- IFK unterstützt französischen Schüleraustausch

Bereits zum dritten Mal besuchten französische Schüler aus Rennes im Rahmen eines Austausches das Ratsgymnasium in Wolfsburg. Der IFK unterstützte das Aufenthaltsprogramm der Gruppe mit einem Besuch der Autostadt sowie einer Werktour.

In der zweiten Dezemberwoche waren insgesamt 26 Schülerinnen und Schüler aus der französischen Stadt Rennes in Wolfsburg zu Gast. Sie nahmen bereits am dritten Austausch zwischen dem Ratsgymnasium und der französischen Partnerschule  „Collège la Blinquenais“ teil. Die ausländischen SchülerInnen waren in Gastfamilienn die französischen Lehrkräfte bei ihren deutschen Kolleginnen untergebracht. Die SchülerInnen haben in den Gastfamilien nicht nur die Möglichkeit ihre Sprachkompetenzen zu fördern sondern lernen auf diese Weise auch die Kultur des anderen Landes kennen.

Der IFK unterstützte das Aufenthaltsprogramm mit einem Besuch der Autostadt sowie einer Werktour bei Volkswagen. Zudem nahmen die Schüler an einer Stadtrallye teil und besuchten die Gedenkstätte Marienborn, Berlin und den Harz. Am 13. Dezember 2017 wurden die französischen Gäste gemeinsam mit ihren deutschen Gastgebern im Rathaus des Stadt Wolfsburg von Bürgermeister Ingolf Viereck empfangen und begrüßt.

Schulpartnerschaften nehmen eine ganz wesentliche Rolle in der internationalen Vernetzung ein, sie halten die Beziehung zwischen den beteiligten Städten aktiv und fördern Begegnungen und Verständigung unter den Jugendlichen. Die gegenseitigen Besuche bauen Vorurteile ab und erweitern den persönlichen Horizont der Teilnehmer. Dieses Ziel möchte der IFK mit seiner finanziellen Bezuschussung unterstützen.

Zentrales Thema für die aktuelle Begegnung ist das Projekt „Citoyenneté, Mobilité et Frontières – des Défis pour l’Europe“, auf Deutsch „Staatsbürgerschaft, Mobilität und Grenzen – Herausforderungen für Europa“. Ein Einblick in die jüngere deutsche Geschichte mit einem Schwerpunkt auf die Teilung führt vor Augen, welche Konsequenzen die Trennung eines Landes, bzw. von Familien und Freunden, haben kann. Ein Expertenvortrag in Wolfsburg zum Aufbau der Grenze, dem Leben in einer grenznahen Region, den persönlichen Erlebnissen und Kontakten nach der Wiedervereinigung lieferte den notwendigen Input. Ein Besuch des Grenzmuseums in Marienborn und historischer Stätten in Berlin – inklusive Tränenpalast – ermöglichte Einblicke in die Vergangenheit und die Auseinandersetzung mit dem Thema der Trennung (und auch Wiedervereinigung). Im Januar 2018 werden die französischen Partner ihre Ergebnisse an die deutsche Partner übermitteln, die die deutschen Schüler begutachten werden und als Basis verwenden für die Weiterentwicklung des Projektes im Frühjahr 2018 beim Gegenbesuch in Rennes. Dort soll dann der Schwerpunkt auf die Ausgestaltung der Unionsbürgerschaft sowie mögliche Gefahren von Innen und Außen gelegt werden.

Abschließendes Ziel des Projektes soll die Erkenntnis der Bedeutung und das Bekenntnis zur europäischen Identität sein. Die Schülerinnen und Schüler auf beiden Seiten des Rheins sollen sich darüber klar werden, dass die aktive Auseinandersetzung und die praktische Umsetzung der Unionsbürgerschaft überaus wichtig sind für die Zukunft, in der die EU auch in Anbetracht zunehmender nationalistischer Tendenzen vom weiteren Zerfall bedroht ist. Die Vielfalt der ethnischen Hintergründe der Teilnehmer aus beiden Ländern soll hier als Chance genutzt werden, den europäischen Gedanken zu erfahren und zu begreifen.

