Angelika Dettling studiert an der Vancouver Island University in Kanada

Zitat

IFK-Stipendiatin Angelika Dettling verbringt im Rahmen ihres BWL-Studiums an der Ostfalia Hochschule das Wintersemester 2017/18 an der Vancouver Island University in Nanaimo. Hier schreibt sie über ihre Eindrücke:

Nach über vier Monaten ist mein Auslandssemester nun leider schon vorbei und ich kann auf vier wundervolle Monate in Kanada zurückblicken. Die Zeit nach meinem letzten Bericht ist nur so wie im Flug vergangen und ich kann es kaum fassen, dass nun schon die letzten Klausuren geschrieben und die letzten Aufgaben abgegeben sind.

In der zweiten Hälfte meines Auslandssemesters habe ich die Kälte Kanadas kennengelernt. Während es auf Vancouver Island nicht viel kälter als in Deutschland ist, kann es auf dem kanadischen Festland sehr kalt werden. An einem Wochenende habe ich gemeinsam mit anderen internationalen Studenten einen Ausflug auf dem Festland zum Lake Garibaldi gemacht. Um zu dem wunderschönen Lake Garibaldi zu kommen, musste wir eine 18 Kilometer lange Wanderung machen.

Als wir an dem See angekommen waren, waren wir sehr beeindruckt von der Schönheit von diesem riesigen türkisblauen See, allerdings haben wir trotz mehrerer Schichten Kleidung so sehr gefroren, dass wir nach nur drei Minuten an dem See sofort wieder zurückgegangen sind. Nach der Wanderung waren wir fünf uns alle ganz sicher, dass wir am Lake Garibaldi den bisher kältesten Moment in unserem Leben miteinander erlebt haben.

Die Kälte hat aber auch ihre Vorteile und so hatte ich die Möglichkeit auf Vancouver Island und dann am Ende des Semesters in Whistler Ski fahren zu gehen. Für mich ist ein echter Traum in Erfüllung gegangen, als ich in Whistler Ski fahren war. Überall wurde ich an die Olympischen Winterspiele erinnert, die 2010 in Kanada stattgefunden haben. An mehreren Stellen im Skigebiet in Whistler sind olympische Ringe als Erinnerung aufgestellt wurden.

Anders als die meisten vermuten ist nicht Vancouver die Hauptstadt British Columbias, sondern die Stadt Victoria auf Vancouver Island. Im November habe ich einen Tagesausflug nach Victoria gemacht und das Royal British Columbia Museum besichtigt. Besonders interessant fand ich, wie hier versucht wird, die Geschichte der Ureinwohner Westkanadas aufzuarbeiten. In dem Museum gab es eine Ausstellung zu den Ureinwohnern Kanadas und ihren ursprünglichen Sprachen. Heute gibt es leider kaum noch Menschen in Kanada, die die 34 Sprachen der Ureinwohner sprechen, weshalb diese Sprachen sich leider in einem sehr kritischen Zustand befinden.

Auch an der VIU habe ich häufig gemerkt, wie versucht wird, die Geschichte der Ureinwohner in Kanada aufzuarbeiten. Zum Beispiel bekommen Studenten an der VIU am Anfang des Semesters immer eine Course Outline ausgeteilt, die alle Inhalte und ein Ablaufplan des Kurses darstellt. In jeder dieser Course Outlines war der folgende Satz zu finden:

Vancouver Island University acknowledges and thanks the Coast Salish nations of the Snuneymvuxw, Tla’Amin, Snaw-Naw-As and Cowichan for allowing us to teach, learn, live and share educational experiences on the traditional territories of these nations.

Außerdem müssen Nachfahren der Ureinwohner an der VIU keine Studiengebühren bezahlen und es wurde ein extra Gebäude errichtet, wo es regelmäßige Treffen für Nachfahren der Ureinwohner und andere Interessierte gab. Häufig kann man in British Columbia sogenannte Totem Poles finden, die an die Natureinwohner erinnern.

