- Dobry dzień, Bielsko-Biała!

Empfang im Rathaus von Bielsko-Biala_Foto Stadt Bielsko-BialaAnfang Juni besuchten 20 Wolfsburger Bürgerinnen und Bürger die polnische Stadt Bielsko-Biała. Der IFK richtete anlässlich des 20-jährigen Jubiläums der Städtepartnerschaft mit Wolfsburg eine Bürgerreise aus. Der offizielle Empfang im Rathaus war dabei nur einer von vielen Höhepunkten im Aufenthaltsprogramm.

„Wolfsburg ist eine besondere Stadt, unsere Kontakte zählen zu den intensivsten unter allen unserer Partnerstädte. Ich hoffe, dass die Hauptstadt des Beskidenlandes Ihnen gefallen wird und es nicht der letzte Besuch in unserer Stadt gewesen war“ begrüßte der stellvertretende Stadtpräsident Przemyslaw Kaminski die Wolfsburger Reisegruppe im historischen Ratssaal der Stadt Bielsko-Biała.

Empfang im Rathaus von Bielsko-Biala_Foto Stadt Bielsko-Biala

„Eine Städtepartnerschaft soll nicht nur zwischen den Rathäusern, sondern vor allem zwischen den Menschen beider Städte gelebt werden“ erwiderte Ulrich Hasenlust, Mitglied im IFK und ehemaliger Mitarbeiter im Referat Internationale Beziehungen der Stadt Wolfsburg. Mit der Reise sollen Wolfsburger Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit erhalten, die Wolfsburger Partnerstadt, ihre Region und die Menschen vor Ort kennenzulernen.

 

Mit dem Reisebus in die Partnerstadt

In einem komfortablen Reisebus des Stettiner Unternehmens Follow me! startete die sechstägige Bürgerreise am frühen Morgen in Wolfsburg. Über Berlin führte die Route bei Cottbus / Forst über die deutsch-polnische Grenze bis nach Breslau, Oppeln, Gleiwitz und Kattowitz schließlich nach Bielsko-Biała in Südpolen. Bereits an Bord bot man sich untereinander das Du an. Kurz vorm Ziel stieg Reiseleiterin Danuta Schmidt-Winnacka nach 12-stündiger Fahrt dazu. Die deutsch-sprachige Gymnasiallehrerin begleitete die Wolfsburger während des gesamten Aufenthaltes in Polen.

 

Eine Entdeckungstour durch Bielsko-Biała

Im 1897 gebauten Rathaus begann nach dem offiziellen Empfang der Reisegruppe das Aufenthaltsprogramm mit einer Stadtführung, geleitet von Historiker Piotr Kenig. Als Direktor des technischen Museums „Alte Fabrik“ führte er durch sein Haus und erläuterte die bedeutsame Historie der Textilindustrie für Bielsko-Biała, einst drittgrößtes Wollindustriezentrum Österreich-Ungarns. Über 100 Jahre lang wurden hier verschiedene Wollgewebe produziert, darunter Teppiche, Hüte sowie das berühmte „Bielitzer Tuch“.

Der Rundgang führte weiter zum römisch-katholischen Nikolausdom mit seinem 160 Meter hohen Turm, zum Polnischen Theater, zum Schloss Sulkowski mit überdachtem Innenhof sowie zum Lutherdenkmal, dem einzigen in ganz Polen. Mit einem Abstecher in die 25 Kilometer entfernte Stadt Pszczyna (Pless), einer der „schönsten Städte Polens“, und einem Rundgang zum ehemaligen Fürstenschloss mit seinem prachtvollen Park endete der erste Tag mit dem Besuch des dortigen Marktplatzes.

Bielsko-Biała liegt im südlichen Teil Polens, am Fuße der Schlesischen Beskiden am Fluss Biała, welcher durch Jahrhunderte das historische Schlesien von Kleinpolen trennte. Der Name „Biała“ bedeutet weißer Fluss und geht auf die Farbe des Flussbetts zurück. Bielsko-Biała ist keine junge Stadt, obwohl sie erst 1951 aus dem Zusammenschluss zweier alter Städte – Bielsko (Bielitz), mit dem Stadtrecht seit dem 13. Jahrhundert, und Biała, mit dem Stadtrecht seit 1723 ausgezeichnet – entstanden ist.

Die Stadt zählt circa 175.000 Einwohner und ist die Hauptstadt der Region, die seit einigen Jahrzehnten Podbeskidzie (Beskidenvorland) genannt wird. Bielsko-Biała ist das Verwaltungs-, Industrie- und Kulturzentrum der Region und wurde früher als „Stadt der 100 Industriezweige“ bezeichnet. Überwiegend mittelständige und kleine Unternehmen pflegen auch heute noch die wirtschaftlichen Traditionen der Stadt. Wirtschaftlich zählt Bielsko-Biała zu den zehn stärksten Städten Polens. Als Sitz einer staatlichen Hochschule, der Akademie für Technik und Humanwissen-schaften, und mehreren Privatschulen ist die Stadt auch ein bedeutendes akademisches Zentrum. Viele Besucher kommen vor allem der schönen Architektur wegen in die Stadt, welche auch „Klein Wien“ genannt wird.