Svea Oehring, Studiendirektorin am Ratsgymnasium Wolfsburg, ist die Ansprechpartnerin auf deutscher Seite. Gemeinsam mit ihrer französischen Kollegin Catherine Buhagiar verfasste sie folgenden Bericht über die ersten Projekterfolge:

 

Staatsbürgerschaft, Mobilität, Grenzen: Herausforderungen für Europa

Auch wenn die europäische Staatsbürgerschaft unser Hauptthema bleibt, haben wir in diesem Jahr unsere Problemstellung erweitert in Richtung Mobilität und Grenzen, um stärker an die europäische und internationale Aktualität anzubinden. Der Kalte Krieg, die deutsche-deutsche Grenze und die Wiedervereinigung haben uns als Leitfaden gedient. Die Ausflüge, die in Deutschland während des Aufenthaltes organisiert wurden, haben den Schülern die Freizügigkeit der Europäer bewusst werden lassen, welche nicht immer selbstverständlich war. Das von den Alliierten besetzte Deutschland hat eine brutale Trennung seiner Gebiete erfahren, 40 Jahre lang getrennt durch eine unüberwindbare Grenze zwischen zwei Staaten und zwei Ideologien.

Die Schüler haben den Grenzübergang Marienborn unweit von Wolfsburg besichtigt. Zeitzeugen haben ihnen eine echte Geschichtsstunde gegeben, die im Laufe der Besichtigung der Gedenkstätte immer konkreter geworden ist. Den Schülern wurde bewusst, welchen strikten Ausreise- und Einreisekontrollen Deutsche beider Seiten in dem Zeitraum zwischen 1950 und 1989 durchlaufen mussten.

Die Besichtigung des Tränenpalastes in Berlin an der Friedrichstraße hat die Atmosphäre dieser Epoche gut eingefangen. Berlin mit seinen vier Sektoren wurde zum Symbol dieser Trennung und der Grenzübergang Friedrichstraße kondensiert all die Schwierigkeiten der Mobilität in dem genannten Zeitraum. Einige Anekdoten gestatteten es den Schülern, die schmerzhaften Ereignisse zu relativieren. Die Trennung zwischen Ost- und West-Berlin zeigt sich hier in seiner ganzen Dimension.

Das Thema der Trennung Deutschlands zeigt auf, dass Europa sich immer schon Herausforderungen ausgesetzt sah. Es bietet einen Ansatzpunkt um aktuelle Problematiken besser zu erfassen und zu analysieren: die Flüchtlingskrise, die Rückbesinnung auf das eigene Volk und den wachsenden Nationalismus. Auch wenn andere Faktoren wie die Globalisierung, der Terrorismus und Wanderbewegungen teilweise die Rückkehr zu Grenzen erklären mögen, so zeigt die Geschichte den Schülern, dass diese Herausforderungen keinesfalls neu sind. Eine Parallele zwischen heutigen und vergangenen Herausforderungen ist offenbar.

Ein Geschichtslehrer des Ratsgymnasiums hielt ein Referat zum Kalten Krieg, eine Präsentation, die unsere Thematik sehr gut illustrierte. Vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis zur Wiedervereinigung, von der Blockbildung des Eisernen Vorhangs bis zur EU-Erweiterung: Spannungen und Entspannung in Deutschland und Europa wurden herausgearbeitet. Es wurde auf den französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron hingewiesen, dem der Karlspreis für sein europäisches Engagement verliehen wird. Abschließend wurden die Schüler eingeladen, sich über die Zukunft dieses Europas Gedanken zu machen, denn sie, als Bürger Europas, bilden seinen integralen Bestandteil.

Es wird aktuell darüber diskutiert, ob eine Institution zur Verteidigung Europas eingeführt werden soll, mit dem Ziel einer gemeinsamen Abwehr internationaler Konflikte. Die Idee des Austauschs zwischen Deutschland und Frankreich, den beiden Motoren Europas, war noch nie so fundamental notwendig wie heute um dem übersteigerten Nationalismus zu begegnen. Die deutsch-französische Freundschaft muss weiterhin im Vordergrund stehen. Dieses Paar, 1963 geboren, soll das Symbol des Friedens  und der Toleranz bleiben und als Modell für andere europäische Länder dienen. Meine Kollegin und ich arbeiten in diesem Sinne.

Wir danken all denjenigen, nah und fern, die zu unserer Partnerschaft beigetragen haben, die nun im dritten Jahr besteht. Unser besonderer Dank gilt den Eltern, die sich neben uns engagieren, uns vielfältig unterstützen und uns Vertrauen entgegen bringen.

Catherine BUHAGIAR et Svea OEHRING

 

Weitere Informationen erhalten Sie hier auf der Homepage des Ratsgymnasiums Wolfsburg.