Es gibt unterschiedliche Arten von Totem Poles, die von den Ureinwohnern gestaltet wurden. Sie können zum Beispiel eine Geschichte erzählen oder einen Charakter darstellen. Die Bedeutung und die Gestaltung der Totem Poles ist abhängig vom Stamm und der Region. Auch auf dem Gelände der VIU wurde aus Respekt gegenüber der Ureinwohner Totem Poles aufgestellt.

Ich bin sehr froh, dass ich mich dafür entschieden habe ein Auslandssemester in Kanada zu machen und werde meine Zeit in Kanada nie vergessen. Das Land ist wunderschön und die Menschen sehr offen und aufgeschlossen. Während des Auslandssemesters habe ich viel über mich selber gelernt und auch erfahren, was besonders an unserer eigenen deutschen Kultur ist.

Außerdem habe ich nochmal gemerkt, wie wichtig es ist, sich mit kulturellen Unterschieden auseinanderzusetzen und kulturelle Unterschiede zu respektieren. Mit meinen Mitbewohnern werde ich auf jeden Fall versuchen in Kontakt zu bleiben und hoffentlich wird sich für uns die Möglichkeit ergeben, uns alle noch einmal wiederzusehen.

 

Angelika Dettling

 

Lesen Sie auf Seite 2 den ersten Bericht von Angelika Dettling:

Laura Wehner studiert BWL an der Nelson Mandela University in Port Elizabeth, Südafrika

Zitat

Südafrika ist ein beliebtes Ziel unter den IFK-Stipendiaten. Auch Laura Wehner studiert an der Nelson Mandela Metropolitan University in Port Elizabeth. Hier schreibt Sie über ihre Erlebnisse und Eindrücke vom anderen Ende der Welt:

Während meines Auslandssemesters in Port Elizabeth und auf meinen Reisen durch das Land habe ich zahlreiche Facetten des Landes kennengelernt. Dabei ist mir auch nicht entgangen, dass die Geschichte des Landes ihre Spuren hinterlassen hat. Die Auswirkungen der Apartheid sind heute noch deutlich zu spüren. Eine der gravierendsten und für neue Besucher bereits am Anfang deutlich auszumachende Auswirkung der Apartheid sind die Townships. Durch den Group Areas Act von 1950 wurde das Zusammenleben von Menschen mit verschiedenen Hautfarben in Nachbarschaften und Stadtviertel praktisch überall verboten. Schwarze und „Farbige“ wurden zwangsumgesiedelt in die Townships. Dies spiegelt sich auch heute vieler Orts noch in ethnisch stark unterschiedlichen Stadtteilen wider.

Das Bekannteste Township ist wohl Soweto, das South Western Township in Johannesburg. In Port Elizabeth ist das Walmer Township eines der ersten Gegenden die man erspäht, da es direkt an den Flughafen grenzt. Einige dieser Townships haben sich in den 23 Jahren seit Ende der Apartheid zu Wohnvierteln der gehobenen Mittelklasse entwickelt. Diese Tatsache überraschte mich, da ich das Wort Township zuvor nur mit schlechten Lebensbedingungen assoziiert habe.

Informelle Siedlungen gibt es aber auch noch immer, dort leben die Menschen in Wellblechhütten ohne Zugang zu Strom und fließendem Wasser. Anhand der sich so stark voneinander unterschiedenen Lebensumstände der Menschen wird die große Schere zwischen Arm und Reich einmal mehr deutlich. Südafrika ist Industrienation und Entwicklungsland zu gleich.