 

Malerische Landschaften rund um die Kulturstadt

Auf dem Berg Zar_Foto Karl-Heinz Lücke

Der zweite Tag stand ganz im Zeichen der Natur. Ein Ausflug in die Beskiden führte die Wolfsburger mit der Fahrt in einer Standseilbahn auf den Berg Zar. Von 761 Metern Höhe bot sich eine malerische Aussicht, die weiten Hänge werden bevorzugt von Segel- und Gleitschirmfliegern genutzt. Der nahegelegene Miedzybrodzkie See dient als Staubecken und ergänzte für die Besucher das Bild der pittoresken Landschaft. Eine Mittagspause legten die Reisenden in der Brauerei Żywiec ein, seit über 160 Jahren einer der größten Bierproduzenten Polens.

Der Erzherzog von Habsburg gründete die Brauerei im Jahr 1856, heute wird in einem Museum in 18 Sälen auf 1600 qm die Geschichte der Brauerei erzählt, die inzwischen zum Heineken Konzern gehört. Nach einer Führung mit anschließender Kostprobe rastete die Gruppe in der alten Brauereigaststätte mit historischem Flair, bevor es zurück in die Partnerstadt ging. Auch als Kulturstadt genießt Bielsko-Biała einen hervorragenden Ruf. So finden hier jährlich das Festival polnischer Komponisten, das internationale Festival der Orgelmusik, der Bielitzer Jazzherbst und ein bedeutendes internationales Puppentheaterfestival statt. Lolek und Bolek, die Hauptfiguren der Zeichentrickfilme, stammen von hier.

Am Abend besuchten die Wolfsburger Gäste das jährlich stattfindende Städtepartnerschaftsfestival mit dem sehr passenden Motto „Lernen wir uns kennen!“ auf dem Alten Markt in Bielsko-Biała. Hier präsentieren sich jedes Jahr Musik- und Tanzgruppen aus den Partnerstädten. Die Reisegruppe genoss die rustikale polnische Küche gemeinsam mit den anderen internationalen Gästen in einem für die Region typischen Landgasthaus.

 

Freundschaft, Frieden und Freiheit – Europas Güter

Festakt zum 20-jährigen Jubiläum der Partnerschaft Wolfsburg mit Bielsko-Biala im Konzertsaal der Musikschule_Foto Karl-Heinz Lücke

Zum besonderen Anlass des 20-jährigen Jubiläums der Städtepartnerschaft gaben Schülerinnen und Schüler der Musikschulen aus Wolfsburg und Bielsko-Biała ein gemeinsames Harfenkonzert im neu eröffneten Saal der Musikschule. Anlässlich des Jubiläums war auch eine offizielle Delegation um Oberbürgermeister Klaus Mohrs zum Festakt anwesend. Wolfsburgs Oberhaupt hieß auch die Bürgerreisenden des IFK willkommen und hob die Partnerschaft zwischen Bielsko-Biała und Wolfsburg als gutes Beispiel für Europa hervor.

Dieser Gedanke begleitete die Wolfsburger Reisegruppe auf ihrer Fahrt zur Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau, dem größten Vernichtungslager in der Geschichte der Menschheit. In den 1940er Jahren errichtet, wurden hier 1,5 Millionen Menschen aus 48 Nationen, darunter 90 % Juden, ermordet. Diese unvorstellbaren Dimensionen und unbegreiflichen Geschehnisse waren für die Teilnehmer auch nach einer dreistündigen Führung nicht fassbar. Nach diesem Besuch erlangten Werte wie Frieden, Freiheit und Freundschaft unter den Völkern in den Gedanken der Reisenden eine grundlegend unabdingbare Bedeutung.

 

Ein Ausflug in die ehemalige Kulturhauptstadt Krakau

Nach den beeindruckenden Tagen in Bielsko-Biała hieß es für die Wolfsburger zunächst Abschied nehmen von alten Bekannten und neuen Freunden. Doch vor der finalen Rückreise verbrachte die Reisegruppe noch einen Tag in Krakau. Die an der Weichsel gelegene Stadt ist die Wiege polnischer Kultur. Krakau ist ehemalige Hautstadt des Landes mit einer Vielzahl an historischen Denkmälern, ein wichtiges Kultur-, Wissenschafts- und Politikzentrum. Sie zählt zu den schönsten europäischen Städten und war im Jahr 2000 Kulturhauptstadt Europas.

