- IFK-Reise nach Togliatti

Anfang Juni reisten Mitglieder des IFK anlässlich des 25-jährigen Partnerschaftsjubiläums mit Wolfsburg in die russische Stadt Togliatti. Bei einem abwechslungsreichen Besuchsprogramm lernten sie die Stadt an der Wolga kennen.

„Wir heißen euch als ‚Pioniere‘ recht herzlich willkommen“, begrüßte Alexey Vostrikov die Reisegruppe des Internationalen Freundeskreises Wolfsburg e.V. (IFK) bei ihrer Ankunft in Russland. Es ist die erste Reisegruppe, die der Direktor des Besucherzentrums in Togliatti seit der Eröffnung zu Jahresbeginn in Empfang nahm. Vom 1. bis 7. Juni erkundeten die 19 Teilnehmer die Wolfsburger Partnerstadt und die Region Samara, auf sie wartete ein gut gefülltes Tagesprogramm mit Ausflügen und Besichtigungen.

„Das Besuchsprogramm bot einen sehr vielfältigen Mix aus Technik und Historie, beinhaltete Ausflüge in die Natur sowie die Teilnahme an kulturellen Events. Bei diesem facettenreichen Angebot an Freizeitaktivitäten war für jeden Geschmack etwas dabei“, freut sich Ulrich Hasenlust. Als Vereinsmitglied des IFK organisierte und begleite er die Reisegruppe in die russische Partnerstadt.

Togliatti liegt etwa 1.000 Kilometer südöstlich von Moskau in der Region Samara am Ufer der Wolga. In der Stadt mit 750.000 Einwohnern gibt es sechs Universitäten, mehrere Museen, eine Philharmonie, Theater und Kulturpaläste und Sportstätten. Am bekanntesten ist das Lada-Autowerk, das größte Autowerk Russlands. Folglich stand der Auftakt ganz im Zeichen des russischen Automobils. Die Reisegruppe besichtigte das technisch-historische Freiluftmuseum „K.G. Sacharow“, nahm an einer Führung durch die Lada-Werke mit anschließendem Besuch des Museums teil und ließ den ersten Tag auf der Zuschauertribüne des Motorradrennsports „Speedway“ ausklingen.

Die Reize der Wolfsburger Partnerstadt liegen auch in der unmittelbaren Umgebung. Samara, die Stadt mit ihrer berühmten Wolgapromenade und mehr als einer Million Einwohner, wurde zum Ziel eines Tagesausfluges. Höhepunkt der dortigen Stadtführung stellte für die Reisegruppe der Zutritt zum ehemaligen Stalin-Bunker im historischen Stadtviertel dar. Die Hauptstadt der Region ist als Zentrum des Flugzeugbaus und der Raketenproduktion weltweit bekannt. Ein Besuch des Museums für Luft- und Raumfahrt ermöglichte den Teilnehmern die Ansicht der einzigartigen Exponate.

In den Shiguli-Bergen, der einzigen Gebirgskette an der Wolga, sind eine Vielzahl an Tier- und Pflanzenarten beheimatet. Eine Wandertour führte die Reisegruppe am dritten Tag bis zum höchsten Punkt des Strelnaya Berges. „Die gesamte Woche hatten wir bestes Wetter, ausgerechnet bei unserem Ausflug in die Berge überraschte uns ein Regenschauer“, berichtet Ulrich Hasenlust. „Der atemberaubende Blick auf die schöne Landschaft bleibt aber trotz des Regens unvergessen“. Nach dem Besuch einer Ginseng-Farm mit anschließendem Picknick begaben sich die Reisenden gestärkt und getrocknet auf die Spuren des russischen Malers Ilja Jefimowitsch Repin.

In der Sommerzeit verwandelt sich Togliatti regelmäßig in ein Strandparadies. Kilometerweit zieht sich die Wolgaküste hier am Stausee „Kujbyschew“ entlang und lockt mit einer Reihe von Veranstaltungen. Zu den Hauptattraktionen zählt das Volksfest „Tatar Sabantui“, welches die rund 45.000 in Togliatti lebenden Tataren ausrichten. Hier werden Traditionen gepflegt, volkstypische Tänze präsentiert und Spezialitäten, wie zum Beispiel das Reisgericht „Plow“, verkostet. „Plow hat gekochten Reis zur Grundlage und wird mit Gemüse, Fleisch und besonderen Gewürzen serviert“, erklärt Ulrich Hasenlust die Hauptzutaten des usbekischen Nationalgerichtes.

