- Neujahrsempfang

 

Der IFK begrüßte seine Mitglieder traditionell mit einem Empfang im neuen Jahr. Am Abend des 23. Januar stand der Vortrag von Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur der Wochenzeitung „DIE ZEIT“, zum Thema „Macht (und Ohnmacht) der Medien in Deutschland und Italien“ im Mittelpunkt der Veranstaltung in der Autostadt.

Als Chefredakteur einer der auflagenstärksten deutschen Wochenzeitungen, Mitherausgeber des Berliner Tagesspiegels, Moderator der Talkshow „3 nach 9“ und Buchautor sprach Giovanni di Lorenzo über die Beschaffenheit des deutschen Mediensystems, welches er entgegen der geläufigen Stimmung gleich zu Beginn seines Vortrages positiv bewertete: „Wir haben hierzulande die besten Medien und damit die größte Meinungsvielfalt der Welt.“

Di Lorenzo wurde als Sohn einer deutschen Mutter und eines italienischen Vaters 1959 in Stockholm geboren und besitzt beide Staatsbürgerschaften. Dies ließ ihn in seinem Vortrag ebenso einen Blick in die Medienlandschaft des „väterlichen Italiens“ werfen. Nicht zuletzt erschien es dem Journalisten naheliegend, insbesondere als Wolfsburger Gast über Italien zu reden. Für rund 5.000 italienische Einwohner ist die Stadt seit über 50 Jahren die größte Heimat außerhalb des Stiefels am Mittelmeer und bekommt von ihnen daher liebevoll den Ausdruck „castelletto„, die Verniedlichungsform des italienischen Castello (dt. Schloss oder Burg), vorgesetzt.

Im Vergleich der beiden Mediensysteme hob der Chefredakteur die „Sonderrolle des Journalismus in einem demokratischen Staat“ hervor, „der die Leser nicht als Kunden sondern als Bürger betrachten sollte“. Er glaube an die Zukunft der Medien, insbesondere im Printbereich, und sehe keinesfalls eine Ohnmacht. Denn erst der Qualitätsjournalismus befähige die Bürger zur Meinungsbildung und dieser sei in Deutschland sehr gut ausgeprägt, befand di Lorenzo. Als Herausforderung sieht er die veränderten Bedürfnisse und Gewohnheiten der vorallem jungen Leserschaft, die Nachrichten zunehmend aus Onlinequellen bezieht. Hier fordert er eine „Monetarisierung der digitalen Welt“, um einen qualitativ hochwertigen Journalismus  dauerhaft gewährleisten zu können.

Der angekündigte Vortrag traf auf großes Interesse bei den Mitgliedern des IFK. Di Lorenzos Darstellungen folgte eine tiefgründige Diskussion, an der sich die Gäste rege beteiligten. IFK-Präsidentin Elisabeth Pötsch bedankte sich sowohl beim Gastredner als auch bei der Autostadt, die dem Verein zum wiederholten Male ihre Räumlichkeiten für den Jahresauftakt zur Verfügung stellte.