Folglich gab es während der ganztägigen Stadtführung viel zu sehen für die Wolfsburger Besucher: die Krakauer Altstadt, das jüdische Viertel Kazimierz und die gotische Marienkirche, eines der städtischen Wahrzeichen. Mit dem monumentalen Marienaltar im Innern schuf der Nürnberger Bildschnitzermeister Veit Stoß sein Lebenswerk. Beeindruckend war die Besichtigung der ruhmreichen alten Königsburg Wawel, ein Rundgang führte durch die Kathedrale zu den Gräbern polnischer Könige und anderer Persönlichkeiten. Als umstrittener ehemaliger Regierungschef liegt hier auch  Lech Aleksander Kaczyński begraben, von 2005 bis zu seinem Tod durch den Flugzeugabsturz am 10. April 2010 bei Smolensk vierter Präsident der Polnischen Republik. Nach insgesamt fünf Tagen Aufenthalt in Polen trat der Reisebus am sechsten Tag wieder die Rückfahrt nach Wolfsburg an.

 

20 Jahre Partnerschaft

Der Partnerschaftsvertrag zwischen den Städten Bielsko-Biała und Wolfsburg wurde am 27. Mai 1998 in Wolfsburg unterschrieben. Die ersten Begegnungen fanden allerdings bereits im Jahre 1989 statt. Die Verbindung mit Bielsko-Biała hatte die Deutsch-Polnische-Gesellschaft Wolfsburg geknüpft, deren Vorsitzender Horst Weiß gemeinsam mit seiner Ehefrau Gisela ein starker Motor beim Zustandekommen der Partnerschaft war. Aber auch für die weitere Entwicklung der Verbindungen zwischen Bielsko-Biała und Wolfsburg hat das Ehepaar Weiß aufgrund ihres stetigen Engagements für die Städtepartnerschaft großen Anteil, Horst Weiß ist heute Ehrenbürger von Bielsko-Biała. Zwischen den beiden Städten besteht eine Vielzahl an Verbindungen in den Bereichen Schule, Jugend, Kultur, Sport, Soziales, Feuerwehr, und Polizei. Das Projekt der Gedenkstättenarbeit von Volkswagen im ehemaligen Konzentrations-lager Auschwitz zählt ebenfalls zu den wichtigsten Begegnungen zwischen den beiden Städten. In diesem Jahr nehmen wieder polnische Läufer am Wolfsburg Marathon im September teil, inzwischen eine langjährige Tradition des gegenseitigen Austausches. Anlässlich des diesjährigen Partnerschaftsjubiläums reiste auch eine offizielle Delegation um Oberbürgermeister Klaus Mohrs nach Polen, wo sie unter anderem beim Partnerschaftsfestival sowie dem Festkonzert mit Wolfsburger Musikschülern auf die Wolfsburger Bürgerreisenden in Bielsko-Biała traf.

Partnerstädte Bielsko-Bialas, Stele vorm Rathaus_ Foto Klaus Hoppe

 

Dank für die gute Zusammenarbeit

Ein großes Dankeschön richtet der IFK an Ulrich Hasenlust, der sich für die ehrenamtliche Begleitung der Reisegruppe im Vorfeld bereit erklärt hatte. Bereits 2016 leitete er eine Bürgerreise, damals nach Russland in die dortige Partnerstadt Togliatti. Ein weiterer Dank gilt den beiden Reisebüros Polan Travel in Bielsko-Biała und dem DERPART Reisebüro in Wolfsburg sowie Bozena Hlousek von der Stadt Bielsko-Biała für die Planung des Aufenthaltsprogramms und die organisatorische Unterstützung. Denn Für einen gemeinnützigen Verein wie dem IFK sind professionelle Partner unverzichtbar. „Mir hat die Reise super gefallen. Wir hatten auch einen sehr guten Reiseleiter mit Herrn Hasenlust. Ich habe viel gesehen und würde auch zu jeder Zeit wieder eine Reise mit dem IFK mitmachen“, ist sich IFK-Mitglied und Mitreisende Brunhilde Keiser sicher. Selbstverständlich bedanken wir uns auch bei den Reiseteilnehmern für die Zusendung der vielen Fotos, die wir in diesem Bericht verwenden dürfen.

 

Wohin als nächstes?

Nach den Reisen im Jahr 2012 in die italienische Partnerprovinz Pesaro-Urbino sowie 2016 ins russische Togliatti war die Reise nach Bielsko-Biała die dritte durch den IFK organisierte Bürgerreise. „Anlass für unsere Reisen sind Jubiläen mit unseren insgesamt 15 Partner- und Freundschaftsstädten“, erklärt Manfred Hüller, Präsidiumsmitglied im IFK und Leiter des Referates Repräsentation, Internationale Beziehungen der Stadt Wolfsburg.

Wir sind gespannt, wohin die nächste Bürgerreise führt…