Ein weiterer Höhepunkt ist das jährliche Fischerfest, an dessen Eröffnung die Wolfsburger Gäste ebenfalls teilnahmen. Als eine Stadt in unmittelbarer Flussnähe hat die Fischerei in Togliatti eine Jahrhunderte alte Tradition. Einmal mit dem kühlen Nass und seinen Bewohnern vertraut, eröffnete eine Bootsfahrt auf der Wolga den Reiseteilnehmern einen ganz besonderen Blick auf die Küstenlandschaft. Am Ende des Tages lud der Oberbürgermeister der Stadt Togliatti, Sergej Andrejew, zu einem offiziellen Abendessen ein. Eine Wolfsburger Delegation um Oberbürgermeister Klaus Mohrs, zu der auch IFK-Präsidentin Elisabeth Pötsch zählte, reiste aus Anlass des Partnerschaftsjubiläums ebenfalls nach Togliatti. An den Feierlichkeiten mit gemeinsamen Tanz und Gesang beteiligten sich viele weitere Gäste und Förderer der deutsch-russischen Freundschaft, darunter auch Familie Sipko, einer der langjährigen Unterstützer der Partnerschaft.

Doch wie kam es überhaupt zu einer Partnerschaft zwischen eben diesen beiden Städten? Das Jubiläum bietet auch Anlass für einen kleinen Rückblick: Als Wolfsburger Friedensgruppen 1981 den Anstoß für eine Städtepartnerschaft mit einer Stadt der damaligen UdSSR gaben, waren dort die politischen Bedingungen denkbar ungünstig. Aber man ließ sich nicht entmutigen, die Bemühungen um Frieden und Völkerverständigung gerade mit einem östlichen Nachbarn der Bundesrepublik zielstrebig anzugehen. Am 12.08.1991 wurde dann der Partnerschaftsvertrag zwischen beiden Städten in Togliatti unterschrieben. Austauschmaßnahmen in den verschiedensten Bereichen, wie Schule, Kultur, Jugend, Sport, Handwerk und auf Verwaltungsebene, haben die Menschen seitdem aus beiden Städten zusammengeführt und herzliche Freundschaften entstehen und vertiefen lassen.

Die Entstehungsgeschichte der Wolfsburger Städtepartnerschaft mit Togliatti ist somit ein Beispiel dafür, dass Menschen trotz schwieriger Bedingungen den Weg zueinander finden können, wenn sie aus Überzeugung handeln. Diese Einstellung möchte der Internationale Freundeskreis Wolfsburg e.V. (IFK) mit seinen Aktivitäten und Veranstaltungen unterstützen. Gemeinsam von Bürgerinnen und Bürgern sowie der Stadt Wolfsburg im Jahr 2006 gegründet, unterstützt er die Stadt beim Ausbau und der Pflege ihrer Städtepartnerschaften und internationalen Beziehungen. Der Verein fördert ein harmonisches und friedliches Zusammenleben zwischen Menschen unterschiedlicher Kulturen und leistet somit einen Beitrag zur Verständigung zwischen den Völkern.

Bereits in der Vergangenheit organisierte der IFK Bürgerreisen in Wolfsburger Partner- und Freundschaftsstädte, unter anderem ins französische Marignane, ins italienische Pesaro-Urbino sowie nach Halberstadt. Die Reise anlässlich des 25. Jubiläums der Städtepartnerschaft zwischen Wolfsburg und Togliatti stellt einen Höhepunkt im diesjährigen Programm des Vereins dar, der aktuell auch sein eigenes 10-jähriges Jubiläum feiert.

Der letzte Reisetag ging für die IFK-Reisegruppe mit einem Besuch im Rathaus von Togliatti und einem Empfang beim Oberbürgermeister zu Ende. „Es war eine besondere Ehre für die Wolfsburger Bürgerdelegation, von Herrn Sergej Andrejew empfangen zu werden“, sagt Ulrich Hasenlust mit Rückblick auf die Reise. An die Mitarbeiter der Stadtverwaltung und des Besucherzentrums Togliatti gewandt bedankt er sich: „Unsere ‚Pioniergruppe‘ wurde mit viel Herz empfangen und betreut.“