- Stammtisch & Vortrag über Kamerun

Am 30. Mai berichtete IFK-Mitglied Dr. Christian Kouam über sein Heimatland Kamerun. Er sprach über die aktuelle politische und wirtschaftliche Situation des Landes, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Vergleich mit anderen Staaten Zentralafrikas sowie die Beziehung zu Deutschland, die ihren Ursprung im Kolonialzeitalter Ende des 19. Jahrhunderts hat.

„Camarões – Aus dem portugiesischen Wort für ‚Garnelen‘ entstand über die Jahrhunderte der heutige Name Kamerun“, erklärt Dr. Christian Kouam zu Beginn seiner Präsentation die phonetische Herkunft seines Heimatlandes. Portugiesische Seefahrer erreichten im Jahr 1472 die Küste Kameruns und stießen im Fluss Wouri auf ein reiches Krabbenvorkommen. Der Entdeckung von Elfenbein und Zuckerrohr folgte ein erster Handel mit Europa. Heute ist das Aluminiumerz Bauxit eines der wichtigsten Rohstoffe des Landes.

„Deutsch wird von vielen Kamerunern als erste oder zweite Fremdsprache gelernt.“

Der Referent sprach als weiteren Punkt in der Landeshistorie den seit dem Jahr 1868 wachsenden deutschen Einfluss auf Kamerun an. Dieser erreichte am 14. Juli 1884 mit der Bekanntmachung des „Schutzgebietes“ Kamerun als Deutsche Kolonie seinen Höhepunkt und dauerte bis zum 1. Weltkrieg an, nach dessen Ende eine Aufteilung des Landes in französische und englische Verwaltungsdistrikte erfolgte. „Amtssprache Kameruns ist Französisch, doch die deutsche Sprache wird von vielen als erste oder zweite Fremdsprache gelernt“, weiß der Dozent für Fahrzeugtechnik an der Ostfalia Hochschule. Er selbst lernte in seiner Heimat Deutsch.

In Kamerun leben rund 20 Millionen Menschen, Hauptstadt ist Yaoundé. „Die Handels- und Wirtschaftsmetropole ist jedoch die Hafenstadt Douala“, sagt der Diplomkaufmann. Er ist an einem Autohaus beteiligt, welches vor einem Jahr eröffnet und sich auf den Verkauf von VW-Modellen spezialisiert hat. Seit Februar diesen Jahres werden dort auch Azubis zu Mechanikern ausgebildet.

„Der Nachwuchs zieht nach seiner Schulbildung oft ein Studium im Ausland vor.“

Zum Bildungssystem seines Landes berichtet Christian Kouam: „In Kamerun ist das französische Modell etabliert, Grundschulen sind kostenlos und die Zahl der Einschulungen ist im Vergleich mit anderen afrikanischen Ländern hoch. Jedoch kann sich nicht jede Familie die Kosten für Schulmaterial, Uniformen und Pausenverpflegung leisten. Es gibt viele staatliche und eine wachsende Zahl an privaten Universitäten. Trotzdem gehen viele gut ausgebildete Landsleute für ein Studium ins Ausland.“

„In Kamerun ist Korruption eines der größten wirtschaftlichen Probleme.“

Wirtschaftlich betrachtet verzeichnet Kamerun im Gegensatz zu anderen afrikanischen Staaten ein Wachstum seines Bruttoinlandsproduktes. „Das Problem der Korruption im Land schwächt das Wirtschaftssystem jedoch enorm“, erklärt das IFK-Mitglied den Zuhörern. Ökonomischer Schwerpunkt im Land bildeten die zunehmenden Verträge mit chinesischen Unternehmen. Die Volksrepublik weite ihren Einfluss auf Kamerun seit immer weiter aus, analysiert der Referent und warnt vor einer zu hohen Konzentration an chinesischen Handelspartnern. Er persönlich wünsche sich mehr Präsenz deutscher Firmen in Kamerun.

Im Anschluss an seine sehr informativen Ausführungen ging Dr. Kouam auf unterschiedliche Fragen aus dem Zuhörerkreis ein. Ein kleiner Kreis an Teilnehmern fand sich zum Ausklang des Abends im neueröffneten Aalto Bistro ein und tauschte sich noch intensiver mit dem Referenten zum Vortragsthema aus.