Auch wirtschaftlich gibt es noch immer große Unterschiede zwischen den Bevölkerungsgruppen. Der Großteil der Ladenbesitzer und Vorgesetzten ist auch heute noch weiß. Viele schwarze Kommilitonen haben von Vorurteilen berichtet, mit denen Sie besonders im Arbeitsleben zu kämpfen haben. Das Problem wird verschlimmert durch die großen Qualitätsunterschiede in der Bildung. Öffentliche Schulen haben einen schlechten Ruf, wer es sich leisten kann, schickt seine Kinder auf eine Privatschule.

Studiengebühren waren während meines Auslandssemesters immer wieder Gegenstand lebhafter Diskussionen. Im letzten Jahr gab es an Universitäten im ganzen Land Aufstände gegen eine Erhöhung der Studiengebühren, die Hochschulen blieben wochenlang geschlossen. Auch wenn es seitdem keine Erhöhungen mehr gegeben hat, sind die Studiengebühren für viele deutlich zu hoch. Viele Studenten sind auf Stipendien angewiesen. Wir haben immer wieder Menschen getroffen, die gezwungen waren ihr Studium abzubrechen, weil ihr Stipendium weggefallen ist. In vielen Familien ist es Praxis, nur das älteste Kind auf die Universität zu schicken, damit es später die Familie unterstützen kann.

Das Viertel Maboneng ist mit seinen vielen Cafés und Kunstgalerien ein gelungenes Beispiel städtischer Erneuerung in Johannesburg (2 Bilder oben).

Trotz all dieser Probleme die noch bestehen, versprüht der Großteil der Bevölkerung Optimismus und einen Glauben an eine positive Zukunft. Das Land, das Nobelpreisträger Desmond Tutu als „Rainbow Nation“ bezeichnet hat, versucht sich gemeinsam weiterzuentwickeln. Die Menschen stehen für ihre Nachbarn ein und die Frage, wie man etwas Positives für die „Community“ bewegen kann, kommt immer wieder auf. Die Lebensphilosophie des Landes lautet „Ubuntu“, ein Wort aus den Bantusprachen Zulu und Xhosa, das so viel wie „Nächstenliebe“ bedeutet. Der Ausdruck unterstreicht die Wichtigkeit gegenseitigen Respekts und drückt aus, dass man Teil eines großen Ganzen ist. Er wird immer wieder zitiert und wirkt wie das Motto der Nation.

Auch aus diesem Grund gibt es in Südafrika diverse Hilfsprojekte und gemeinnützige Organisationen, die versuchen die Probleme zu bekämpfen. Die Nelson Mandela University bietet für Austauschstudierende einen Kurs an, bei dem Studenten die Möglichkeit haben einen Nachmittag in der Woche bei einer solchen Organisation mitzuhelfen. Es soll den Studenten ermöglichen, mit der weniger entwickelten Seite des Landes in Kontakt zu kommen und so Erfahrungen zu sammeln und die eigene Sichtweise auf das Land verändern. Ich habe mich entschieden, das Projekt „Zanethemba“ zu besuchen und zu unterstützen. Es handelt sich dabei um ein Übergangsheim für Kinder bis zu sechs Jahren, die von ihren Eltern getrennt werden mussten. Sie bleiben in dem Heim, bis eine langfristige Lösung für sie gefunden werden konnte. Das ie kann eine Adoption oder die Übertragung des Sorgerechts auf ein anderes Familienmitglied sein.

Ich habe die Pflegekräfte in ihrem Alltag unterstützt und dabei viel über sie und Erziehung in Südafrika gelernt. Ich habe vorher nur sehr selten etwas mit Kleinkindern zu tun gehabt und es war schön mit ihnen Zeit zu verbringen und mit ihnen zu spielen. Die Probleme, wie z.B. Unterernährung, mit denen ich dabei in Kontakt gekommen bin, haben mir viel Stoff zum Nachdenken geben. Gleichzeitig war ich immer wieder beeindruckt von der positive Einstellung der Freiwilligen und der Pflegekräfte.

Viele Grüße

Laura Wehner

 

Lesen Sie auf der zweiten Seite den ersten Bericht von Laura Wehner: