- Lena Lazinka studiert BWL auf Bali

Selamat siang aus Indonesien,

Gruppenbild von unserer Welcome Ceremony in der Unigenauer gesagt aus Bali, denn diese Insel darf ich momentan mein Zuhause nennen. Mein Name ist Lena Lazinka (im Bild 3. v. r.) und im Zuge meines BWL-Studiums verbringe ich ein Semester an der Universitas Udayana auf Bali. Meine Midterms sind vorüber, das heißt Halbzeit und ein guter Anlass von meinen bisherigen Erlebnissen zu berichten.

Mein Abenteuer begann am 25. August 2017. In meinem Flieger saßen größtenteils Pauschaltouristen, doch für mich sollte es kein Urlaub werden, sondern mein neues Zuhause für die nächsten vier Monate. Der Start war dann allerdings doch etwas anders als erwartet. Das Haus, das ich mir mit fünf weiteren Mitbewohnerinnen teile, habe ich auf Balis ruhiger südlichen Halbinsel fernab von touristischen Pfaden gewählt.

Und so führte das eine zum anderen und wir konnten am ersten Abend das Haus nicht mehr verlassen, da wir keinen Roller hatten und uns die Dunkelheit und die bellenden Straßenhunde zu sehr einschüchterten. Doch mittlerweile wissen wir mit den Hunden umzugehen und haben auch unsere Tricks, die Kuhherde, die unsere Einfahrt regelmäßig blockiert, zu vertreiben. Für mich ist es die beste Entscheidung gewesen, unter Einheimischen zu wohnen und nicht nur das „Paradies Bali“ kennenzulernen. Denn einerseits habe ich ein Zimmer mit Meerblick und andererseits sehe ich dunkle Rauchschwaden von verbrennendem Müll.

 

Ausblick beim Aufstieg des Vulkans Mount Batur zum Sonnenaufgang

 

Bali – Island of gods

Diesen Namen hat sich Bali redlich verdient, denn ca. 85% der Balinesen sind Hindus und dies ist überall zu spüren. Ich kann keine 10 Meter laufen ohne eine Opfergabe umgehen zu müssen und überall gibt es Tempel – ganz kleine Haustempel oder große Tempelanlagen – in den schönsten Locations wie beispielsweise dem Uluwatu Tempel, der an einer Steilklippe gelegen ist. Der Alltag auf Bali ist geprägt von Ritualen und es duftet überall nach Räucherstäbchen. Zudem gibt es viele Feiertage, an denen große Familienfeiern und Zeremonien stattfinden. Ganz Bali ist zu diesen Festen mit selbstgemachten Girlanden und Opferschälchen aus Bananenblättern geschmückt. Der ausgeprägte Glaube aller Generationen auf Bali ist für mich einer der größten Unterschiede zu unserer deutschen Kultur – hier wird der Glaube nicht hinterfragt, sondern das balinesische Leben wird dahingehend ausgerichtet, die Götter zufrieden zu stellen.

Ein weiterer Unterschied ist das Zeitempfinden der Balinesen. Ganz nach dem Motto „Komme ich heute nicht, komme ich morgen“ werden Termine nur selten eingehalten. Diese Erfahrung durfte ich schon an einem meiner ersten Tage machen, an dem ich wie verabredet um 11 Uhr am Tor stand, um meinen Roller in Empfang zu nehmen. Im Endeffekt hat mein Rollervermieter Made diesen aber erst um 19 Uhr geliefert. Seine Herzlichkeit und die Entschuldigung „The traffic, you know?“, über die ich nur lachen konnte, haben aber alles wieder gut gemacht. Made ist übrigens ein Name, den man auf Bali ständig hört. Denn auf Bali erfolgt die Namensgebung nach der Reihenfolge der Geburt. Es sind Namen für vier Kinder vorgesehen, falls mehr Kinder geboren werden, geht es wieder von vorne los (bei Made handelt es sich um den zweitgeborenen). Bei Männern wird ein I vor den Namen gesetzt, bei den Frauen ist es ein Ni.

