sehr interessiert an Deutschland und unserer Kultur. Im Gegenzug erzähle ich also gerne von meiner Heimat Wolfsburg und meinem Alltag in Deutschland.

„Die Balinesen benutzen für jede Strecke ihren Roller“

Doch nicht nur der Glaube unterscheidet sich von Deutschland. Auch das Stadtbild ist ein völlig anderes. Links und rechts von der Straße reiht sich ein Geschäft oder Warung (Kleines familiengeführtes Restaurant) ans nächste. Nach Fußgängerwegen sucht man hier vergeblich. Diese findet man wenn überhaupt an den größten Hauptstraßen und auch dann werden diese eher von den Rollerfahrern genutzt als von Fußgängern. Der Grund für das Nicht-Vorhandensein ist einleuchtend: Die Balinesen benutzen für jede Strecke ihren Roller. Egal, wie weit sie fahren wollen oder wie viele Personen sie mitnehmen müssen. Der Roller ist das Verkehrsmittel Nr.1 in Bali! Auch meine Mitbewohner und ich haben unsere eigenen Roller. Da es in Bali so gut wie keine öffentlichen Verkehrsmittel gibt, spielt der Roller eine essentielle Rolle, um mobil zu sein und zu den Vorlesungen an der Universität zu gelangen. Die Eingewöhnung in den Verkehr hat einige Tage gebraucht, doch inzwischen haben wir uns an den Linksverkehr inklusive Verkehrschaos gewöhnt. Verkehrsregeln gibt es so gut wie keine und am sichersten fährt man, wenn man sich an die Fahrweise der Einheimischen anpasst anstatt auf seine deutsche Fahrweise zu bestehen.

Diese Einstellung macht allgemein vieles einfacher: Ich versuche meine bisherigen Einstellungen so gut es geht in Deutschland zu lassen und mich voll und ganz auf die neue Kultur einzulassen. Dieser Einstellung sei Dank, bin ich ganz gelassen, wenn ich mal wieder eine Stunde auf mein Essen warten muss und am Ende etwas anderes bekomme, als ich bestellt habe oder wenn die Hygiene in so gut wie allen Gebäuden zu wünschen übrig lässt. Die Balinesen legen ihren Fokus im Leben schlichtweg auf andere Themen wie Familie, Freunde und Lebensfreude. Alles in dem Leben der Balinesen ist auf ein harmonisches Miteinander ausgelegt. Man lächelt seinen Gegenüber stets an, übt niemals Kritik und versucht jederzeit hilfsbereit zu sein. Die Balinesen empfangen jeden mit offenen Armen und heißen einen Willkommen! Es ist dementsprechend nicht schwer, sich hier schnell aufgehoben und heimisch zu fühlen.

Alles in allem genieße ich meine Zeit auf der Insel der Götter sehr und ich bin bereits gespannt, was die nächsten zwei Monate mit sich bringen werden. Ich freue mich auf all die Erfahrungen, die ich hier noch machen werde und bin dankbar für all die neuen Erkenntnisse, die ich hier gewinne. Eine Zeit lang im Ausland zu leben, erweitert wahrlich den eigenen Horizont und gibt einem die Möglichkeit, eine ganz neue Sichtweise auf das Leben und unsere Gesellschaft zu erlangen.

Ich freue mich bereits, all diese neuen Erkenntnisse in meinen Alltag zurück in Deutschland zu integrieren.

Bis dahin sonnige Grüße aus Bali!

Linda