Laura Wehner studiert BWL an der Nelson Mandela University in Port Elizabeth, Südafrika

Zitat

Südafrika ist ein beliebtes Ziel unter den IFK-Stipendiaten. Auch Laura Wehner studiert an der Nelson Mandela Metropolitan University in Port Elizabeth. Hier schreibt Sie über ihre Erlebnisse und Eindrücke vom anderen Ende der Welt:

Laura Wehner in Südafrika

Ich bin habe mich Anfang Juli aufgemacht, um in Port Elizabeth, Südafrika an der Nelson Mandela University Betriebswirtschaftslehre zu studieren. Es ist erschreckend wie die Zeit verfliegt, zwischen vielen neuen Eindrücken, tollen Reisen und Universitätsalltag sind mittlerweile schon rund zwei Monate vergangen.

Als ich auf dem Hinflug in Johannesburg umgestiegen bin, habe ich sofort einen Eindruck von den Unterschieden zwischen Deutschland und Südafrika erhalten. Ein freundlicher Mitarbeiter der Fluggesellschaft hat mir meinen Koffer abgenommen und ihn einem Kofferträger in die Hand gedrückt. Dieser ließ sich nicht überreden mir den Koffer zurückzugeben, sondern hat ihn bis zum Schalter getragen und ein Trinkgeld verlangt. Ein anderer Reisender hat mir später erzählt, dass die Kofferträger ‚selbstständig‘ im Flughafen arbeiten und den Mitarbeitern der Fluggesellschaften einen Teil ihrer Einkünfte für ihre Mithilfe abgeben.

Menschen, die solche Hilfsdienste anbieten finde sich überall in Südafrika. Die vergleichsweise hohe Arbeitslosigkeit von über 27% prägt das Stadtbild. Es gibt Parkwarte, die einen auf einem fast leeren Parkplatz in eine Parklücke einweisen, Zeitungsverkäufer mit eigentlich kostenlosen Zeitungen an Straßenkreuzungen und Wächter, die scheinbar nichts zu bewachen haben. Dabei sind fast alle sehr freundlich und legen eine typisch südafrikanische Fröhlichkeit und Geschwätzigkeit an den Tag. Das Port Elizabeth, von allen hier einfach mit „PE“ abgekürzt, auch die „friendly city“ genannt wird, hat seinen Grund.

Port Elizabeth – The „Friendly City“ ?

Laura Wehner in Südafrika, Safari (2)Aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit, der stagnierenden Wirtschaft und den enormen Unterschieden zwischen Arm und Reich ist die Kriminalitätsrate im Vergleich mit Deutschland sehr hoch. In den ersten Tagen habe ich immer wieder eindringliche Vorträge zum Thema Sicherheit gehört. In der Uni, im Wohnheim und von den Einheimischen. Besonders in den ersten Wochen ist es öfters zu Überfällen in der Gegend des Wohnheims gekommen.

Es ist bekannt, dass neue Studenten ankommen, die sich in der Stadt noch nicht auskennen. Aus diesem Grund war ich besonders zu Beginn meines Semesters sehr unsicher und hatte Angst mich falsch zu verhalten und so unabsichtlich in Gefahr zu geraten. Es war eine ziemlich große Umstellung vom Leben in Deutschland und ich habe besonders am Anfang die Freiheit vermisst, die man durch die hohe Sicherheit in Deutschland hat. Wenn man sich aber an einige grundlegende Verhaltensregeln hält, wie etwa in der Dunkelheit nicht alleine unterwegs zu sein, ist die Wahrscheinlichkeit Opfer von Kriminalität zu werden gering. Besonders der Stadtteil Summerstrand, in dem sich mein Wohnheim befindet, ist sehr sicher.

Das Semester beginnt in Südafrika deutlich früher als in Deutschland, weshalb ich rund eine Woche nach meiner letzten Prüfung hier in das neue Semester BWL-Studium gestartet bin. Die Kurse, die ich belege, sind sehr interessant und vom Aufwand um einiges höher als ich erwartet hatte. Es wird viel Arbeitseinsatz im Semester erwartet, es werden Hausarbeiten, Präsentationen und Tests verlangt. Dies gibt es während des Semesters in Deutschland in diesem Umfang nicht. Trotz allem machen mir die Vorlesungen viel Spaß und ich finde es spannend neue und bereits bekannte Themen aus einer neuen Perspektive zu lernen. Zudem ist die Nelson Mandela University mit über 27.000 Studenten deutlich größer als die Ostfalia Hochschule in Wolfsburg, wodurch sich auch das Campusleben unterscheidet.

Kurz nachdem ich begonnen habe hier zu studieren, hat sich die Universität von „Nelson Mandela Metropolitan University“ zur „Nelson Mandela University“ umbenannt. Der erste Präsident nach Fall der Apartheid ist Südafrikas Held und man trifft seinen Namen dementsprechend oft im Alltag an. Nach „Madiba“ sind nicht nur Universitäten, sondern auch Straßen, Krankenhäuser und vieles mehr benannt.

Mit Beginn des Semesters habe ich auch einige einheimische Studenten kennengelernt. So gut wie alle sind sehr offen und interessiert daran, mehr über uns Austauschstudenten zu erfahren. Südafrika wird immer wieder als „Rainbow Nation“ bezeichnet, was ich nach rund zwei Monaten hier sehr gut verstehen kann. Hier leben Menschen mit den unterschiedlichsten Hintergründen. Die Kultur der einheimischen, insbesondere der schwarzen Gemeinschaft, ist heute noch deutlich stärker von dem Erbe der 11 großen südafrikanischen Stämme geprägt als ich erwartet habe. Zu den größten zählen die Xhosa und die Zulu, und viele die ich hier getroffen habe, fühlen sich stark ihrer Abstammung verbunden. Xhosa wird genauso häufig auf der Straße gesprochen wie Englisch oder Afrikaans. Des Weiteren leben hier noch Menschen aus anderen Afrikanischen Ländern. Besonders aus Simbabwe und Sambia sind hier viele Studenten vertreten.

Kulturell unterscheidet sich Südafrika zum Teil stark von Deutschland. Meist ist mir dies im Alltag aufgefallen. Zum Beispiel ticken südafrikanische Uhren einfach langsamer. Wenn man mit einem Südafrikaner eine Zeit ausmacht, darf es einen nicht wundern, wenn er erst eine halbe Stunde später fertig ist. Auch in Restaurants oder wenn man mit einem Südafrikaner irgendwo hinlaufen möchte, ist Ruhe angesagt, hier stresst sich keiner. Im Alltag sind die Südafrikaner sehr fröhlich und freundlich. Wenn man hier jemanden neu kennenlernt, wird man oft gleich so begrüßt, wie ich in Deutschland mit einem guten Bekannten gesprochen hätte. Jeder ist willkommen und es gibt immer etwas zu feiern.

Laura Wehner in Südafrika, Safari-Tour

Auf ein paar kleinen Reisen konnte ich bereits einige andere Ecken des Landes sehen. Besonders begeistert hat mich dabei die Natur und die faszinierende Tierwelt, die sich stark von Deutschland unterscheidet. Es ist ein Erlebnis mit dem Auto durch einen Park zu fahren und plötzlich Elefanten aus dem Gebüsch kommen zu sehen. Ich freue mich schon darauf mehr von Südafrika zu sehen, sobald die Semesterzeiten es zulassen.

Ich werde davon hier berichten…

Viele Grüße

Laura