- IFK unterstützt Schülerfahrt nach Amsterdam & Projekt „Deine Anne“

In Vorbereitung der Ausstellung „Deine Anne“ fuhren Schülerinnen und Schüler  Wolfsburger Schulen im September nach Amsterdam. Der IFK unterstützte die Fahrt. Hier berichten die Teilnehmer über die Reise:

„Sie darf nicht in Vergessenheit geraten!“

Wolfsburger Schülerinnen und Schüler auf den Spuren Anne Franks in Amsterdam

VON MALTE BLOOM

Wolfsburg. Es muss schon einen ganz besonderen Anlass geben, wenn sich 29 Schülerinnen und Schüler von sechs Wolfsburger Schulen (Leonardo da Vinci Gesamtschule, Phoenix Gymnasium, Neue Schule Wolfsburg, HNG, ASG und Oberschule Wolfsburg) zusammenschließen und freiwillig Zeit ihrer wohlverdienten Herbstferien für ein Schulprojekt bereitstellen.

Bereits am 29. September traf die Schülergruppe samt ihren Betreuern in der Niederländischen Hauptstadt Amsterdam ein, um sich dort für vier Tage mit dem Projekt „Deine Anne“ auseinanderzusetzen. „Deine Anne“ ist eine Wanderausstellung über das jüdisch-deutsche Mädchen Anne Frank, welches gemeinsam mit ihrer Familie versuchte der Verfolgung der Nationalsozialisten zu entgehen, in dem sie sich gemeinsam in einem kleinen Amsterdamer Hinterhaus versteckten. Sie wollte der Nachwelt „Freude und Nutzen bringen“ (Anne Frank, 5. April 1944) und hielt sämtliche Erlebnisse und Erfahrungen bis zum Zeitpunkt ihrer Ergreifung in ihrem Tagebuch fest, welches später nach ihrem Tod von ihrem Vater veröffentlicht wurde. Es war ihr persönlicher Wunsch, auch nach ihrem Tod fortzuleben.

Diesen Wunsch möchte auch die Wolfsburger Schülergruppe erfüllen und hat sich intensiv mit Anne Franks Leben und dem Judentum auseinandergesetzt, um im kommenden Jahr, wenn am 27. April  2017 die Wanderausstellung in der Aula der Leonardo da Vinci Gesamtschule eröffnet wird, interessierte Gäste zu führen und ihnen zur Seite zu stehen. Sicherlich hätte man das dafür nötige Wissen auch aus Schulbüchern oder anderen Medien erlangen können, doch Bücher alleine können nicht das wiedergeben, was der persönliche Besuch der Orte, an welchen Anne Frank tatsächlich einst war, einem an Gefühlen vermittelt. Daher besuchte die Schülergruppe, nachdem sie sich in Amsterdam im jüdischen historischen Museum und der portugiesischen Synagoge ausführlich mit dem Judentum auseinandergesetzt hat, das Anne Frank Haus sowie auf der Rückfahrt nach Deutschland die Gedenkstätte Westerbork.

„Die einzelnen Stationen, die wir besucht haben, halfen mir ,in Annes Gefühle und Gedanken einen Einblick zu erhalten“

äußerte die Schülerin Daniela als ein Fazit der Exkursion. Besonders das Versteck von Anne Frank im Hinterhaus, durch welches die Schülerinnen und Schüler eigenständig laufen und die originalen, von Anne Frank selbst an die Wände aufgeklebten Postkarten, begutachten konnten, hatte es der Schülergruppe angetan. Den sechzehnjährigen Schüler Bastian faszinierte es, dass es sich um

„Eine echte Geschichte, dokumentiert mit echten Fotos, echten Unterlagen und einem echten Tagebuch“

handelte. Für viele Menschen rückt das, was im Dritten Reich alles an unmenschlichen Handlungen geschehen ist, immer mehr aus dem Blickfeld. Das ist auch der Schülergruppe bewusst und alle beteiligten wissen darum, dass es ihnen in der heutigen Zeit verhältnismäßig gut geht. Sie können die Jugendlichen sein, die sie sind und haben die Freiheit, das Leben und die Welt für sich zu entdecken. Anne Frank, die stellvertretend für sämtliche verfolgte Jugendliche des Dritten Reichs steht und zum Zeitpunkt ihres Todes ähnlich alt war wie die Schülerinnen und Schüler der Projektgruppe, „konnte die Freiheit nicht spüren“, bedauerte die vierzehnjährige Nadja.

Mit der bevorstehenden Ausstellung „Deine Anne“ und dem dortigen Engagement möchten die Schülerinnen und Schüler der Projektgruppe ihren eigenen Beitrag leisten, vergangenes verständlich zu machen und das zukünftige Miteinander aller Menschen ein Stück weit zu verbessern.

Anne Frank hätte dies sicherlich sehr begrüßt. Schließlich war es doch ein Wunsch von ihr über den Tod hinaus zu überdauern und einen Beitrag zu leisten, welcher den Menschen von Nutzen ist. Daher spricht die Schülerin Carlotta aus, in welcher Verantwortung sich die Schülergruppe gegenüber Anne Frank befindet.

„Auch wenn uns das Ausmaß des Leidens immer wieder erschüttert, ist es dennoch wichtig, sie nicht in Vergessenheit geraten zu lassen“.

Wir sind allen, die dieses Projekt ermöglicht haben, sehr dankbar!