Meine dänische Mitbewohnerin und ich im Cultural Park

Eine andere Sache, an die ich mich gewöhnen musste, war der Verkehr. Unsere ersten Versuche auch mal etwas zu Fuß zu erledigen sind direkt gescheitert und ich bin seitdem eigentlich nur auf meinem Roller unterwegs. Roller sind hier das Verkehrsmittel Nummer eins, denn wenn die Straßen mal wieder verstopft sind, kann man mit dem Roller einfach den Fußweg benutzen (dieser gilt inoffiziell als Rollerstraße, denn Fußgänger sind rar) oder sich durch den Verkehr schlängeln. Die Einheimischen nutzen den Roller als Familienwagen (5 Personen auf einem Scooter sind keine Seltenheit), als Transportmittel für alles Erdenkliche, als fahrbares Restaurant oder als Verkaufsstand. Obwohl ich mich sehr schnell ans Fahren im geordneten Chaos gewöhnt habe, halte ich mich immer daran einen Helm und feste Schuhe zu tragen, denn das kann bei einem Unfall das Schlimmste verhindern.

 

Studieren, wo andere Urlaub machen

Ich studiere hier am internationalen Campus der Universitas Udayana in Jimbaran. Neben den einheimischen Studenten sind hier einige Austauschorganisationen untergebracht. Das Studium auf Bali unterscheidet sich sehr zu dem in Deutschland. Normalerweise arbeitet man in Deutschland immer nur auf die finale Klausur hin und bekommt während des Semesters keine anderen Noten. Hier ist es allerdings so, dass sich die Note aus vielen Teilnoten zusammensetzt. In meinen meisten Fächern muss ich zu jeder Woche Assignments anfertigen oder Case Studies bearbeiten. Außerdem haben wir bereits Midterms geschrieben und müssen Präsentationen halten. Der Arbeitsaufwand ist im Gegensatz zu Deutschland also relativ hoch, dafür sind die Vorlesungen recht locker gestaltet und bestehen oftmals aus offenen Dialogen.

Surfstunde mit meinem Austauschprogramm

Auf dem Campus haben wir eine Activitymanagerin, die Ausflüge und Workshops organisiert, damit wir Land und Leute besser kennenlernen und auch als Studenten in Kontakt kommen. So waren wir beispielsweise auf Nusa Lembongan zum Schnorcheln, auf einem Tagesausflug in ein balinesisches Dorf und zu Reisterrassen, bei einem Kochkurs, beim Surfen, Raften und beim internationalen Food Festival der Uni, wo jedes Land seine eigenen Spezialitäten verkauft hat.

Meine Vorlesungen sind nur auf drei Tage verteilt, das heißt ich kann die Wochenenden nutzen, um einige der über 17.000 Inseln Indonesiens zu erkunden. Da die Inlandsflüge relativ preiswert sind und man problemlos ohne Reisepass und mit Flüssigkeiten fliegen kann (in Deutschland wäre das nie vorstellbar), kommt man ziemlich gut auf benachbarte Inseln um Land und Leute besser kennen zu lernen, denn jede Insel hat ihre Eigenheiten. So war ich bereits auf Flores, um von dort aus einen mehrtätigen Segeltrip in Richtung Lombok zu machen.

Gestoppt haben wir unter anderem auf der Komodo Island, um die berühmten Komodowarane in freier Wildbahn zu sehen. Zu den anderen Stopps gehörten Wasserfälle, Schnorchelspots, Berge und einsame Inseln, die nur aus Sand und Palmen bestanden haben und in einem kurzen Spaziergang zu umrunden waren. Auf Lombok habe ich verschiedene Orte und Inseln besucht, wobei es erschreckend war zu sehen, wie sich die Insel langsam für den Tourismus bereit macht. Überall wurden Strandpromenaden gebaut, die überhaupt nicht in das ruhige Bild der Insel passen und viel Natur wurde zerstört, um Hotels zu bauen.

Ein weiterer Trip hat mich nach Java geführt, wo ich in der Nähe von Yogyakarta die beeindruckenden Tempel Borobodur und Prambanan angeschaut habe. Dort habe ich gemerkt, wie unnormal es für die Einheimischen ist, Touristen zu sehen. Denn sofort waren wir umzingelt von ganzen Schulklassen, die Fotos mit uns machen wollten. Außerdem war deutlich zu spüren, dass der Islam hier die vorherrschende Kultur ist. Vor allem da wir zwei alleinreisende weiße Frauen waren.

Ich bin schon gespannt, was mich alles noch erwarten wird!

Bis dahin viele sonnige Grüße,

Lena