- Ein Jahr in Brasilien – IFK-Stipendiat Tom Sprenger berichtet

IFK-Stipendiat Tom Sprenger berichtete über seine Zeit in Brasilien. Zwölf Monate leistete er seinen Freiwilligendienst mit Unterstützung des IFK in einer Tagesbetreuung für Kinder im sozialen Brennpunkt der Stadt Embu bei Sao Paulo.

„Heute auf den Tag genau bin ich aus Brasilien zurückgekehrt“, beginnt Tom Sprenger seinen Vortrag über seine Eindrücke und Erfahrungen während seines Freiwilligendienstes in einer Tagesbetreuung für Schüler in Embu, Nahe der Stadt Sao Paulo. Ein ganzes Jahr gestaltete er mit Kindern aus sozial schwachen Familien deren Freizeit, unterrichtete Deutsch, bastelte, malte, gab Sport- und Musikkurse.

40 Stunden die Woche leistete der damals 18-Jährige seinen Dienst in der Einrichtung „Acorde“ (deutsch: „Wach auf!“), einer über Spenden finanzierten Tagesbetreuung für Schulkinder. Hier wurden die Kinder vor und nach der Schulzeit von Erziehern betreut. Im Mittelpunkt aller Aktivitäten stand dabei die persönliche Entfaltung und Entwicklung der Vier- bis Siebzehnjährigen. Das Grundkonzept orientierte sich an den Theorien der Waldorfpädagogik der „Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V.„.

Seine Tage starteten immer mit dem gleichen Ritual: Nach etlichen Umarmungen zur Begrüßung folgten der Morgenkreis mit Gesang, ein gemeinsames Frühstück und schließlich die Angebote wie Sportunterricht, Mal- und Deutschstunden, Musikkurse. „Auf dem Gelände der Einrichtung gab es einen Spielplatz, eine Skaterbahn und einen Schulgarten. Es war für mich ein prägendes Erlebnis zu sehen, wie sich die Kinder im Laufe meines Aufenthaltes entwickelten“, erzählt Tom Sprenger und berichtet von einer besonderen Biografie: „Ein Jugendlicher zum Beispiel besuchte regelmäßig unseren Kochkurs. Hier lernte er, mit anderen zusammenzuarbeiten und eine gewisse Teamfähigkeit auszubilden. Kurz vor meiner Rückreise wurde er dann sogar von einem Strernekoch entdeckt.“ Ein positives Beispiel, das Hoffnung macht.

„Die Betreuung der Kinder im ‚Acorde‘ war für die Eltern kostenlos. Im Gegensatz dazu bezahlen wohlhabenere Familien bis zu 1.000 Euro Schulgeld an privaten Einrichtungen“, weiß Tom Sprenger zu berichten. Diese Ungerechtigkeit hätte ihn oft auch wütend gemacht: „In meinem Viertel von Embu wohnten Familien in armen Verhältnissen. Der Kontrast von bröckelnden Fassaden und Baracken zu den glänzenden Glastürmen in der Großstadt Sao Paulo war extrem.“

Besonders zu Beginn sei ihm das Einleben in ein fremdes Land mit (noch) fremden Menschen und vor allem einer fremden Sprache schwer gefallen: „In den ersten Wochen verstand ich nur wenige Brocken Portugiesisch, dass erschwerte die Kommunikation sehr. Aber im Laufe der Zeit wuchs mein Wortschatz. Die Kinder waren dabei meine besten, aber auch strengsten Lehrer“, erinnert sich der Student mit einem Lächeln. „Für sie war ich am Anfang immer nur ‚o alemao‘ – der Deutsche“. Heute bezeichnet er seine Zeit im Ausland als „Leuchtturm“ in seiner bisherigen Biografie.

Die Monate in Brasilien hätten ihm gelehrt, Toleranz gegenüber Andersartigkeit zu zeigen und den Lebensstandard hier in Deutschland nicht als selbstverständlich zu betrachten. „Viele Kinder in Brasilien haben keine Chance auf Bildung, einen Job oder sozialen Aufstieg. Diese Ungleichheit hat mich sehr beschäftigt.“ Im Land herrscht eine hohe Kriminalität, jeder 10. Brasilianer ist arbeitslos. Diese Erfahrungen seien es auch gewesen, die seinen Studienwunsch prägten: Er studiert bald im dritten Semester evangelische Theologie in Hamburg.

In 12 Monaten erfährt man sehr viel und sehr detailliert von Land und Leuten. Tom Sprenger stellte für ihn typisch deutsche Eigenschaften wie Pünktlichkeit, Ordnungssinn und Distanziertheit dem brasilianischen Charakterbild von Unverbindlichkeit, Leidenschaft und ausgeprägtem Gemeinschaftssinn im Vortrag gegenüber. „An vielen Klischees ist auch ein Stück Wahrheit dran“, meint der 20-Jährige im alltäglichen Umgang mit den Brasilianern entdeckt zu haben.

Tom Sprenger leistete seinen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst über das seit 2008 von der Bundesrepublik Deutschland initiierte Programm „weltwärts„. Einen Teil der Kosten müssen die Teilnehmer durch einen eigenen Spenderkreis finanzieren. Hierzu bewarb sich der damals frisch gebackene Abiturient beim IFK um ein Stipendium und erhielt eine Zusage. Als Dankeschön berichtete er, wie viele weitere IFK-Stipendiaten auch, zum einen regelmäßig von seinen Eindrücken auf der IFK-Homepage unter „In aller Welt„.

Zum anderen präsentierte er seine Erfahrungen mit vielen Bildern, Videos und Anekdoten in einem Vortrag vor Mitgliedern und Interessierten. Rund 40 Besucher fanden sich im Seminarraum der Volkshochschule Wolfsburg ein, um dem Bericht von Tom Sprenger zu folgen. Nach dem umfangreichen Bericht stand der ehemalige IFK-Stipendiat noch für Fragen bereit.

Aktuell fördert der IFK sechs Stipendiaten bei ihren Auslandsaufenthalten in der ganzen Welt. Ihre Berichte finden Sie hier.