- IFK Neujahrsempfang – Prof. Dr. Norbert Lammert sprach über Europa

Zum 12. Neujahrsempfang des IFK in der Autostadt sprach Bundestagspräsident a. D. Prof. Dr. Norbert Lammert vor vielen Gästen über Europas Herausforderungen und Chancen in Zeiten des Wandels.

Zum 12. Mal lud der Internationale Freundeskreis bereits zum Jahresauftakt und ist damit Stammgast in der Autostadt. Trotz stürmischen Wetters fanden über 270 Gäste den Weg in den Kinosaal um dem Vortrag des diesjährigen Gastredners und Bundestagspräsidenten a. D. Prof. Dr. Norbert Lammert zum Thema „In Zeiten des Wandels – Chancen und Herausforderungen für Deutschland und Europa“ zu folgen.

Zu Beginn stellte sich Roland Clement als neuer Vorsitzender der Autostadt-Geschäftsführung dem Publikum vor und freute sich über seine erste persönliche Teilnahme an der Traditionsveranstaltung.

IFK-Präsidentin Elisabeth Pötsch dankte in ihrer Ansprache den über 400 Mitgliedern des Vereins für ihr Engagement und ihre Unterstützung. Sie betonte, es sei „der direkte Kontakt zwischen Menschen, der manches kritische Vorurteil nach und nach in ein gegenseitiges Verständnis umwandeln kann.“ Diese Begegnungen zu ermöglichen und damit den Dialog zwischen Menschen unterschiedlicher Nationalitäten und Kulturen zu fördern, ist das Ziel des IFK.

Mit seinem sympathischen Bekenntnis „Ich mag Neujahrsempfänge“, leitete Prof. Dr. Norbert Lammert seinen Gastvortrag ein. Seiner Ansicht nach stünden diese Veranstaltungsformate unter dem Motto Bilanz und Perspektiven, die zu ziehen es sich lohne. Wobei er herausstellte, dass „nicht jede Veränderung eine Innovation und nicht jede Innovation auch eine Errungenschaft“ sei.

Im Rückblick auf das Jahr 2017 nannte er Ereignisse wie die Wahl von Donald Trump zum 45. US-Präsidenten, die Parlamentswahl in den Niederlanden, die Präsidentschafts-wahl in Frankreich, das Referendum in der Türkei, die Landtagswahlen sowie die Bundestagswahl. Dabei übte er deutliche, wenn auch indirekte Kritik am Aufstieg populistisch-nationalistisch geprägter Parteien und Politiker.

Besondere Ereignisse im neuen Jahr werden Jubiläen und Gedenktage wie das Ende des 1. Weltkrieges vor 100 Jahren, das Gedenken der Opfer der Progromnacht im Jahr 1938 oder der 60. Jahrestag des Inkrafttretens der Römischen Verträge sein. Vor diesem Hintergrund dieser bedeutenden Ereignisse unterstrich Prof. Lammert, wie wichtig die Historie des europäischen Entwicklungsprozesses bis zum heutigen Tag und in der weiteren Zukunft sein wird.

Der promovierte Sozialwissenschaftler verstand es, in seinen Ausführungen dem konzentrierten Publikum mit einem gewissen Humor komplexe Themen zu vermitteln: So verwundere ihn beispielsweise die Fassungslosigkeit der Mehrheit deutscher Wählerinnen und Wähler über das Ergebnis der Bundestagswahl, hätten sie diese Situation doch selbst herbeigeführt.

Ebenso widersprüchlich empfinde er das Verhalten einiger Bürgerinnen und Bürger, die mit großer Bereitschaft íhren Alltag in den sozialen Medien veröffentlichen und den gleichzeitigen Ruf nach mehr staatlichem Schutz der Privatsphäre.

Für die Zukunft gab der Bundestagspräsident a. D. Aussicht auf die sich weiter fortschreibenden großen Themen der Globalisierung und Digitalisierung, die er miteinander untrennbar verbunden als „siamesische Zwillinge“ bezeichnete und welche alle Lebensbereiche auf bisher unvergleichbare Art und Weise revolutionierten. In diesem Zusammenhang verdeutlichte Prof. Lammert das Verhältnis Europas zum Rest der globalisierten Welt: Mit 500 Millionen Einwohnern hat Europa einen Anteil von 7% an der gesamten Erdbevölkerung, Tendenz fallend. Diese Relationen fehlten seiner Einschätzung nach im Bewusstsein der Öffentlichkeit und seien Nährboden für Ansichten mit „simplen, nationalen Antworten auf komplexe, globale Fragen“.

Prof. Lammert mündete in einem Plädoyer für Europa, dessen Struktur des Staatenverbundes er als „die intelligenteste Antwort auf die Herausforderungen unserer Zeit“ bezeichnete und endete mit einem Zitat des ehemaligen Präsidenten der Tschechischen Republik, Václav Havel: „Solange wir um die Freiheit kämpfen mussten, kannten wir unser Ziel. Jetzt haben wir die Freiheit und wissen gar nicht mehr so genau, was wir wollen.“

Die sich anschließenden Fragen der Gäste zeugten von einem aufmerksamen Publikum. Als Dankeschön für seine beeindruckenden Ausführungen überreichte Oberbürgermeister und IFK-Kuratoriums-vorsitzender Klaus Mohrs dem Referenten eine Wolfsburg Saga. Bei Gesprächen fand der Neujahrsempfang des IFK schließlich einen anregenden Ausklang.

Wir bedanken uns für die großzügige Unterstützung der Autostadt.

Fotos: Matthias Leitzke & Tim Hondke